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Haunch of Venison schließt Einfach nicht genug Geld

 ·  Christie’s schließt seine Galerie Haunch of Venison. Eigentlich wollte das Auktionshaus groß in den Primärmarkt einsteigen, doch die Umsätze reichten der Firma nicht.

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Als Christie’s vor sechs Jahren die 2002 von Harry Blain und Graham Southern in London gegründete Galerie Haunch of Venison, mit Dependancen in New York und Berlin, übernahm, die junge wie etablierte Künstler repräsentierte, bekam das Unternehmen Argwohn zu spüren. Der Vorwurf lautete: Ein Auktionshaus habe sich auf den Wiederverkauf von Kunstwerken zu konzentrieren, den Sekundärmarkt eben, und nicht darauf, Künstlerkarrieren aufzubauen und Werke frisch aus dem Atelier auf dem Primärmarkt in - mit Bedacht ausgewählten - Kunstsammlungen zu plazieren. Ein Auktionshaus habe außerdem schlicht die Aufgabe, Kunst an den höchstbietenden Käufer zu vermitteln, und sei deswegen ausschließlich am höchstmöglichen Umsatz interessiert.

Die alte Ordnung ist wieder hergestellt

Die umstrittene Exkursion von Christie’s in den Primärmarkt ist gescheitert. Das Auktionshaus hat nun entschieden, dass es Haunch of Venison nach Ablauf der derzeitigen Ausstellungen, also im März, schließen und sich nur noch auf den Sekundärmarkt konzentrieren wird. Die New Yorker Dependance ist erst 2011 vom Rockefeller Center in einen neuen, von Annabelle Selldorf designten Raum in Chelsea umgezogen (ehemals der Galerieraum von Yvon Lambert). Die Räume im Rockefeller Center werden von der Private-Sales-Abteilung von Christie’s genutzt. In London wird nur noch der ursprüngliche Galerieraum „The Yard“ in Mayfair als „Ausstellungs- und Verkaufsraum“ für Privatgeschäfte beibehalten und der Ableger in der Eastcastle Street in Fitzrovia ganz aufgegeben. Die Berliner Galerie von Haunch of Venison wurde schon 2010 geschlossen. Die Mitarbeiter der Galerie suchen nun einen neuen Job und die Künstler eine neue Galerie.

Christie’s meldet Umsatzsteigerung bei Privatverkäufen

Die Schließung sei aus rein finanziellen Gründen erfolgt, sagt der Christie’s-Auktionator Jussi Pylkkänen, der Primärmarkt bringe einfach nicht genug Geld. Die Messlatte liegt natürlich extrem hoch: Christie’s meldete kürzlich eine Umsatzsteigerung um 26 Prozent allein in der Abteilung für Privatverkäufe im Zusammenhang mit dem Auktionsbetrieb - traditionell das Gebiet von Kunsthändlern - für das Jahr 2012 mit einem Umsatz von 631,3 Millionen Pfund, was mittlerweile schon sechzehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Nun soll Haunch of Venison ganz den Interessen dieses lukrativeren Geschäftszweigs dienen.

Die Akzeptanz in der Branche war schlecht

Probleme deuteten sich schon an, als die Gründer Blain und Southern die Firma 2010 verließen, um wieder eine eigene Galerie aufzubauen. Die Zusammenarbeit der drei Zweige, die Ausstellung neuer Werke, die Akquise für den Sekundärmarkt und Christie’s Private Sales, verlief offenbar mit Reibungsverlust. Wechsel und Fehlschläge mussten verkraftet werden: Der „International Director“ in London, Matt Carey-Williams, der zuvor für Christie’s gearbeitet hatte, wechselte Ende 2012 zur White Cube Galerie. Haunch of Venison wurde seit der Christie’s-Übernahme nicht mehr zur wichtigen Londoner „Frieze Art Fair“ zugelassen. Auch andere Messeveranstalter blieben skeptisch - ein fehlendes Gütesiegel für diese Allianz. Ist die alte Ordnung nun wieder hergestellt? Die Übernahme der Altmeister-Händler „Noortman Masterpaintings“ durch Sotheby’s verlief im Gegensatz dazu erfolgreich. Auf dem Markt für zeitgenössische Kunst ist das schwieriger, denn Galeriearbeit bedeutet eine aufwendige Betreuung der Künstler. Auch Sotheby’s ist hier schon gescheitert: Die Firma schloss 1998, nur zwei Jahre nach der Übernahme, die renommierte Galerie von André Emmerich in Manhattan, und der Versuch, sich 1997 mit fünfzig Prozent bei den Deitch Projects in New York einzukaufen, endete 2001 mit dem Rückkauf der Anteile durch Jeffrey Deitch.

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15.02.2013, 15:51 Uhr

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