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Zeitgenossen-Auktionen : Jede Menge deutsche Künstler

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In London beginnt der Herbst mit Nachkriegskunst und Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips. Die Italiener gehören wieder zu den Zugpferden, neben der deutschen Prominenz.

          Parallel zur Londoner Messewoche mit der Frieze Art Fair und der Frieze Masters (beide Kunstmessen vom 6. bis zum 9. Oktober) starten auch die Auktionen mit Nachkriegskunst und zeitgenössischer Kunst in London. Dabei finden sich in den Angeboten der Häuser Sotheby’s, Christie’s und Phillips ausgesprochen zahlreiche Werke deutscher Künstler, und das gerade unter den hochpreisigen Losen. Sie machen bei der Abendveranstaltung von Christie’s am 6.Oktober – mit elf von 42 Losen – gut ein Viertel der gesamten Offerte aus. Am folgenden Tag sind es bei Sotheby’s sogar zehn von 35 Losen: Gerhard Richter, Albert Oehlen, Günther Förg, Thomas Schütte, Anselm Kiefer, Neo Rauch – sie alle sind bei den Abendauktionen der drei Häuser gleich mehrmals vertreten.

          Den Auftakt macht Phillips am 5. Oktober mit seinem „20th Century and Contemporary Art Evening Sale“, erwartet wird für die dreißig Lose ein Umsatz von mehr als fünfzehn Millionen Pfund. Im Juni, kurz nach dem Referendum zum Brexit, hatte das Haus mit seiner Zeitgenossen-Auktion 11,87 Millionen Pfund für 21 Lose erzielt. An der Spitze des aktuellen Angebots steht Andy Warhols knapp einen Quadratmeter großer Siebdruck „20 Pink Mao’s“ von 1979, der zum ersten Mal in einer Auktion auftaucht. Das auf vier bis sechs Millionen Pfund taxierte Werk ist mit einer Garantie versehen, wie noch drei weitere Lose bei Phillips. Den Katalogtitel schmückt Rudolf Stingels großformatiges „Untitled“ von 2007, ein marktfrisches, 211 mal 170 Zentimeter großes Gemälde in Gold und Silber. Es ist Teil von Stingels Serie, die an historische Tapeten- und Teppichmuster angelehnt ist (Taxe 1,5/2 Millionen Pfund). Ebenfalls marktfrisch und mit einer Garantie versehen ist Damien Hirsts Installation „Figures in a Landscape“ von 1998: Der mit Müllsäcken und Einrichtungsgegenständen gefüllte Stahl- und Glaskubus misst 213 mal 213 mal 274 Zentimeter (250 000/350 000). Dagegen wirkt Thomas Schüttes „Kleiner Geist“ mit seinen 47 Zentimetern recht zierlich. Der deutsche Künstler fertigte die gelbe Figur 1995 aus PVC, vor zwei Jahren wechselte sie bei Christie’s für 128 500 Pfund inklusive Aufgeld den Besitzer (120 000/180 000).

          Ein schwarzer Delfinschwanz

          Das Zehnfache erwartet Christie’s am 6. Oktober für Schüttes massive „Bronzefrau Nr.13“ aus der achtzehnteiligen Serie „Frauen“: Mit einer Taxe von 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund ist die hockende weibliche Bronzefigur auf einem Stahltisch von 2003 das Spitzenlos der Abendauktion. Publikumsliebling Adrian Ghenie ist dieses Mal mit einem riesigen Diptychon vertreten: Auf 414 mal 238 Zentimetern Leinwand präsentieren sich acht männliche Gestalten mit unkenntlichen Gesichtern auf einer Holzbühne, der Titel „Nickelodeon“ verweist auf das frühe Theater. Es ist als einziges Los bei Christie’s mit einer Garantie versehen und war 2009 das Herzstück von Ghenies erster Einzelausstellung in Großbritannien (1/1,5 Millionen). Von Albert Oehlen stammen gleich zwei Lose, beides Großformate: Ein „Untitled (Statue of Liberty)“ von 1989 (500 000/ 700 000) und das marktfrische „Behandlungen mit Kleber“ von 2002 (300 000/ 500 000) von 2002. Das französische Haus hat sich auf Anfrage mit einer Erwartung für die 42 Lose nicht festgelegt; im Herbst 2015 lag der Umsatz für den Londoner Zeitgenossen-Abend mit 46 Losen bei 35,56 Millionen Pfund, in diesem Juni bei 39,56 Millionen für 39 Lose.

          Direkt im Anschluss, ebenfalls am 6.Oktober, auktioniert Christie’s die sechzig Lose seines „Italian Sale“. Die italienische Nachkriegskunst wird angeführt von Alberto Burris beklebter Leinwand „Nero Legno“ von 1961 (1,8/2,5 Millionen). Der schwarze „Delfinschwanz“ aus dem Jahr 1966 ist eines von zwei Exemplaren einer Arte-Povera-Skulptur von Pino Pascali: Die 143 Zentimeter lange Flosse ist das Highlight der Veranstaltung und wird erstmals in einer Auktion angeboten, versehen mit einer Garantie (1,5/2 Millionen).

          Am nächsten Abend, dem 7. Oktober, folgt Sotheby’s mit seinen Italienern. Auch hier führt, wie bei der französischen Konkurrenz, Alberto Burri das Feld an: Das teuerste Los, „Rosso Plastica 5“ aus der bekannten „Plastiche“-Reihe von 1962 ist auf vier bis sechs Millionen Pfund geschätzt, gefolgt von Enrico Castellanis „Superficie Bianca“ (1,2/1,6 Millionen). Die 3,2 Meter lange, gänzlich weiße Reliefleinwand schuf der Konzeptkünstler 1967 für seine Installation „Ambiente Bianco“; heute ist sie der letzte erhaltene Teil dieses Kunstwerks. Für die insgesamt 47 Lose erwartet Sotheby’s einen Umsatz von 19,7 bis 28 Millionen Pfund.

          Englische Gartenlandschaften

          Eine Stunde später am selben Abend des 7.Oktobers werden die Zeitgenossen bei Sotheby’s auktioniert. Toplos ist Basquiats quadratische, auf ein selbstgebautes Gerüst aus Holzstäben gezogene Leinwand „Hannibal“ von 1982. Das orangefarbene Gemälde mit Totenkopf ist auf 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund taxiert. Gerhard Richters „Garten“ von 1982, ein zweiteiliges, abstraktes Ölbild (3/4 Millionen), besticht ebenso durch seine Farbigkeit wie David Hockneys „Guest House Wall“. Wie auch Richter widmet sich Hockney darin der Gartenlandschaft; der englische Künstler schuf das Gemälde, das mit einer Garantie versehen ist, im Sommer 2000 (1,8/2,5 Millionen). Die einzig vertretene Künstlerin in der Abendauktion bei Sotheby’s ist Elizabeth Peyton mit ihrem „Earl of Essex“ in Öl von 1995 (200 000/ 300 000).

          Zusammen sollen die 35 Lose 24,1 bis 32,7 Millionen Pfund umsetzen. Mit dieser Erwartung bleibt Sotheby’s deutlich hinter den jüngsten Zeitgenossen-Auktionen zurück. Im Juni hatte Jenny Savilles Ölgemälde „Shift“ von 1996/97 mit dem Überraschungszuschlag von 5,95Millionen Pfund für einen satten Gewinn gesorgt (F.A.Z. vom 2. Juli), umgesetzt wurden 52,19 Millionen Pfund für vierzig Lose. Die Herbstauktion von 2015 brachte bei 38 Losen 36,35 Millionen Pfund ein.

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