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Galerierundgang Köln : Himmelsarchitektur und eine Firma Vitaminka

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In Kölner Galerien: Ross Bleckner bei Jablonka, Helen Levitt bei Thomas Zander, Irma Makulin in der Krupic Kersting Galerie - und die Frage nach den Heldinnen.

          Der Schrecken des Lebens in freier Selbstbestimmung war in den achtziger Jahren nicht die Bedrohung durch Terror. Es war die Krankheit Aids, die, als sie über die Gesellschaft kam, allerdings genauso unvorstellbar war. Bald nach dem Ausbrechen von Aids hatte Ross Bleckner eine Serie von Bildern unter dem Titel „Architecture of the Sky“ begonnen, er reagierte damit auf seine Weise auf die Krankheit und gedachte der Opfer, die damals in New York fast jeder irgendwann im Kreis von Bekannten und Freunden zu beklagen hatte. Unter erdtonigen Farbschichten sind kleine Harzbröckchen aufgeklebt. Sie werden sichtbar, weil die Farbhaut über ihnen abgeschliffen ist und wie aufgeplatzt erscheint: Äquivalent für ein pathologisches Symptom, wie es typisch ist für das Kaposi-Syndrom, eine in Zusammenhang mit Aids auftretende Krebserkrankung, auf die sich der Maler mit seiner Bilderserie bezieht.

          Jene Harzklümpchen, die wie Stigmata durchschimmern oder offen vor Augen treten, formieren sich in ringförmigen Reihen und Bögen, so dass den Bildern die Anmutung von Kuppeln eignet oder nächtlichen Sternhimmeln, in die man hinaufschaut. Spontan liegt bei solcher Himmelsarchitektur naturgemäß der Gedanke an das römische Pantheon nahe. Aber auch in den Konchen der „Böhm Chapel“ in Hürth-Kalscheuren, seit 2010 Ableger der Kölner Galerie Jablonka, sind die malerischen Gewölbe kongenial präsentiert. Der 1949 in New York City geborene Bleckner will mit diesen Werken nach eigenem Bekunden in der Abstraktion „das Erhabene zersetzen“, zugleich aber, wie Julian Heynen festgestellt hat, eine „Ahnung des Metaphysischen aufrechterhalten“ - was durch die Präsentation in dem säkularisierten Sakralbau bestärkt wird. Daraus resultiert eine interessante Gemengelage des Morbiden und Sublimen an einem der schönsten Ausstellungsorte im Rheinland. Zwei der sechs ausgestellten Arbeiten von 2013 und 2014, die letztere aus der Reihe „Dome“, stehen für je 150 000 Dollar (plus Mehrwertsteuer) zum Verkauf, die übrigen stammen aus privaten Sammlungen. (Bis zum 31. Oktober.)

          Kreidezeichnungen von Kinderhand

          Es sei schwer, die Kamera dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen, bemerkte James Agee 1946 in seinem Essay „New York City“, einer Würdigung der Fotografin Helen Levitt, der ebendies mit ihren Aufnahmen aus dem Stadtteil Spanish Harlem um 1940 auf großartige Weise gelungen sei. Spannung, Fremdartigkeit, Vielfalt, Humor entdeckte der Poet und Journalist in ihren Bildern. Zu begutachten sind sie in der Galerie von Thomas Zander in repräsentativer Auswahl mit zahlreichen ikonischen Aufnahmen Levitts: wie dem Foto der drei maskierten Kinder auf einer Treppe oder dem einiger tobender Jungen in einer urbanen Brache, dem Bild, das Walker Evans, ihr früher Mentor, als „Tanz und liebevolle Lyrik“ bezeichnete. Die Stätten der Armen in großen Städten seien vor allem Theater und Kampfplätze, bemerkte die Künstlerin selbst einmal. Dort sei jeder, ob als solcher bemerkt oder nicht, Tänzer, Poet, Krieger, Maskenspieler.

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