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Gegenwartskunst in New York Spiellust versus Beweispflicht

Eine Freiheitsstatue war Warhol nicht genug. Viele mussten es sein, und dann ist da auch noch eine in 3-D. Die Vorschau auf die Auktionen mit Zeitgenossen in New York.

Jetzt ist auch der Kunstmarkt dreidimensional. Christie’s hat seinem Katalog für die Abendauktion mit Gegenwartskunst am 14. November eine 3D-Brille beigelegt. Auf den ersten Seiten kann man sich Schwarzweißfotografien ansehen: Edie Sedgwick posiert dort mit Warhol, der ja schon damals seine 3D-Bilder schuf. Christie’s hat sich für die New Yorker Auktionen mächtig ins Zeug gelegt und bewirbt die Veranstaltung mit den Worten „Christie’s New York hält seine bedeutendste und höchst taxierte Nachkriegs- und Gegenwartskunstauktion ab“ - jemals und überhaupt: Es werden 441 Millionen Dollar erwartet. Schon mal zum Vergleich: Sotheby’s hofft mit 71 Losen auf 290 Millionen Dollar. Bei Christie’s fanden 74 Werke Eingang in den Hauptkatalog. Davon tragen 24 das Zeichen, dass sie garantiert wurden; das heißt, dass dem Einlieferer eine ungenannte Summe versprochen ist, unabhängig vom Ausgang der Versteigerung.

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Ganz oben zu den Christie’s-Toplosen zählt natürlich Warhols 3D-Bild „Statue of Liberty“, entstanden 1962 und nun mit einer Schätzung von 35 Millionen Dollar ausgezeichnet. Das Bild ist bereits in vielen Museen der Welt zu Gast gewesen. Die Provenienzenkette ist vergleichsweise übersichtlich: Erich Marx Collection, Berlin, Thomas Ammann Fine Art, Zürich, Daros Collection, Zürich, bis zum Verkauf in einem Privatgeschäft bei Christie’s in New York.

Von diesem unbekannten Käufer gelangt es nun wieder zur Versteigerung. Die reale Freiheitsstatue von New York hat derweil den Wirbelsturm Sandy überstanden, manche Galerien in Chelsea jedoch nicht. Jeff Koons kann da vielleicht etwas für Aufmunterung sorgen mit seinen riesigen „Tulips“, die von der Nord LB in Hannover mit einer Erwartung von zwanzig Millionen Dollar angeboten werden. Roy Lichtensteins „Nude with Red Shirt“ von 1995 soll zwölf bis achtzehn Millionen einspielen, Franz Klines unbetiteltes Gemälde von 1957 gar zwanzig bis dreißig Millionen Dollar; Letzteres war schon im Besitz von David Geffen.

Basquiats Gemälde einer schrägen Figur, die sich mit dem Fischfang beschäftigt, entstand 1981 und war zwanzig Jahre lang nicht mehr auf dem Markt (Taxe 20 Millionen Dollar). Gerhard Richter wird seinen Rekord in London in New York wohl nicht einholen können: Seine Teneriffa-Landschaft von 1971 ist auf zehn bis fünfzehn Millionen Dollar geschätzt. Vier Privatsammlungen sind mit mehreren Werken in der Auktion präsent, darunter die eher strenger Kunst zugetane „Schulhof Collection“ mit Agnes Martin, Donald Judd und Richard Serra.

Ein Papstporträt von Francis Bacon

Nach der verspielten Inszenierung des Christie’s-Katalogs fällt Sotheby’s mit beruhigender Seriosität auf: Im Katalog für die Abendauktion am 13.November werden immer wieder fotografische Belege aufgeführt, die Provenienzen und die Echtheit der Werke belegen. Von Mark Rothko kommt ein mystisch schönes Gemälde, „No.1 (Royal Red and Blue)“ von 1954, zum Aufruf: Seit 1982 war das extreme Hochformat nicht mehr auf dem Markt. Andy Warhols „Green Disaster (Green Disaster Twice)“ von 1963 kann Christie’s zumindest in der Höhe des erwarteten Zuschlags keine Konkurrenz machen; seine Schätzung liegt bei zwölf Millionen Dollar.

Sie ist jedoch mit den Zeichen für eine Garantiesumme und für ein irrevocable bid versehen. Francis Bacons Papstporträt „Untitled (Pope)“ aus dem Jahr 1954 soll achtzehn bis 25 Millionen einspielen. Ferner kommen Werke aus der Sammlung von Sidney und Dorothy Kohl, erworben in den siebziger Jahren, zum Aufruf: Sie werden angeführt von Jackson Pollock (25/35 Millionen) und Clyfford Still (15/20 Millionen). Auch der teuerste lebende Künstler Gerhard Richter tritt hier noch einmal an, jetzt mit einem „Abstrakten Bild“ von 1990 (16 Millionen). Es erinnert uns an den fulminanten Zuschlag für ein abstraktes Gemälde des Künstlers in London im Oktober für 21,3 Millionen Pfund, das sind umgerechnet 26,4 Millionen Euro oder 34,9 Millionen Dollar - das bedeutete den Weltrekord.

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Den Reigen der Auktionen mit Gegenwartskunst schließt Phillips de Pury am 15. November ab. Die 37 im Abend-Katalog verzeichneten Werke werden auf 76,4 bis 115,6 Millionen Dollar geschätzt. Warhols mittelgroßer „Mao“ von 1973 ist mit zwölf bis achtzehn Millionen Dollar der Spitzenreiter, seine „Nine Jackies“ folgen mit zehn bis fünfzehn Millionen.

Und noch einmal Basquiat: Seine Figur auf „Humidity“ von 1982 (12/18 Millionen) reißt die Augen weit auf und breitet die Arme noch weiter aus - wenig vertrauenerweckend. Lohnenswert bei Phillips de Pury ist - jenseits der Mega-Seller - John Baldessaris humorvolle Fotoarbeit, bestehend aus 22Motiven mit Menschen in Straßen, Autos, bei Freizeitbeschäftigungen; rote Pfeile markieren die Blick- und Gangrichtung (350.000/450.000).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 10.11.2012, 06:05 Uhr

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