Grießnockerlsuppe, Nudelauflauf, Erdbeercreme: Nicht unbedingt eine spektakuläre Menüwahl, möchte man meinen. Allerdings handelt es sich hierbei um die Lieblingsgerichte von Martin Kippenberger. Serviert werden diese am Samstag, den 21. Januar, in der Kölner Galerie Teapot für jeden, der einen Tisch und zwei Stühle mitbringt. (Um Reservierung wird gebeten) Was ist da los? Eins ist klar: Es handelt sich hierbei um Kunst. Das sagt zumindest René Stessl, ein junger Künstler - und gelernter Koch. Stessl nennt seine Aktion „The Happy End of Martin Kippenberger’s Amerika“ in Anlehnung an den 1997 gestorbenen Großmeister der Ironie und sein Spektakel „The Happy End of Franz Kafka’s ,Amerika’“.
Öffentliches Kochen hat Tradition
Aber warum muss es nun gerade Kippenberger sein, über den man sagte, er könne nicht mal ein Wurstbrot schmieren? Für René Stessl ist der ehrfürchtige Knicks in Richtung Kippi absolut konsequent, markiert seine kulinarische Ehrerbietung doch den Wiedereintritt des Wieners in die alte Welt: Bis vor kurzem noch überraschte Stessl die Bewohner New Yorks mit seinem „1 Hour Restaurant“, welches das Beste aus Alter und Neuer Welt vereinte. Es gab Fritattensuppe, Rinderrouladen, Gulasch, Strudel, Topfenpalatschinken, Kaiserschmarrn; alles stilvoll serviert, in einer Stunde. Stessl kochte während seiner drei Monate in New York an unkonventionellen Orten: Er servierte seine Gerichte mitten auf dem Times Square ebenso wie auf der vom Verkehr dröhnenden Williamsburg Bridge oder vor jener Kirche in Brooklyn, in der einst Al Capone Hochzeit feierte.
Und jetzt hat er eine Kölner Galerie zu seinem „Wirtshaus“ erklärt. Gibt es das wirklich? Performativer Altruismus in Zeiten, in denen Kunst vielen als reine Geldanlage gilt? Es scheint unglaublich, doch die glücklichen Gesichter der Gäste während und nach der Speisung sprechen eine eindeutige Sprache. Wahrscheinlich ist Stessls Performance-Restaurant nur Aktionskunst in einem hoffnungslos altmodischen Sinne - umsonst und für alle. „Wenn Du Liebe verbreiten möchtest, werde nicht Priester, Guru oder Buddha, sondern Koch“, behauptet er. Wer übrigens unbedingt was kaufen will, darf dies auch: Für 8000 Euro lässt sich Stessls Restaurantinstallation erwerben, und der Käufer wird natürlich - bekocht.