http://www.faz.net/-gqz-6m56g

Halbjahresbilanz : Viermal China in der Spitzengruppe

  • -Aktualisiert am

Ob Möbelstück, Vase oder Tuschzeichnung: Unter den besten zehn Ergebnissen auf dem deutschen Auktionsmarkt spielen Asiatika in diesem Jahr bisher ganz vorne mit. Das teuerste Bild stammt aber von einem Maler aus Java.

          Bei einem ganz besonderen Los brach in der Mai-Auktion von Van Ham in Köln ein Bietgewitter los. Den Grund dafür lieferte das Gemälde „In letzter Not“ vom javanischen Maler Raden Saleh aus dem Jahr 1842. Mit einer unteren Schätzung von 400.000 zogen sich die Gebote bis 600.000 Euro recht zäh hin, doch danach durchbrach das Bild in großen Sprüngen die Millionengrenze: Für 1,6 Millionen Euro wurde die Szene des in den Abgrund stürzenden Reiters im Kampf mit einem gewaltigen Löwen zum teuersten Werk auf dem deutschen Auktionsmarkt in der ersten Hälfte dieses Jahres. Ihr Käufer ist ein Indonesier, das Werk soll im Nationalmuseum von Jakarta ausgestellt werden.

          Platz zwei besetzt ebenfalls ein Exot: Eine Million Euro erreichte bei Nagel in Stuttgart ein chinesischer Zitanholz-Tisch mit aufwendigen Schnitzereien aus der Qianlong-Periode (1735 bis 1796). Mit dem Aufgeld war er seinem Käufer, einem Milliardär aus Hongkong, 1,33 Millionen Euro wert. Das bewies einmal mehr, dass der asiatische Markt seine Relevanz in Deutschland zusehends steigert. Für den Tisch hatte man lediglich 20.000 bis 30.000 Euro erwartet. 

          An dritter Stelle folgt ein Europäer: Lucio Fontanas orangefarbenes „Concetto Spaziale“ von 1956 in Öl, Mischtechnik und mit Glasstücken, aber ohne Schnitte in der Leinwand, stieg in der Berliner Villa Grisebach auf 820.000 Euro (Taxe 300.000/500.000). Es gehörte zum Nachlass des Düsseldorfer Modeschöpfers Dolf Selbach, der sich als besonders erfolgreiche Akquise für das Haus erwies: Die siebzig Lose machten einen Umsatz von 5,6 Millionen Euro. Ebenfalls bei Grisebach wurden Werke der ehemaligen Karstadt-Kunstsammlung versteigert, eingeliefert von der bankrotten Arcandor AG zugunsten ihrer Gläubiger. Darunter stachen die 1,8 mal 3,4 Meter großen „Chromatischen Scheiben“ von Ernst Nay hervor. Karstadt hatte das Bild aus dem Jahr 1960 direkt von Nays Witwe Elisabeth Nay-Scheibler für 90.000 Mark erworben. Jetzt fiel der Hammer bei 750.000 Euro (450.000/600.000), das heißt Platz vier.

          Noch mehr chinesische Möbel spielten oben im deutschen Auktionsmarkt mit, nämlich auf Rang fünf: Wiederum in der Asiatika-Auktion von Nagel übertraf ein Paar Armlehnstühle, aus Huanghuali-Holz im 17. Jahrhundert gefertigt, seine Erwartung von 50.000 Euro um mehr als das Zwölffache – mit 620.000 Euro. Und nochmal mit Selbach-Provenienz steuert Grisebach ein weiteres Topergebnis bei: Für 590.000 Euro (350.000/500.000) zieht auf „Bonjour, Monsieur Botero“ ein dicker Mann im blauen Anzug seinen Hut. Der Kolumbianer malte ihn 1982, die Galerie Brusberg in Berlin stellte ihn ein Jahr später aus: Seitdem grüßte er nur Selbach.

          Rekord für Schwitters

          Den siebten Platz teilen sich mit Zuschlägen bei je einer halben Million Euro drei Werke. Zum ersten Mal unter den zehn besten Losen trifft man dort auf einen Alten Meister: Die Tronie einer alten Frau von Rembrandts Zeitgenossen Jan Lievens übertraf bei Lempertz in Köln ihre Schätzung von 200.000 bis 300.000 Euro deutlich mit dem Zuschlag bei 500.000 Euro. Dass eine halbe Millionen Euro viel Geld ist, dachten sich wohl auch jene Bieter, die vor diesem Betrag resignierten, als – wieder bei Lempertz – der Hammer für Kurt Schwitters’ „Der Tänzer“ fiel.

          Nie zuvor hat jemand mehr für eine Plastik von Schwitters bezahlt. Das amorphe Gebilde ohne Kopf schuf er 1943 aus Gips und vielleicht Knochen. Außerdem spielte Rudolf Bauers abstraktes Gemälde mit geometrischen Formen „Triptych Symphony: Third Movement No 134“, bei Van Ham 500.000 Euro (250.000/300.000) ein. Damit erzielte das Haus den dritten Höchstpreis für den deutschen Maler, der 1939 in die Vereinigten Staaten emigrierte. Mit einer Halbjahresbilanz von 12,6 Millionen Euro zeigt sich Van Ham zufrieden, angesichts einer Umsatzsteigerung von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

          Wenigstens ein Impressionist schafft es unter die ersten zehn, auf Platz acht: Bei Lempertz übertraf das frühlingsleichte Blumenbild „Amaryllis, Flieder und Anemonen“ von Lovis Corinth immerhin seine untere Schätzung mit 420.000 Euro (400.000/500.000). Auf dem neunten Rang liegt wieder Nagel, mit chinesischen Zwillingsvasen in Cloisonné-Technik. Wie der Zitanholz-Tisch stammen sie aus der Qianlong-Periode und überstiegen ihre Taxe von 100.000 bis 150.000 Euro weit mit dem Hammerpreis von 400.000 Euro. Den zehnten Platz teilen sich dann ein Chinese und ein Flame für je 300.000 Euro, beide bei Lempertz: Es sind Li Kerans Tusch- und Farbzeichnung „Landschaft mit Wasserfall in einem felsigen Bergmassiv“ (50.000) und Lucas van Valckenborchs „Turmbau zu Babel“ (400.000/ 500.000).

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Wirbelsturm fegt über Java Video-Seite öffnen

          Naturgewalt : Wirbelsturm fegt über Java

          Ein Tornado hat auf der indonesischen Insel Java schwere Zerstörungen angerichtet. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, über 600 Häuser sollen zerstört worden sein.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.