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Impressionismus, Moderne und Gegenwartskunst Viel elegantes Weiß für diesen Winter

28.01.2012 ·  Wieder zählen Herkunft und Marktfrische: Das gilt für die Londoner Auktionen mit Impressionismus und Moderne wie für die mit zeitgenössischer Kunst.

Von Anne Reimers, London
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Der Mythos Elizabeth Taylor soll auch in London Wunder wirken. Drei der 38 Werke ihrer Kunstsammlung wurden für die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s am 7. Februar ausgewählt, die übrigen werden am folgenden Tag versteigert. Diese attraktive Provenienz trägt das kleine Selbstporträt des jungen Degas (Taxe 350.000/450.000 Pfund), das die Leinwandlegende 1957 in Paris ersteigerte; es befand sich zuvor in der Sammlung von Prinz Ali Khan.

Im selben Jahr kaufte Taylor die Sommerlandschaft „Pommiers à Éragny“ von Pissarro (900.000/1,2 Millionen). Die Schauspielerin konnte sich auf die Expertise ihres Vaters, eines in London agierenden Kunsthändlers, verlassen: Er kaufte für seine Tochter auch Van Goghs herbstliche „Vue de l’asile et de la Chapelle de Saint-Rémy“ bei Sotheby’s in London. Van Gogh malte das vergleichsweise ruhige Bild 1889, ein Jahr vor seinem Tod. Nun werden fünf bis sieben Millionen Pfund für das zweitteuerste Los des Abends erwartet.

Christie’s fährt mehr interessante Provenienz auf: Die ersten neun Lose kommen marktfrisch aus der Sammlung des im Jahr 2005 gestorbenen deutschen Unternehmers Hubertus Wald, darunter Papierarbeiten von Kandinsky, Jawlensky und Henri Laurens, neben einer „Buste de femme nue“ auf Leinwand von Kees van Dongen (700.000/1 Million), einer abstrakten Komposition des Belgiers Georges Vantongerloo und einer spektakulären „Tour Eiffel“ im Großformat Robert Delaunays (1,5/2,5 Millionen) von 1926.

Das Spitzenlos aber ist ein wichtiges kubistisches Stillleben mit Buch und Flasche von Juan Gris, entstanden zwischen 1914 und 1915: „Le livre“ schrieb Ausstellungsgeschichte, wurde es doch 1945 in der Nachkriegsschau „Cubisme“ in der Galerie de France in Paris ausgestellt. Seit den fünfziger Jahren befand es sich in einer Schweizer Privatsammlung; nun kommt es mit einer Erwartung von zwölf bis achtzehn Millionen Pfund. Christie’s erhofft sich dafür ein besseres Ergebnis als für das aggressiv taxierte Degas-Spitzenlos im November in New York, das zurückging.

Henry Moore ist mit gleich vier Werken vertreten. Von einem New Yorker Sammler - es soll sich um den Immobilienmogul Sheldon Solow handeln -, wurde seine fast zwei Meter lange „Reclining Figure: Festival“ eingereicht (3,5/5,5 Millionen). Doch nicht nur in der Kunstwelt sind Bronzen grade sehr beliebt: Im Dezember wurde in London eine mit 500.000 Pfund versicherte Plastik von Barbara Hepworth in Dulwich gestohlen; eine auf drei Millionen Pfund geschätzte Plastik Moores, die 2005 aus einem englischen Park abtransportiert und eingeschmolzen wurde, soll den Dieben nicht mehr als 1500 Pfund eingebracht haben. Im Anschluss an die 51 Lose mit Impressionismus und Moderne werden bei Christie’s noch 39 Werke unter der Rubrik „The Art of the Surreal“ aufgerufen. Der erwartete Gesamtumsatz für die neunzig Lose des Abends liegt bei 86 bis 127 Millionen Pfund.

Das erste Los der Sotheby’s-Abendauktion am 8. Februar ist Max Liebermanns noch muntere Berliner Szene „Gartenlokal am Wannsee“ von 1933 (500.000/ 700.000), eingereicht aus einer deutschen Privatsammlung. Im selben Jahr entstand auch das Spitzenlos, Mirós Leinwand „Peinture“ (7/10 Millionen), die seinen Versuch reflektiert, eben über Malerei hinaus zu gehen. Auch Sotheby’s hat eine Reihe attraktiver Landschaften im Programm; Klimts „Seeufer mit Birken“ - geschätzt auf sechs bis acht Millionen Pfund - aus dem Jahr 1901 ist eine besondere Entdeckung: Als 2007 ein Werkverzeichnis Klimts publiziert wurde, wusste dessen Herausgeber Alfred Weidinger, Vizedirektor des Belvedere in Wien und Klimt-Spezialist, noch nichts von der Existenz des Gemäldes.

