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Gegenwartskunst : Manische Rundumcollage: Die Fotografin Katharina Gaenssler bei Barbara Gross in München

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Mit den Fragmenten ihrer fotografischen Archivierung eines Einzimmerappartments hat Katharina Gaenssler die Wände der Galerie tapeziert. In der Rundumcollage entsteht das kaleidoskopartige Bild der Intimsphäre eines fremden Menschen - das Puzzle eines Individuums.

          Scharfstellen, auslösen, immer wieder scharfstellen und auslösen, neun Tage lang, fast dreitausend Mal - bis das winzige Einzimmerapartment bis in jeden Winkel durchfotografiert war. Dann zog die gesamte Bildausbeute in die Barbara Gross Galerie ein, wo Katharina Gaenssler sie auf den Wänden in einer Riesencollage wieder zusammensetzte. Wie ein Eindringling fühlt man sich in dieser transponierten Intimsphäre eines fremden Menschen, der, nach allem zu urteilen, womit er jeden Zentimeter seiner Höhle vollgeräumt und zugestapelt hat, ein Cineast ist und ein Vielleser, außerdem ein Kopfarbeiter und vermutlich ein Mann.

          Katharina Gaenssler, die 1974 geboren wurde und im vorigen Jahr ihr Studium an der Münchner Akademie abschloß, greift mit dieser Arbeit in zwei Räume ein: Der Galerie drückt die Rundumcollage wie eine „Fototapete“ eine fremde Architektur und Identität auf und öffnet ihre Wände durch unterschiedliche Perspektiven in verschiedene Richtungen. Doch auch der archivierte Wohnraum wird seinem Bewohner anders begegnen, nach dem imaginären Besuch vieler Fremder, die neugierig Buchtitel und Erinnerungsfotos inspizieren und dabei auch sein Bett und sein Bad begutachten.

          Puzzle einer Person

          Wenn Sam Taylor Wood mit einer 360-Grad-Drehung Raumpanoramen fotografiert, stellt sie Akteure hinein, die fortlaufende Geschichten erzählen. Gaenssler dreht den Spieß um. Sie überläßt es jedem selbst, aus der Flut von Bildinformationen die dazugehörige Person und ihr Umfeld zu puzzeln. Ein bißchen hilft sie dabei mit dem Scharfstellen der Linse, das jedesmal eine Entscheidung für ein Objekt oder eine Ebene voraussetzt und den Rest der Unschärfe anheimgibt. Seit fünf Jahren befaßt sich Gaenssler mit der fotografischen Zerlegung räumlicher und zeitlicher Zusammenhänge.

          Auf einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn „knipste“ sie mit der Digitalkamera aus dem Fenster Abertausende von Bildern, wahllos, ohne Rücksicht darauf, ob sich ein Motiv nach gängigen Vorstellungen lohnte oder nicht. Gebunden liegen sie als mehrteilige Atlanten vor: „Transsibirien I-XII“ - nicht mehr als ein Archiv geretteter, gelebter Zeit. (Installationspreise auf Anfrage, handabgezogene C-Prints von Ausschnitten 420Euro - Auflage: 3 plus 1 Artist proof).

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