04.12.2011 · Jetzt wird auch Amerika von einem Kunstfälschungsskandal erschüttert: Wer fälschte über Jahre Meisterwerke des Abstrakten Expressionismus - von Pollock, Motherwell und Rothko?
Von Niklas MaakWir haben an dieser Stelle in den vergangenen Monaten mit wachsendem Erstaunen über den Fall Beltracchi berichtet - über den Mann, der seit Jahrzehnten unzählige Meisterwerke der Moderne gefälscht und auch dank eines turbulent vernetzten Systems von Experten und dubios arbeitenden Kunsthändlern erfolgreich in den Markt gebracht hat. Im Prozess gegen Wolfgang Beltracchi standen vierzehn von ihm im Stil der Klassischen Moderne erfundene Gemälde zur Verhandlung. Bis heute weiß niemand, wie viele andere seiner Fälschungen noch kursieren; Schätzungen zufolge sollen es deutlich über hundert, Gerüchten nach mehr als zweihundert sein. Und kaum hat man sich gefragt, wo sich eigentlich diese Werke befinden, ob man je von ihnen erfahren wird und was mit ihnen passiert, berichtet die „New York Times“ über einen Fall, der sich im ersten Moment wie eine US-Version des Falls Beltracchi liest.
Ermittler des FBI, heißt es da, untersuchten zur Zeit, ob renommierte New Yorker Kunsthändler und Galerien über Jahre - und zu Preisen von bis zu 17 Millionen Dollar pro Bild - gefälschte Werke von Robert Motherwell, Jackson Pollock und anderen bedeutenden amerikanischen Malern der Nachkriegszeit wie Mark Rothko, Richard Diebenkorn und Franz Kline in den Markt gebracht haben.
Die meisten dieser Bilder, deren Echtheit mittlerweile auch durch Pigmentanalysen in Frage gestellt werden konnte, kamen über eine kaum bekannte, seit 1993 tätige Kunsthändlerin zu den renommierten Adressen - die auf Long Island ansässige gebürtige Mexikanerin Glafira R. und ihren früher in Galizien als Kunstberater tätigen Partner José Carlos B.
Glafira R . war, so erzählte sie es ihren Abnehmern in der New Yorker Galerieszene, angeblich auf die Sammlung eines Kenners der Nachkriegskunst gestoßen, der die Werke in den fünfziger Jahren direkt bei den Künstlern erworben haben soll; sein Sohn, angeblich ein enger Freund von Glafira R., der in der Schweiz lebe, wolle einige davon verkaufen, aber anonym bleiben. Die Geschichte wurde der Frau offenbar ebenso abgenommen, wie die europäische Kunstwelt den Beltracchis ihre Story von der angeblichen Sammlung des Großvaters Werner Jägers glaubte. Glafira R. hat die Werke dann über den Kunsthändler und Motherwell-Experten Julian Weissman (der jetzt vor Gericht landete, weil er die Kunden für diese Bilder mit erlogenen Provenienzen köderte), über die renommierte New Yorker Galerie Knoedler, die es seit geschlagenen 165 Jahren gibt, und über deren damalige Präsidentin Ann Freeman in den Markt gebracht.
Ist es ein Zufall, dass ebendiese Galerie Knoedler von ihren Eigentümern vergangene Woche überraschend dichtgemacht wurde, und zwar für immer? Es war bekannt, dass die Knoedler durch die Finanzkrise in Probleme geraten war, es war bekannt, dass Ann Freedman, die einunddreißig Jahre für die Galerie gearbeitet hatte, vor zwei Jahren überraschend zurückgetreten war und dass zwei Monate später das Haus, in dem die Galerie über vierzig Jahre lang residierte, für fast sechzig Millionen Dollar angeboten und schließlich für den halben Preis verkauft worden war. Knoedler, Freedman und Weissman wurde von der Dedalus Foundation, einer nichtkommerziellen, vom Künstler Robert Motherwell selbst gegründeten Stiftung, schon seit längerem vorgeworfen, mit gefälschten Motherwells gehandelt zu haben.
