29.11.2006 · So viele teuerste Bilder aller Zeiten gab es noch nie. Kein Monat vergeht ohne Gerüchte über einen neuen Rekord: eine Art Boxring, in dem Klimt, Picasso, Pollock und De Kooning mit dicken Handschuhen gegeneinander antreten.
Von Lisa ZeitzSo viele teuerste Bilder aller Zeiten gab es noch nie. Mitte des Jahres war es Klimts „Goldene Adele“, die aus Österreich via Los Angeles in Ronald Lauders Neuer Galerie in New York landete, für angeblich 135 Millionen Dollar. Diese niemals bestätigte Summe hat einige „private Deals“ geprägt, die mit jeweils knapp über 135 Millionen Dollar in den Wettkampf der Teuersten eingestiegen sind; kein Monat vergeht ohne Gerüchte über einen neuen Rekord: eine Art Boxring, in dem Klimt, Picasso, Pollock und De Kooning mit dicken Handschuhen gegeneinander antreten - Preisboxer eben, und ihre Trainer hecheln nebenher.
Vor kaum acht Wochen hat Steve Wynn, der Casino-Papst aus Las Vegas, mit dem in Connecticut residierenden Hedge-Fonds-Manager Stephen A. Cohen das K.o. für Klimt ausgetüftelt, indem sie knallharte 139 Millionen Dollar für Picassos süßen „Rêve“ von 1932 miteinander vereinbarten. Hätte sich Picassos Geliebte, die rosig schlummernde Marie-Thérèse Walter, nicht, wie berichtet, in letzter Minute durch den spitzen Ellenbogen von Steve Wynn einen Leinwandriß am Arm zugezogen, wäre sie so in Führung gegangen.
De Kooning überholt Pollock
Kurz darauf nahm der Hollywood-Milliardär David Geffen die Sache in die Hand und die neue Höchstsumme von rund 140 Millionen Dollar ein mit dem Verkauf seines Pollocks „No. 5, 1948“ an den Finanzier David Martinez. Doch das Preisboxen geht weiter; die jüngsten Nachrichten katapultieren - vielleicht - Willem de Kooning an die Spitze: Steven Cohen, der ja gerade 139 Millionen Dollar gespart hat, weil der Picasso-Deal mit Wynn geplatzt ist, soll David Geffen De Koonings bombastische „Woman III“ von 1952/53 abgekauft haben.
Wenn zu den, vom Händler Larry Gagosian ausgehandelten 137,5 Millionen Dollar noch dessen Kommission hinzukäme, wären auch die 140 Pollock-Millionen locker überrundet. Spitzentrainer David Geffen hat die „Woman III“ seinerseits übrigens 1994 durch einen Tausch mit dem Museum in Teheran erworben. Und erst vor wenigen Wochen verkaufte er Cohen bereits einen De Kooning, die abstrakte „Police Gazette“ von 1955, als Schnäppchen für 63,5 Millionen Dollar. Es ist eben wie beim Sport: Die Allgemeinheit wird aufmerksam, wenn extrem viel Geld den Besitzer wechselt.