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Grisebach-Auktion : Bilder malen für die Freundschaft

Rudolf Schlichter, „Porträt Helene Weigel“, 1928, Öl auf Leinwand, 83,5 mal 60 Zentimeter: Taxe 200 000 bis 300 000 Euro Bild: Grisebach, Foto: Fotostudio Bartsch, Berlin

Die Herbstauktionen von Grisebach in Berlin bieten rund 1600 Werke mit einer Gesamtschätzung von mehr als 24 Millionen Euro auf: Hier der Blick in die Kataloge.

          Mit den 53 Losen der „Ausgewählten Werke“ macht sich Grisebach am 30. November richtig stark. Angeführt wird das Angebot von einem Exil-Bild Max Beckmanns, signiert und datiert „A(msterdam) 41“: Von einem gestrandeten Boot weht eine zerfetzte Fahne leuchtend gelb, wie ein Hoffnungszeichen vielleicht, bis in unsere Gegenwart. Das starke Gemälde „Braunes Meer mit Möwen“, die gerade noch leben oder schon verendet sind, ist mit einer Erwartung von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro versehen. Ihm folgt als nächstes Los Rudolf Schlichters „Porträt Helene Weigel“ von 1928 – und auf dieses schaue bitte ein deutsches Museum. Einst war es im Besitz des Schauspielers Alexander Granach, der 1933 vor den Nationalsozialisten als Jude und als Linker erst nach Russland, dann weiter in die Schweiz floh, um 1938 nach Amerika zu emigrieren, wo er schon 1945 starb. Das eminente Bildnis der großen Schauspielerin war seit 1933 in treuhänderischem Privatbesitz, jetzt wird es im Einvernehmen mit den Erben von Granach versteigert, versehen mit einer Schätzung von 200 000 bis 300 000 Euro.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Zugunsten des deutschen Impressionismus – unter sieben Liebermann-Bildern geht vorn ein „Reiter am Strand nach links“, früher einmal im Bestand des Axel Springer Verlags (250 000/350 000) – ist der Expressionismus einstweilen in den Hintergrund getreten. Was mit Mangel an wichtigen Werken zu tun haben mag, aber auch mit einem sich schon länger anbahnenden Geschmackswandel. Dafür gibt es gute Moderne, wie Ernst Wilhelm Nays einst in der Sammlung der Karstadt AG befindliche „Chromatische Scheiben“ von 1960 (Taxe 800 000/1,2 Millionen Euro). Von bei Félix Vallotton nicht zwingend erwartbarem Charme ist seine „Femme couchée“ aus dem Jahr 1913, hingebettet zwischen Bonbonfarben (300 000/400 000). Nach der – vom Katalog erwähnten – Station im Jahr 2000 bei Sotheby’s in Zürich durchlief sie allerdings noch drei weitere Versteigerungen, zuletzt mit dem Zuschlag von umgerechnet 41 000 Euro 2004 bei Christie’s in London. Nun, hin und wieder gibt es ja steile Karrieren. Vallottons liegender Venus-Paraphrase geradezu entgegengesetzt ist Jawlenskys auf vierzig mal 29 Zentimeter Karton hingehauener „Sitzender Halbakt mit langen Haaren“ von 1910, der eine Menge Kraft hat (250 000/350 000). Und hier noch: Karl Hofers bereits Ende September aus der Auktion genommenes „Selbstbildnis mit Dämonen“ (F.A.Z. vom 4. November) hängt seit einiger Zeit als Dauerleihgabe in der Moderne-Sammlung in der Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe. Von dort war es 1936 in den Nationalsozialisten vorauseilendem Gehorsam weggetauscht worden. Nun besteht vielleicht Anlass zu den besten Hoffnungen auf eine Rückkehr in das Museum.

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