Doch jetzt überschlagen sich die Ereignisse: Der in London ansässige belgische Hedgefonds-Manager und Kunstsammler Pierre Lagrange, der 2007 bei Knoedler für siebzehn Millionen Dollar einen angeblichen Pollock kaufte, soll laut „New York Times“ am vergangenen Freitag Klage gegen die Galerie und gegen Freedman eingereicht haben, nachdem eine chemische Analyse ergeben haben soll, dass die verwendete Farbe erst nach Pollocks Tod auf den Markt kam. Bei Knoedler behauptet man, die hastige Schließung habe nichts mit dem Fall zu tun. Doch mittlerweile steht die Echtheit von mindestens fünfzehn bedeutenden Werken des amerikanischen Abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei, die Glafira R. in den Markt brachte, in Frage. Die Dedalus Foundation hält nach aufwendigen forensischen Untersuchungen alle Motherwells aus dieser Quelle für Fälschungen.
Aber wer ist der Fälscher, und was wussten die Händler? Weissman ist in ein fragwürdiges Licht geraten, seit bekannt wurde, dass er dem Kaufinteressenten für einen Motherwell, der irischen „Killala Fine Art limited“, und der Dedalus Foundation jeweils völlig unterschiedliche Provenienzgeschichten auftischte - einmal sollen die Gemälde aus der Sammlung einer arabischen Prinzessin stammen, einmal vom anonymen Sammler. Laut einem Gerichtsdokument, das dieser Zeitung vorliegt, hat Weissman im Prozess, den die „Killala Fine Art limited“ gegen ihn führte, erklärt, bei dem mysteriösen Sammler handele es sich um den Maler Gunther Gerzso. Sicher wissen wir dagegen, wer hinter der „Killala Fine Art limited“ steckt - ein Mann, der Kennern des Falls Beltracchi gut bekannt ist: Der Kunsthändler Marc Blondeau, der zahlreiche von Beltracchi gefälschte Max Ernst- und Campendonk-Gemälde in den Handel brachte.
Blondeau hatte über die „ Killala Fine Art“ bei Weissmann am 20. Februar 2007 für 650 000 Dollar den offenbar gefälschten Motherwell - eine „spanische Elegie“ - erworben, um sie laut Gerichtsakten zu einem deutlich höheren Preis an einen Interessenten weiterzuverkaufen. Der Kauf wurde mittlerweile rückabgewickelt. Dedalus’ Anwälte belasten laut Gerichtsakten nun auch Blondeau: „Warum Blondeau nicht Dedalus kontaktiert hat, bleibt ein Rätsel. Warum Blondeau, wenn er Zweifel an der Authentizität der Spanish Elegy 1953.P.24 haben musste, nicht die International Foundation for Art Research kontaktierte, bleibt ebenfalls ein Rätsel.“ Wieder steht Blondeau im Fokus, wieder in der Rolle desjenigen, der günstig und ohne allzu genaue Provenienzrecherche moderne Meister kauft, um sie deutlich teurer weiterzureichen.
Viele Fragen tun sich auf. Gibt es Spuren nach Europa? Welche Rolle spielte der Mann von Glafira R., der aus Nordspanien kommt und dort bereits in den neunziger Jahren in einige Fälschungsfälle verwickelt war? Und vor allem: Wer ist ein so brillanter Fälscher, dass er die Beteiligten mit seinen erfundenen Abstrakten Expressionisten so lange und mühelos täuschen konnte, wie Beltracchi seine Abnehmer mit erfundenen Werken europäischer Expressionisten getäuscht hatte? 2011, soviel kann man jetzt schon sagen, wird in die Kunstmarktgeschichte eingehen als das, je nach Perspektive, beste oder schlechteste Jahr aller Zeiten für erfundene Meisterwerke des 20. Jahrhunderts.
wer wars? Bob Ross?
Dirk Knauer (dercharles)
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Ich liebe es
Petra Meyer (PetraMeyer)
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DANY FRANKY (danyandfrank)
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