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Veröffentlicht: 05.04.2017, 10:23 Uhr

Münchner Ausstellung Ich wollt, ich wär hier Hahn

Isabella Rossellini gibt sich Müh mit ihrem lieben Federvieh – noch bis zum 29. April zu betrachten im Schirmer/Mosel-Showroom in München

von Brita Sachs

Über Hühner weiß Isabella Rossellini so ziemlich alles. Auf ihrer Farm unweit von New York baut die Schauspielerin Biogemüse an, hält fünf Schafe, zwei Schweine, Bienenvölker, Gänse, Truthähne – und eine ganze Menge Hühner. Wer hätte gedacht, dass die Rossellini, die nach langer Unterbrechung wieder als das schöne Gesicht einer bekannten Kosmetikmarke in die Kamera lächelt, zugleich mit Brille, Gummistiefeln und Strickmütze angetan Federvieh betreut?

Als sie vor vier Jahren eine Ladung Küken verschiedener alter, vom Aussterben bedrohter Rassen bestellte, hopsten statt der erwarteten gelben außerordentlich unterschiedlich beflaumte Flauschbällchen aus der Kiste. Rossellini, die ein abgeschlossenes Universitätsstudium im Fach Verhaltensforschung hat, beobachtet nun diese Tierchen wie einst Konrad Lorenz, und sie bat den Fotografen Patrice Casanova, sie dabei mit der Kamera zu begleiten. Noch eine Überraschung: Die schöne Farmerin kann zeichnen, comicartig hat sie ihre Schützlinge festgehalten.

Der Verlag Schirmer/Mosel machte ein sehr lustiges, lehrreiches Buch aus den Skizzen und Fotos. Aktuell sind im Münchner Showroom des Verlags die Originale zu sehen. Selbst solche, die Hühner bisher langweilig fanden oder gar das Schreddern von Küken durch die Eierindustrie in Ordnung finden, die belehrt Isabella Rossellini eines Besseren: Hühner sind Persönlichkeiten. Andy Warhol etwa, ein Haubenhuhn, dem sie wegen seiner Frisur den Namen gab, ist ein regelrechter Schmuser. Die superneugierige Amelia Earhart, benannt nach der furchtlosen Flugpionierin, tippelt ins Haus hinein, fliegt auf den Schreibtisch und aufs Sofa. Speedy hingegen verschwindet immer blitzschnell, sie ist sehr schüchtern. Hühner hätten zwar ein Winzhirn, schreibt Rossellini unter ihre Skizzen, aber sie seien nicht dumm. So erkennen sie bis zu hundert Artgenossen im Stall und sogar einzelne Menschen. Sie schließen Freundschaften untereinander und können lernen, sich im Picktempo zusammenzureißen, wenn der Futterautomat sie dafür mit mehr Körnern belohnt. Sie haben ein breites Spektrum an Lauten und Körpersprache, kommunizieren prächtig miteinander und sogar mit dem Küken, kurz bevor es schlüpft.

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Was ist im Broiler? Warum sind manche Hühnereier blau? Wie entstehen Züchtungen? Isabella Rossellini gibt Auskunft, und derweil ihre Glucken gemütlich im Nest brüten, brütet sie zeichnend über der Evolution. – Die Zeichnungen von Isabella Rossellini kosten 1000 Euro, die Fotografien von Patrice Casanova, Auflage 15, je nach Format 800 oder 1200 Euro. Das bei Schirmer/Mosel erschienene Buch „Meine Hühner und ich“ kostet 24,80 Euro. (Bis zum 29. April.)

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