Horst Janssen heißt der heimliche Star der Auktion mit Büchern und Graphik bei Venator & Hanstein in Köln. Dieser Mann scheute sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen: „Claudia (21) gewinnt auf ihrem 59-jährigen Wallach Janssen“ schreibt der Künstler am 28. September 1988 neben die humorvolle Darstellung eines dicklichen Gauls mit seinem eigenen Gesicht und einer elegant winkenden jungen Dame im blauen Sakko auf dessen Rücken.
Der 1995 gestorbene Illustrator und Zeichner fand diese Liebe spät im eigenen Leben und widmete ihr Hunderte von Briefen, Notizen und Postkarten mit sehnsüchtigen Bonmots und immer wieder urkomischen zärtlichen Zeichnungen. Zusammen mit erotischen, schnell hingetuschten Skizzen fügen sich zahlreiche Selbstporträts, Polaroids und gefundene Fotos zu einem liebestrunkenen Ganzen. Doch auch die eigene Verfassung kommt ungeschönt zur Sprache, Alkoholismus und Todessehnsucht. Selbst die Eltern der Geliebten wurden immer mal wieder bedacht: So schickte der Zeichner 1987 eine Dose Kaviar - „12.000 Ostereier für Papa“.
Das mehr als 300 Lose umfassende, in diverse Katalognummern aufgeteilte Konvolut des Hamburger Künstlers, Jahrgang 1929, entwickelte sich damit zum Überraschungserfolg der Versteigerung: Im Saal und an mehreren Telefonen heftig beboten, mussten insgesamt 72.000 Euro eingesetzt werden - angesichts einer Gesamtschätzung von 23.000 Euro - von den insgesamt sieben Käufern, vier Händlern und drei Sammlern, die die sehr privaten Blätter übernehmen konnten.
Doch auch andere Dokumente waren begehrt: Ein vierzeiliges handgeschriebenes Gedicht von Goethe reüssierte bei 21.000 Euro (Taxe 10.000) und ging an einen Bieter im Saal. Umkämpft war auch die „Tabula Peutingeriana“, eine im Jahr 1598 von Johannes Moretus in Antwerpen erstmals vollständig auf acht gefaltete Kupferkarten gedruckte, spätantike Straßenkarte, die bereits im 4. Jahrhundert entstand: Sie erhielt erst bei 26.000 Euro (Taxe 15.000) ihren Zuschlag; dafür wurde sie an einen Käufer im europäischen Ausland abgegeben.
Mit dem 1646 entstandenen Kupferstich-Werk der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ wurde eines der schönsten deutschen Stücke des 17. Jahrhunderts aus der Sammlung Apel in Sachsen-Anhalt angeboten: Das vorliegende, komplette Exemplar mit den handschriftlich hinzugefügten, entschlüsselten Namen der Mitglieder übertraf seine Erwartung von 24.000 Euro mit einem Einsatz von 27.000 Euro.