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Veröffentlicht: 15.06.2017, 10:11 Uhr

Wiener Ergebnisse Geliebte Sisi

Gut laufende Italiener und starkes Informel: Die Ergebnisse der Frühjahrsauktionen im Wiener Dorotheum und im Kinsky mit Alten Meistern, 19. Jahrhundert, Moderner Kunst und Zeitgenossen

von Nicole Scheyerer/Wien

Das Porträt hing sechzig Jahre lang über des Kaisers Ruhestatt: Franz Joseph I. hielt das Reiterbild seiner Gattin Elisabeth, das sie ihm 1853 zur Verlobung geschenkt hatte, zeitlebens über seinem Bett in Ehren. Aus der Wiener Hofburg gelangte dieses Gemälde 1916 in den Besitz der Erben und kürzlich mit einer Taxe von 300 000 bis 400 000 Euro zur Auktion ins Dorotheum. Dort wurde das von dem Historienmaler Carl Theodor von Piloty und dem Tierspezialisten Franz Adam geschaffene Sisi-Bild auf unverhoffte 1,3 Millionen Euro hochgejubelt.

In der überaus erfolgreichen Auktion 19. Jahrhundert fand auch eine belebte Venedig-Vedute von Oswald Achenbach für 240 000 Euro Absatz (Taxe 150 000/250 000), und der Ippolito Caffi zugeschriebene Blick „Dogenpalast und die Mole mit Ansicht auf die Punta della Dogana und die Kirche von Santa Maria della Salute im Hintergrund“ ging für stattliche 140 000 Euro weg (80 000/120 000). Eine der höchsten Steigerungen erlebte die „Bachlandschaft im Sommer“ des tschechischen Malers Friedrich Havránek von 1876, die, bei einer Taxe von 35 000 bis 40 000 Euro, erst für 160 000 Euro den Besitzer wechselte. Der Münchner Mystiker Karl Wilhelm Diefenbach punktete mit Nachtbildern umbrandeter Buchten: der 2,3 Meter breiten „Solitude“ für 70 000 Euro (20 000/30 000) und dem Gemälde „Capri“ für 40 000 (7000/10 000).

Vogelfalle und Flusslandschaft

Bei der Altmeisterauktion kämpften die Bieter um das Tempera-Tableau „Die Schlacht von Pharsalos“ von Apollonio di Giovanni, das einst eine prächtige Mitgifttruhe schmückte. Der Sieger des Gefechts konnte die auch mit Goldmalerei verzierte Holztafel erst für 550 000 Euro heimtragen (400 000/600 000). Für eine Überraschung sorgte ein edles Porträtpaar der Antwerpener Schule um 1620: Die beiden 130 Zentimeter großen Dreiviertelporträts von Dame und Herrn mit Halskrause ließen ihren niedrigen Schätzwert von 30 000 bis 50 000 Euro mit einem Zuschlag von 380 000 Euro weit hinter sich.

Ein prächtiges Stillleben des 1600 in Antwerpen geborenen Künstlers Jean-Michel Picart fand aus einer bayrischen Privatsammlung seinen Weg nach Wien und verdoppelte die obere Taxe mit dem Zuschlag von 320 000 Euro. Ein gutes Ergebnis von 340 000 Euro erzielte auch die „Vogelfalle“, die Pieter Brueghel II. auf eine 22 mal 34 Zentimeter große Holztafel gezaubert hat (200 000/300 000). Ein weiterer gefragter Niederländer war Jan van Goyen, dessen „Flusslandschaft mit Utrechter Pelekussenpoort“ von 1643 auf 170 000 Euro gesteigert wurde (80 000/170 000). Von dem Nürnberger Maler Jobst Harrich stammt das Werk „Christus unter den Schriftgelehrten“ von 1512, das mit hervorragenden 220 000 Euro zu Buche schlug (50 000/70 000).

Die Italiener waren durch Francesco Ubertini stark vertreten, dessen gut erhaltene und farbschöne „Predigt des Hl.Johannes“ nicht unter 240 000 Euro zu haben war (100 000/150 000). Auf einer mehr als zwei Meter breiten Leinwand griff Giacinto Gimignani die selten dargestellte Bibelszene „Jakobs Begegnung mit Rahel und Laban“ auf. Das Ölbild ließ seine Taxe beim Höchstgebot von 180 000 Euro hinter sich (120 000/150 000), während ein Heiliger Onuphrius von Jusepe de Ribera nur die untere Erwartung von 200 000 Euro einlöste.

Meister der leidenschaftlichen Gesten

Ende Mai lebten in der Sparte klassische Moderne im Dorotheum abermals die österreichischen Evergreens auf, aber nicht nur sie. Gefragt waren Alfons Waldes Bergbild „In Tirol“ für 160 000 Euro (80 000/130 000) ebenso wie der „Ruhende Hirte“ von Albin Egger-Lienz mit Zuschlag bei 150 000 Euro (100 000/150 000). Das beschauliche Ölbild „Aus dem Wiener Prater“ des Secessionisten Carl Moll kletterte auf gute 200 000 Euro (90 000/160 000). Für Freude sorgte die aufgebäumte Reiterfigur „Piccolo miracolo“ des italienischen Bildhauers Marino Marini. Die Mitte der fünfziger Jahre in einer Auflage von sieben gegossene Bronze trug 330 000 Euro zum erfreulichen Umsatz bei (220 000/320 000).

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