Es war über ein Jahrhundert lang nicht mehr öffentlich ausgestellt und befand sich seit 1902 in der Hand derselben niederländischen Sammlerfamilie. Richard Koenigs und Clara Koenigs-Bunge kauften das Bild, das nun von ihren Nachfahren bei Sotheby’s eingereicht wurde, bei der „Deutsch-Nationalen Kunstausstellung“ in Düsseldorf. Eine Ausstellung in der Wiener Secession, ebenfalls 1902, zeigt „Seeufer mit Birken“ als den rechten Teil einer wohl als Triptychon konzipierten Kombination. Das Bild mag zwar nicht zu Klimts Spitzenwerken gehören, doch sein Auftauchen sorgte für Aufregung, und in die zum 150. Geburtstag des Künstlers erscheinende Neuauflage des Werkverzeichnisses wurde es aufgenommen. Erst im November erzielte Sotheby’s mit Klimts Landschaft „Litzlberg am Attersee“ in New York 40,4 Millionen Dollar inklusive Aufgeld, gegenüber einer Taxe von 25 Millionen Dollar.

Neben Ernst Ludwig Kirchners „Das Boskett: Albertplatz in Dresden“ (5/7 Millionen) aus einer rheinischen Privatsammlunggehören eine mit Garantie und unwiderruflichem Gebot versehene Schneelandschaft von Monet - „L’entrée de Giverny en hiver“ (4,5/ 6,5 Millionen) - zum Programm, außerdem Salvador Dalís Gemälde „Oasis“ (4/6 Millionen) und Arbeiten von Feininger, Nolde, Signac, Soutine und Braque. Aus einer deutschen Sammlung wurde Otto Dix’ dadaistische Darstellung einer Straßenbahn eingereicht, „Die Elektrische“ (700.000/1 Million) aus dem Jahr 1919, die einst durch die Hände der bekannten Kunsthändlern Johanna Ey ging. Bekannt aus der Christie’s-Auktion im schwierigen Februar 2009 sind Vuillards schöne Näherinnen „Les couturières“ und Jawlenskys charaktervolles „Mädchen mit roter Schleife“ von 1911: Nun tauchen beide bei Sotheby’s wieder auf.

Vuillards Gemälde soll fünf bis sieben Millionen Pfund kosten; vor zwei Jahren kam es mit einer Erwartung von 5,5 bis 7,5 Millionen zum Aufruf und wurde, dank der niedrigen Reserve, bei 4,5 Millionen Pfund zugeschlagen. Jawlenskys Göre war im Februar 2008 erst bei 2,6 Millionen Pfund zugeschlagen worden; im Februar 2009 dann wurden vom nächsten Käufer nur 1,7 Millionen bewilligt: Jetzt soll sie in einem erstarkten Markt drei bis fünf Millionen Pfund einbringen - damit stolzen Profit. Insgesamt 53 Lose sollen bei Sotheby’s am Abend 78 Millionen Pfund einspielen.

Es folgt die Woche mit den Zeitgenossen, die gleich vier Abendtermine bietet. Bonhams ist zum zweiten Mal mit dabei, seit das Haus seine erste Abendauktion mit Zeitgenossen im vergangenen Oktober lanciert hat: „Contemporary One“ am 13. Februar wartet mit zwanzig Losen im Gesamtwert von 1,8 bis 2,7 Millionen Pfund auf. Unter den Spitzen, mit einer Taxe von 300.000 bis 500.000 Pfund, ist eine so grob hingeworfen wie zart wirkende Kohlezeichnung, die Frank Auerbach von seinem Londoner Malerfreund Lucian Freud im Jahr 1960 anfertigte; ihr Einlieferer kaufte sie 1975 bei der Beaux Arts Gallery in London.

Viele der Bonhams-Lose kommen zum ersten Mal bei einer Auktion zum Aufruf, allerdings ist die Mehrzahl auch weniger als zwanzig Jahre alt. Einige der Künstlernamen trifft man nicht so häufig bei Auktionen an: So ist zum Beispiel eine 223,5 Zentimeter lange, einschüchternd wirkende Polizeiuniform (Auflage 30) von dem amerikanische Performance- und Konzeptkünstler Chris Burden dabei; Burden liess „L.A.P.D. Uniform“ (25.000/35.000) 1994 in Reaktion auf soziale Unruhen in Los Angeles anfertigen.

