Wie bei einer Versammlung von Heiligen, einer Sacra Conversazione, muss es im Haus der Münchner Sammlerin ausgesehen haben, deren Nachlass an Skulpturen Art & Auktionen Scheublein am 23. März versteigert. Als erste der vorrangig gotischen Gestalten tritt der Heilige Konrad an, ihm folgen viele fromme Männer und Frauen wie Hedwig, Ursula, sogar Ehrentrudis, insgesamt rund fünfzig Schnitzwerke aus dem deutschsprachigen Raum. In Salzburg etwa entstand um 1420 eine berührende Pietà: Dicke Tränen rollen der jungen Maria über die Wangen angesichts des toten Sohnes auf ihrem Schoß (Taxe 18.000 Euro).
Den noch kleinen Jesusbuben hält eine schöne Brixener Muttergottes im Arm; Zepter, Krone und ein goldener Mantel stellen sie als strahlende Himmelskönigin vor (18.000). Die elegante Skulptur soll um 1520 vom Meister von Heiligenblut stammen: Den Notnamen erhielt der Künstler nach seinem Hauptwerk in einer Wallfahrtskirche am Großglockner. Für Zuschreibungen und Katalogisierung versicherte sich das Auktionshaus übrigens der Hilfe Frank Matthias Kammels, Leiter der Skulpturenabteilung am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
Der jüngere Hans Zürn schnitzte im Allgäu eine Gruppe von acht Aposteln, vollrunde Halb- und Dreiviertelfiguren mit Stilmerkmalen des Frühbarock (15.000). Und der Schöpfer des Füssener Hochalters könnte eine qualitätvolle Figur der heiligen Ursula gefertigt haben, deren lange blonde Locken über ihren stoffreichen blauen Mantel rieseln (18.000). Doch nicht immer fielen Restaurierungen und ein Übergehen der Fassung so dezent aus wie bei ihr: So bekam die Madonna eines Ulmer Altarreliefs, die soeben Engel krönen, eine blitzblanke Neubemalung (10.000).
Die Taxen beginnen moderat bei 1200 Euro für schlichtere Stücke und steigern sich bis 20.000 Euro für ein vielfiguriges niedersächsisches Altar-Triptychon. Die Möbel-Sektion bietet auch die passende Betbank mit der Jahreszahl 1598 aus dem Haus der Sammlerin. Weitere Leidenschaften dieser Dame gehörten neben tibetanischen Bronzen auch chinesischen Keramikfiguren. Beste Erfolge möchte man hier einer Reiterin mit hohem Hut (12.000) und weiteren Stücken der Tang-Zeit zutrauen, die laut amtlicher Materialprüfungen Remodellierungen aus altem, vermahlenen Material ausschließen.
Neben den kunsthandwerklichen Offerten mit Silber, Porzellan oder Textilien hat diese Frühjahrsauktion bei der Malerei Interessantes zu bieten. Etwa Johann Georg von Dillis’ reizvolle kleinformatige „Gebirgslandschaft mit Holzbrücke“ über deren Bohlen zwei Bauern mit Vieh den Bach passieren (15.000). Aufmerksamkeit erregen dürfte auch Carl Rottmanns Ölentwurf zu seinem Wandgemälde „Selinunt“, heute im Münchner Residenzmuseum: Das mahnende Bild der Trümmer eines antiken Bauwerks unter wilden Wolken (10.000) trägt rückseitig den Stempel der Mannheimer Kunsthalle und Klebezettel zum Emden-Vermächtnis. Liebhaber von Genremalerei, die dem Alltag abgeschaute Szenen spicken, kommen bei Franz Gustav Hochmanns „Abendlichem Treiben an der Porta Maggiore in Rom“ (22.000) voll auf ihre Kosten; detailliert und folkloristisch schildert hier der Dresdner 1886 einen bunten Feierabend von Mensch und Tier.