14.06.2005 · Ende der fünfziger Jahre begann Gunter Sachs mit dem Aufbau seiner bedeutenden Sammlung von Werken der damals zeitgenössischen Kunst. Ende der sechziger Jahre schätzte und förderte er bereits die Pop-art. Mit uns sprach er anläßlich der Art Basel über die Kunst zu Sammeln.
Mitte der sechziger Jahre wurde Gunter Sachs, der Sammler und Mäzen, Direktor des "Modern Art Museum" München (MAMM), das in den Räumen der Stuck-Villa untergebracht war. Dort wirkte er geschmacksbildend; denn gegen Ende der Fünfziger hatte Sachs begonnen, seine bedeutende Sammlung mit Werken der damals zeitgenössischen Kunst sorgfältig aufzubauen. Sie stellte er auch aus. Ein Schwerpunkt lag bei den Franzosen, aber Sachs erwarb auch bedeutende Werke von de Chirico oder Dali und einen der "Päpste" Francis Bacons. Diese Kollektion pflegt er bis heute.
Bereits Ende der Sechziger schätzte und förderte Sachs die Pop-art, und wieder wählte er mit sicherer Hand: Als er sich 2004 von Andy Warhols "Superman"-Gemälde aus dem Jahr 1961 nach mehr als dreißig Jahren trennte, wurde die Ikone zum teuersten Warhol aller Zeiten.
Wir haben Gunter Sachs, der sich längst selbst als Filmemacher und Photograph einen Namen gemacht hat, gefragt, was denn Qualität in der Kunst ausmache und was die Qualitäten eines Sammler.
Herr Sachs, gehen Sie eigentlich selbst auch auf Kunstmessen?
Von 1958 bis in die neunziger Jahre war ich auf allen großen europäischen Messen für die - damals - zeitgenössische Kunst. Da ich, für mich selbst, meine Sammlung "Das dritte Viertel des 20.Jahrhunderts" nenne, gehe ich heute nur noch auf Kunstmessen, um mich zu informieren, und auch das eher selten.
Als Sie selbst Ende der fünfziger Jahre begonnen haben, Kunst zu sammeln: Was waren da die Kriterien, nach denen Sie für Ihre Sammlung ausgewählt haben?
Zunächst galt es zu verhindern, ein Sammelsurium zusammenzukaufen. Ich wollte das Beste aus zwei oder drei Kunstperioden meiner Zeit sammeln: Sonst wird das Feld einfach zu groß.
Und was haben Sie also gewählt?
Die Informellen - aber von ihnen lediglich Jean Fautrier; ich glaube, ich habe mittlerweile eine der größten Fautrier-Sammlungen überhaupt. Dann die französischen Nouveau Realistes, also Künstler wie Yves Klein, Cesar und Arman. Später kam die Pop-art dazu mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Claes Oldenburg. Daneben besitze ich einige Surrealisten - Werke von Giorgio de Chirico und Max Ernst, Yves Tanguy und Dali.
Es gibt gelegentlich eine Tendenz, zu unterscheiden zwischen Kunst, die "auf dem Markt ist" oder eben "gekauft wird", und solcher Kunst, die "museumswürdig" ist...
...das kommt auf die Definition an. Ich sehe das so: Das Höchstrangige ist prinzipiell auch museumswürdig. Es ist schließlich eine Frage des Portemonnaies. Wobei ich persönlich meine Bilder - da sie eben Modern Art, also zeitgenössisch waren - günstiger erworben habe.
...wie unsinnig die Trennung in "Kaufkunst" und "Museumskunst" ist, dafür ist Warhols "Superman" ein Paradebeispiel, den Sie selbst 1972 in Ihrer Hamburger Galerie ausstellten und dann, weil das Bild damals keiner wollte, für um die 20000 Mark gekauft haben.
Den "Superman" konnte man sich nur in seinen jungen Jahren leisten. Er ist so etwas wie ein Grundlagenwerk, ein Schlüsselbild.
Nun photographieren Sie auch selbst sehr erfolgreich: Hat sich Ihr Blick auf die Kunst der Zeitgenossen - inklusive der Photographie - dadurch verändert?
Nein. Die Photographie, so glaube ich, ist ein Kind der bildenden Kunst, das gerade erst erwachsen wird. Man kann die Photographie also noch nicht richtig mit der eigentlichen Kunst vergleichen. Ich differenziere zwischen den verschiedenen "Künsten" und versuche, da noch nichts zu vermengen.
Wie würden Sie den Begriff "Qualität" in bezug auf Kunst definieren?
Bei jemandem, der Talent hat, ist Kunst, was aus dem Bauch heraus geschieht. Der Kopf hat da wenig zu suchen.
Sammeln Sie weiterhin Kunst?
Ich ergänze und putze meine Sammlung, und ich erwerbe noch weiterhin Surrealisten. Aber das kann man nicht mehr sammeln nennen - das ist alter Hut.
Haben Sie Affinitäten zur aktuellen zeitgenössischen Kunst?
Die heutige zeitgenössische Kunst sammle ich nicht. Um eine solche Zeitgenossen-Sammlung muß man sich ganz und gar kümmern, nicht nur zweimal pro Jahr auf Messen gehen. Dafür muß man das Gras wachsen hören - und das Gras wachsen lassen.
Wenn Sie heute doch noch mal anfangen würden zu sammeln: Was würde Sie da überzeugen?
Mich können nur Dinge überzeugen, in die ich mich hineingedacht habe.
Glauben Sie, daß es - generell - richtig ist, sich beim Erwerb von (Gegenwarts-)Kunst völlig auf das eigene Geschmacksurteil zu verlassen, oder sollte man sich zuvor informieren über den Künstler, seine Position im Markt und über die aktuellen Preise?
Eine ganze Welt kann man nicht allein erfinden: Natürlich kommt es beim Sammeln nicht nur auf den persönlichen Geschmack an. Den kann man mit Bildern zu Hause an der Wand befriedigen. Zum Sammeln gehört eine Grundkenntnis der Materie überhaupt und der Materie im speziellen, die man sammelt.
Haben Sie also einen Rat für Leute, die anfangen wollen, eine Sammlung zusammenzubringen?
Zuerst sollten sie sich klar darüber werden, ob sie Bilder oder Aktien sammeln wollen. Denn die Vorgehensweise ist verschieden. Der Enthusiastische sammelt einfach besser als der, der dem Mammon folgt. Das liegt in der Definition von Kunst und Geld begründet.
Eine letzte Frage: Haben Sie selbst in der aktuellen Szene einen Lieblingskünstler, bekannt oder unbekannt?
Ja (er amüsiert sich) - der ist aber Photograph.