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Jahresgaben der Kunstvereine : Shop till you drop

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Was den Einkaufsmeilen der Städte recht ist, soll der Kunst billig sein, wobei sie durchaus etwas kosten darf: Editionen und Unikate aus dem Programm der Kunstvereine.

          Früher wurde höchstens eine schmale Broschüre verschickt, heute haben die Jahresgaben echten Ereignischarakter. Der Kunstverein Hamburg zum Beispiel eröffnete schon am 23.November seinen „Red Room“, der sich mit einem rotwandigen Interieur wie aus einer Boutique gepaart mit einem Mode-Ausverkauf überraschend kommerziell gibt. „Shop Till You Drop“ lautet das nur halbironische, diesjährige Motto. Auch manche der dort angebotenen Jahresgaben sind von einem alltäglichen Gebrauchsgegenstand nur schwer zu unterscheiden: Geschirr, Vasen, Sitzobjekte und Lampen, Schmuck und Handtaschen ähneln dem Angebot eines gut sortierten Museumsshops - der sich allerdings bemüht, mit Kunst möglichst wenig zu tun zu haben.

          Doch auch das Bedürfnis nach Flachware wird in Hamburg befriedigt, etwa mit der Bildserie „Alles falsch gemacht, Antonin“ von der 1982 in Falkenau geborenen Künstlerin Monika Michalko. Ihre auf alte Plakate gemalten, ornamentalen Abstraktionen scheinen vergangene Epochen und Œuvres aufzurufen; der Gedanke an Miró oder Kandinsky liegt bei diesen Gemälden nicht fern. Aber es bleiben Zweifel: Handelt es sich nicht vielleicht doch um die Machwerke des im Titel genannten Hobbymalers Antonin, der mit seinen ambitionierten Pinselschwüngen eben leider doch „alles falsch gemacht“ hat? Über die Antwort muss jeder Besucher selbst entscheiden (3 Unikate; je 1300 Euro).

          Weniger konsumfreudig als vielmehr selbstgemacht sieht manches Objekt im Düsseldorfer Kunstverein aus: Auch die Käufer können also beweisen, dass sie keine Angst vor schlechtem Geschmack haben. Sie können sich Ekrem Yalcindags ein wenig an „Malen nach Zahlen“ erinnerndes Farbfeldbild „96 Farben, Gri-Grau-Grey, Turkis, Marlene, Hautton, 94 mal Rot, Schwarz, Contrasts, Weiss, Schwarz in Perlschwarz“ (10 Unikate; je 2900 Euro) übers Sofa hängen oder die Fotografie einer „Pickup Test Guitar“ von Martin Zellerhoff. (Auflage 12+3; je 540 Euro, mit Rahmen 600 Euro).

          Im Bonner Kunstverein ziert die Jahresgaben - meist von jenen Künstlern, die im Lauf des Jahres im Haus ausgestellt haben - eine minimalistische Einfachheit. Die erschwinglichen Werke erweisen sich dort in besonderem Maße als Quintessenz der Strategien, für die sich die Künstler ihren Namen gemacht haben: Alexandra Bircken, bekannt für ihre Material-Assemblagen und Handarbeits-Zitate, bastelte ein Objekt aus Strumpfhosen (2 Unikate; je 2200 Euro); Kris Martin schickte zwei Steine, die er angeblich in den Schuhen anderer Leuten gefunden hat (2 Unikate; je 963 Euro).

          Der Münchener Kunstverein präsentiert das wohl breiteste Angebot, mit Jahresgaben von sechzig Künstlern, zu Preisen von 240 bis 7500 Euro. Am respektlosesten geht wohl der 1978 in München geborene Hank Schmidt in der Beek zu Werke; er greift berühmte zeichnerische und fotografische Vorlagen aus der Kunstgeschichte heraus und verändert sie nach seinem Belieben: Die Disney-Figuren Tick und Trick klettern an der Silhouette einer von Picasso gezeichneten Dame herum, und die Münchener Frauenkirche wächst Man Rays berühmtem weiblichen Rückenakt wie eine Steißtätowierung auf der Haut (4 Unikate; 400, 500 und 600Euro).

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