28.10.2006 · Hielt Atak seine Tuschezeichnungen früher in schwarzweiß, so treibt er es jetzt richtig bunt: Er bedient sich an dem Erinnerungsvorrat seines Lebens. Das zeigt nun die Ausstellung „Targets for the Modern Home“ der Galerie Streitenfeld in Oberursel.
Von Andreas PlatthausAtak treibt es bunt. Das ist bemerkenswert genug für einen Künstler, der sich jahrelang mit Tuschezeichnungen beschäftigt hat, die er zwar wie im Rausch bis in die letzte Ecke mit verschlungenen Ornamenten und Details füllte, aber immer schwarzweiß hielt. Auch bei seinen Siebdrucken wurden meist nur eine oder zwei Farben eingesetzt, und nur in den Umschlägen seiner Bildgeschichten oder in einigen übermalten Büchern, die er vor sieben Jahren angefertigt hat, kam eine Vorahnung dessen ans Licht, was jetzt in der Galerie Streitenfeld in Oberursel präsentiert wird: ein Farbenfestival. Und ein Formenfest.
Das fängt mit dem Kern der Ausstellung an: quadratischen kleinen Spanholzplatten, die Atak mit grobem Strich bemalt hat. Die unthematisch zu größeren Blöcken von zwanzig oder dreißig arrangierten Bilder bedienen sich des Erinnerungsvorrats seines Lebens: Da gibt es Reminiszenzen an Spielzeug oder das Leipziger Messemännchen, Bildzitate aus Film und Comic, Masken und die früher schon gern von ihm verwendeten Kampfszenen (je 240 Euro).
Zielscheibe als Themengeber
Atak hat aber auch größere Formate für sich entdeckt. Ein Triptychon (4600 Euro), in dem er die Ästhetik von alten Jahrmarktsplakaten mit dem nachgemalten Titelbild eines Romanhefts aus den fünfziger Jahren verbindet, erreicht die für ihn ungewöhnliche Breite von mehr als einem Meter. Auf der Mitteltafel prangt eine Zielscheibe, wie sich auch in den Kleinformaten immer wieder Kreise im Zentrum finden lassen, die der Ausstellung ihren Titel gegeben haben: „Targets for the Modern Home“.
Seit sich Atak von der Zeichnung auf die Malerei verlegt hat, sind seine Darstellungen flächiger geworden, und unerwartete Inspirationsquellen kommen zum Vorschein - der Surrealismus und in zwei Bildern ein geradezu klassischer Japonismus (800 und 2500 Euro) -, die aber durch die eigenständig gestalteten Figuren rückgebunden werden an die eigene Werkwelt. Wenn dann aus einer Pfeife eine winzige Rauchfahne aufsteigt, die noch einige jener Kringel aufweist, wie sie früher ganze Blätter füllten, dann erkennt man in Atak einen Künstler als Meister der Selbstironie.
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
Jüngste Beiträge