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Glosse Werk des Mammons

Ein Pfarrer hat bei Sotheby’s in Amerika ein Bild von Damien Hirst zur Auktion gegeben. Prompt bekam er es mit der Bundespolizei zu tun. Was war da los?

Der Bildersturm hat alle aufwühlenden Motive zur Versenkung aus den Kirchen vertrieben. In der Stube eines Pfarrers stellt man sich trotzdem heute eine Abbildung der Jungfrau von Fra Filippo Lippi oder Albrecht Dürers „Betende Hände“ vor. In Miami gibt es aber einen Kirchenmann - er arbeitet nebenher als Kunstdealer -, der einen ganz anderen Geschmack hat: Er interessiert sich für Damien Hirsts runde, abstrakte Spitzerbilder. Sind das nicht Werke des leibhaftig gewordenen Mammons? Den Erwartungen entsprochen hätte schon eher: Damien Hirsts „Goldenes Kalb“ oder seine „Anatomie eines Engels“. Wie konnte es so weit kommen?

Braucht der Pastor Hilfe?

Swantje Karich Folgen:      

Hat der Geistliche das Gemälde durch eine ebenso dickglasige Brille angeschaut wie die des Mannes im Anzug auf der Internetseite seiner Gemeinde, der „Mosaic Miami Church“? Daneben steht nämlich: „Brauchen Sie Hilfe, um Ihre Zukunft klarer zu sehen?“ Sonst wäre ihm wohl früher aufgegangen, dass er einen großen Fehler macht. Kevin Sutherland, 45 Jahre alt, hat das Gemälde dem Auktionshaus Sotheby’s zur Versteigerung gegeben. Und Sotheby’s hat die Bundespolizei eingeschaltet: Denn das Bild ist eine plumpe Fälschung. Bald meldete sich bei Sutherland ein Geheimagent als Kunstsammler, der herausfinden wollte, was der Pastor nach der Ablehnung von Sotheby’s mit dem Bild vorhat.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden

Der Beamte heuchelte Interesse. Sutherland sagte: „Ja.“ Sie wurden sich einig, das Treffen arrangiert in einem Hotel in Miami. 185 000 Dollar sollte die Kopie kosten. „Everything’s good, everything’s good“, schrieb Sutherland, als der Agent wiederholt nach Zertifikaten fragte. Der Spruch „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ schien dem Pastor nichts zu sagen. Die Festnahme war Routine. Für eine Kaution von 100 000 Dollar Strafe kam er nun vorerst frei. Auf der Internetseite der Mosaic Miami Church ist immer noch alles easy: Dort wartet man auf mit „moderner Musik, entspannter Atmosphäre und großartigen und sogar relevanten Erfahrungen für alle“.

Quelle: F.A.Z.

 
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