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Veröffentlicht: 29.12.2012, 06:23 Uhr

Internationale Toplose 2012 Schrei vor Glück

Wenn es um Spitzenwerke geht, scheint die Kaufkraft der Bieter bei Kunstauktionen unerschöpflich zu sein. Das zeigt der Rückblick auf ein Jahr mit Superlativen.

von rose-maria gropp

Dieser „Schrei“ (1) wird schwer zu übertrumpfen sein - zumindest im Auktionssaal, vor aller Augen. Mit dem Zuschlag bei 107Millionen Dollar ließ Edvard Munchs Pastell Anfang Mai alle bisherigen Auktionshöchstpreise hinter sich. Sein Käufer, der amerikanische Finanzmanager Leon Black, bezahlte mit Aufgeld 119,92 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 91,33Millionen Euro. Das muss man schon wollen, für ein weltberühmtes Sujet zwar, das allerdings in vier Versionen existiert.

Naturgemäß orientiert sich die Höhe der Zuschläge in diesem absoluten Spitzensegment des globalen Markts wesentlich am Angebot. Das gilt in diesem Jahr - allem voran - für die Überschreitung der Eine-Milliarde-Dollar-Umsatzgrenze, die von Christie’s, Sotheby’s und Phillips de Pury gemeinsam bei der Gegenwartskunst im November in New York geschafft wurde: Denn es waren ja keine neuen Rekorde für die Zeitgenossen dabei, sondern ausschlaggebend war die Anzahl von tatsächlich hochklassigen Werken - wie solche von Mark Rothko (2 und 3), der inzwischen in allen Varianten als gesetzt gelten kann, wie Roy Lichtensteins „Sleeping Girl“ (6b), Warhols 3D-„Statue of Liberty“ (7b) oder auch seine begehrte „Ferus Type“-Elvis-Hommage (10).

Wie eng das Feld der Moderne und Gegenwart im Ganzen ist, beweisen die Doppelbelegungen auf den zehn vorderen Rängen: So erforderte am selben Tag im Mai Francis Bacons „Figure Writing Reflected in Mirror“ (6a) auf derselben Versteigerung bei Sotheby’s die gleiche Summe von vierzig Millionen Dollar wie eben Lichtensteins Mädchen. Und Warhols Freiheitsstatue rückte innerhalb von zwei Tagen, diesmal bei Christie’s, direkt neben Seerosen von Monet (7a).

Sobald einer der echten Superstars unter den Alten auftaucht wie zuletzt Raffael (4), dann wird er unter die Top Ten schießen: so geschehen Anfang Dezember in London, als sein Kopf eines jungen Apostels bei 26,5Millionen Pfund zugeschlagen wurde, das sind umgerechnet 42,675 Millionen Dollar. Übrigens ist der Käufer dieses Blatts vermutlich wieder Leon Black, der sich schon 2009 Raffaels „Kopf einer Muse“ sicherte und eben im Mai Munchs „Schrei“.

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Um Haaresbreite (bei der Umrechnung in die maßgebliche Dollar-Währung) hinter Rang zehn rangieren eine „Peinture“ von Miró, gefolgt von zwei bildschönen Yves-Klein-Arbeiten und John Constables „The Lock“, dem einzigen Altmeistergemälde weit und breit. Direkt im Anschluss erscheinen Gerhard Richter - mit seinem abstrakten Bild „809-4“, das, eingereicht von Eric Clapton bei Sotheby’s in London, auf atemraubende neunzehn Millionen Pfund oder 30,445Millionen Dollar stieg - und Jeff Koons mit seiner riesigen Stahlplastik „Tulips“, die bei Christie’s in New York auf dreißig Millionen Dollar kam. Damit ist Richter der (aktuell) höchstbezahlte lebende Künstler, einen Hauch vor Koons. Etwas mokant formuliert: Die gestorbenen Zeitgenossen sind doch die noch besser dotierten; ihre

Œuvres sind schlicht abgeschlossen.

Die Tendenz der Zeit geht eindeutig in Richtung einer Auflösung der klassischen Grenzen, hin zur noch schärferen Konkurrenz zwischen Kunsthandel und Auktionsmarkt, bis in die einstige Domäne des Galeriegeschäfts, wo es kommerziell erfolgversprechend ist. Immer mehr Werke werden in den Kulissen vermittelt. Der Show-Effekt der Auktionen wird damit gedämpft. Neue Bereiche müssen erschlossen werden, um die Reizschwelle hoch zu halten. Es läuft auf Luxusgüterkonzerne hinaus - im Diamanten- und Uhrenfieber.

Quelle: F.A.Z.

 

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