26.12.2005 · Auf Empfehlung Werner Tübkes erhielt der junge Leipziger Maler vor einigen Jahren seinen „Ritterschlag“ - den Auftrag für die Predella des gotischen Schnitzaltars der Kirche von Langreder. Die Galerie Schwind zeigt nun Michael Triegels jüngste Arbeiten.
Von Freddy LangerDie Begegnungen zwischen Werner Tübke und Michael Triegel waren selten, meist kurz, aber stets von großem Respekt geprägt. Deshalb möchte man den jungen Leipziger Maler, der bei Arno Rink studiert hat und bei Ulrich Hachulla Meisterschüler war, den Enkel Werner Tübkes nennen - vielleicht sogar seinen legitimen Nachfolger. Daß Triegel auf Empfehlung Tübkes, der den Auftrag hatte abgeben müssen, vor einigen Jahren die Predella für den gotischen Schnitzaltar der Kirche von Langreder malen durfte, begriff er selbst als seinen „Ritterschlag“. Jetzt zeigt die Galerie Schwind in Leipzig Triegels jüngste Arbeiten - im ehemaligen Wohnhaus Werner Tübkes.
Es ist wenig entstanden in diesem Jahr; denn Triegel arbeitet die meiste Zeit wiederum an einem Altarbild, diesmal für die Dorfkirche von Grave aus dem frühen 17. Jahrhundert. Am kommenden Pfingstfest soll es geweiht werden. Mag sein, daß gerade die Konzentration auf die christlichen Motive von der Anbetung des Kindes über die Taufe Christi bis zum Abendmahl und dem Jüngsten Gericht bei den privaten Arbeiten zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Mythen der klassischen Antike geführt hat - gerade so, als wolle er dem männlichen Leidenspathos etwas Weibliches, Sinnliches entgegensetzen. Da liegt dann etwa die schlafende Europa, im Format neunzig mal 160 Zentimeter, zusammengekauert und nackt in einer Renaissance-Landschaft, überwölbt von einer gewaltigen Kuppel am Himmel (37 500 Euro). Oder es streckt sich elegisch die ebenfalls nackte Leda auf einer Recamière, und aus dem Dunkel nähert sich von hinten ein schwarzer Schwan (22000 Euro).
Die Virtuosität seines Pinselstrichs und der altmeisterlichen Lasurtechnik hat Triegel im vergangenen Jahr noch einmal gesteigert. Die Motive wirken weniger überladen, wenngleich er nach wie vor seine spekulativen Welten aus den Spolien der Kunstgeschichte erschafft. Auf einem Bild schwebt im riesigen Format überhaupt nur noch ein Tuch über das Blatt, in Form einer Figur - aber leer: der Faltenwurf gotisch, die spannungsvolle Komposition fast schon abstrakt (9000 Euro). Selten fand der Schwebezustand, der typisch ist für Triegels gesamtes Werk, zu einem vollkommeneren Ausdruck.
Die meisten Gemälde der Ausstellung waren schon in den ersten Tagen verkauft. Ergänzt wird die Schau mit Landschaftsaquarellen, die als unmittelbarer Eindruck auf Reisen entstanden sind und die bisweilen im Hintergrund der Gemälde wieder auftauchen (um 2500 Euro), sowie mit Zeichnungen (ab 840 Euro).
Freddy Langer Jahrgang 1957, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.
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