Zum Kauf einzuladen scheinen dagegen die drei Motorrad-Babes mit bauchfreien Tops und Frisuren im Stil von „Charlie’s Angels“ von Richard Prince: Die Fotografie „Untitled (Girlfriend)“ (150.000/200.000) wurde von einem amerikanischen Sammler eingeliefert, der das auf 1987 datierte Bild 2009 bei Gagosian in New York kaufte. Es ist ebenso mit einer Garantie versehen wie die beunruhigende „Untitled“-Schaumstoffskulptur von Urs Fischer aus dem Jahr 2006 - mit einer Taxe von 400.000 bis 600.000 Pfund das teuerste Los.

Ein Rothko für London

Mit Bacon führt ein Schwergewicht den Abend bei Christie’s am 14. Februar an: Sein „Portrait of Henrietta Moraes“, gemalt nach einer Fotografie, wirkt ungewöhnlich lasziv, der nackte Körper hingestreckt auf einem weißen Bett vor lilafarbener Wand. Die auf Nachfrage herausgegebene Schätzung liegt „in the region of“ achtzehn Millionen Pfund. Der New Yorker Einlieferer - auch bei dem Bacon soll es sich um Sheldon Solow handeln - kaufte das 165 mal 142 Zentimeter messende Bild 1983 bei der Galerie Beyeler in Basel, wohin es von dem deutschen Unternehmer Willy Schniewind gegeben worden war.

Nach relativ langer Zeit wird auch wieder ein kapitaler Rothko in London - und nicht in New York - versteigert: „Untitled“ in Orange mit weißen Abstufungen soll neun bis zwölf Millionen Pfund einspielen. Auch bei der Gegenwartskunst finden sich Arbeiten aus der Hubertus-Wald-Sammlung, wie das zwischen 1947 und 1949 entstandene, abstrakte „Le feu“ von dem sehr selten verfügbaren Wols (800.000/1,2 Millionen). Und manches bei Christie’s gibt sich schlicht ganz in Weiß, so Louise Bourgeois’ anthropomorphe Landschaft „Cumul III Avenza“ (2/3 Millionen) aus strahlendem Carrara-Marmor; eine zweite Arbeit (von drei) dieser Serie besitzt das Centre Pompidou in Paris. Für seine 66 Lose erwartet Christie’s den höchsten Umsatz unter den Abendauktionen, nämlich „in the region of“ 85 Millionen Pfund. - Zusätzlich versteigert Christie’s in den ersten zwei Februarwochen zwei anonyme Privatsammlungen und 44 Kupferstiche aus dem „Studio Prints“-Archiv in separaten Auktionen.

Bei Sotheby’s teilen sich den Titel des Spitzenloses in der Abendauktion am 15. Februar mit einer Taxe von je drei bis vier Millionen Pfund Basquiats bekrönte „Orange Sports Figure“ und ein „Abstraktes Bild“ mit sich vermischenden schwarzen und weißen Streifen von Gerhard Richter. Die untere Gesamtschätzung liegt bei 35,8 Millionen Pfund für 66 Lose. Die Auswahl bei Sotheby’s scheint in diesem Jahr besonders winterlich elegant, mit ebenfalls vielen weißen, grauen oder schwarzen Werken, unter ihnen komplett weiße Arbeiten von zum Beispiel Fontana, Manzoni und Opalka.

Frostig ist auch Gerhard Richters Eismeer „Eis“ (2/3 Millionen) von 1981, das im Katalog als „Reflektion von Richters Psyche“ interpretiert wird. Es ist kaum überraschend, dass der Maler mit gleich sechs Werken bei Sotheby’s vertreten ist, ging doch gerade erst seine große Retrospektive in der Londoner Tate Modern zu Ende. Zu den faszinierendsten Losen gehört der riesige schlafende Glatzkopf aus grauer Asche „Ash Head No. 1“ (150.000/200.000) von Zhang Huan, den wohl Charles Saatchi 2007 im Jahr seiner Entstehung gleich kaufte und wenige Monate später in seiner Ausstellungshalle in London zeigte.

Den Abschluss macht schließlich Phillips de Pury am 16. Februar mit einem speziellen Programm, das Marc Quinns „Golden Column (Microcosmos)“ (Taxe 300.000/500.000) eingebaut hat, daneben Andreas Gurskys Großfoto dvon Dubais palmenförmiger Insel „Jumeirah Palm“ (400.000/600.000) und Arbeiten von Damien Hirst, Rudolf Stingel - obendrein Robert Indianas Klassiker „Love“ (800.000/ 1,2 Millionen).

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