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Galerierundgang München München geht ein Licht auf

 ·  München lädt zum Kunstwochenende. Achtzehn Galerien wollen mit Kunsthistorikern, Künstlern und Schauspielern kaufkräftige Sammler in die Stadt locken.

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Es scheint ganz so, als wolle die Münchner Galerieszene sich mit dem „Kunstwochenende“, das heute und morgen die Stadt auf Trab bringt, selbst übertreffen. Vor wenigen Wochen erst veranstalteten sie mit „open Art“ den gemeinsamen Saisonbeginn, und schon steht der nächste Knüller auf dem Programm. Der feine Unterschied: Es ist eine kleine Galeristen-Auslese - in diesem Jahr sind es achtzehn Teilnehmer -, die sich vergleichbar dem Berliner Gallery Weekend zum „Kunstwochenende“ zusammentat, um Ausstellungseröffnungen mit viel Künstlerprominenz plus ambitioniertem Begleitprogramm zu bieten. In der Galerie Max Weber/Six Friedrich zum Beispiel kündigt der Berliner Künstler Ralf Ziervogel ein „aggressives Aufeinandertreffen“ mit der Schauspielerin Bibiana Beglau an, es dürfte um neue Arbeiten des virtuosen Zeichners horribler Körperphantasien gestritten werden.

David Lynchs Werke sind bei Pfefferle zu sehen; dass der Filmemacher malt und sogar über die Malerei zur Kinoleinwand kam, dürfte für einige in München noch neu sein. Das Max Ernst Museum in Brühl würdigte Lynch 2009 mit einer umfangreichen Schau. Bei Tanja Pol unterhält sich Thomas Deecke, langjähriger Museumsdirektor des Museums Weserburg in Bremen, mit Veron Urdarianu, dem Maler geheimnisvoller Einsamkeit, und Andreas Binder bittet zur Porträtsitzung mit Anna Navasardian. Werke der jungen, in New York lebenden Armenierin zeigt er erstmals in München.

Obgleich Karin Kneffel regelmäßig in München ist, wo sie eine Professur an der Kunstakademie bekleidet, konnte man ihre Arbeiten hier lange in keiner Galerie bewundern. Die Künstlerin zählt zu jenen, bei denen Galeristen Wartelisten führen und Sammler Schlange stehen. Auch Gagosian in New York, wo sie kürzlich ihr Debüt gab, hatte im Handumdrehen alles ausverkauft. Jetzt zeigt Fred Jahn Aquarelle und Bilder der einstigen Schülerin von Gerhard Richter. Viele Motive kreisen um Bauten von Mies van der Rohe, den Barcelona-Pavillon etwa oder auch das Seagram Building, andere um Hitchcock-Filme, aus denen sie diverse Putzfrauen-Szenen pickte.

Ihren steten, raffinierten Balanceakt zwischen verführerischer Opulenz und Distanz verstärkt Karin Kneffel durch die Illusion, dass der Betrachter die Szenen durch beschlagene oder beregnete Scheiben beobachtet: Dort, wo ein Finger Worte auf die feuchte Mattscheibe schrieb, ist Durchblick gewährt. Wo aber die Umgebung sich in Tropfen bricht, dickt sie zu Inseln amorpher Unkenntlichkeit ein oder mündet, als Rinnsal über ihr Abbild fließend, in Fragen über das Wesen der Malerei, die doch nichts als Farbe ist (Die Ölgemälde kosten 34.000 und 84.000 Euro, Aquarelle ab 9500 Euro).

Bei Barbara Gross wird sich Jonas Storsve, Kurator am Pariser Centre Pompidou, mit Kiki Smith unterhalten, inmitten neuester, vielfältige Medien nutzender Arbeiten der großen amerikanischen Künstlerin. In der Mayer’schen Hofkunstanstalt, dem bei Künstlern in aller Welt berühmten Münchner Fachbetrieb für komplizierte Glasarbeiten, schuf Kiki Smith wandfüllende Bleiglaszeichnungen wie „The Watcher“: eine junge Frau vor vergittertem Fenster, der zweigartige Stränge, vielleicht erlahmte Blicke oder Nerven oder Tränen aus den Augen hängen (140.000 Euro). „Moments of Clarity“, Augenblicke der Klarheit, des geglückten schöpferischen Einfalls thematisieren Zeichnungen, in denen Licht als Metapher innerer Erhellung dient. Ihr Zerschellen aber symbolisieren schneeweiße zerborstene Glühlampen (18 Unikate + 2 AP, je 6000 Euro), ausgeführt bei der Porzellanmanufaktur Nymphenburg.

Durch reinen Zufall rasselt es an der Ludwigstraße gleich zweimal militärisch. Olaf Nicolai zeigt bei Sabine Knust „Noms de Guerres“; der Künstler recherchierte Codewörter etlicher seit 1945 in vieler Herren Länder durchgeführter Militäroperationen und kombinierte sie zu Blöcken konkreter Poesie. Von Offizieren am grünen Tisch ersonnen, bestücken überraschend schöne oder positiv konnotierte Begriffe das Vokabular für Aktionen, die immer Gefahr, meistens Gewalt und oft den Tod einkalkulieren. Olaf Nicolai überträgt die Gedichte in UV Neonschrift, im Hellen stehen sie schwarz auf der Wand, im Dunkel aber macht ihr Licht Unentdecktes sichtbar und lässt dabei keinen aus, der sich im Raum aufhält (je 20.000 Euro, Aufl. 2).

Zwischen Apérol oder Himbeersirup

Auf der anderen Straßenseite präsentiert Daniel Blau mit „Tod und Teufel“, seine über Jahre zusammengetragene Sammlung an Fotos des Krieges, seiner Vorboten und seiner Folgen. „Künstlerischen Wert und eine moralische Botschaft“ misst er den Vintage-Prints bei, darunter Aufnahmen von Capa und Margaret Bourke-White.

Unbeschriebene, mit Klebstreifen an die dunkle Wand gepappte Blätter setzte Cornelius Völker mit flottem Pinselstrich für seine Schau neuer Bilder bei Andreas Grimm auf die Leinwand. Der Maler von mitten aus dem Alltag gegriffener Motive - man denke an die satte Pracht von Käsebrot, Meerschweinchen oder Faltenrock - deutet damit eine Kursänderung an; explizit knöpft sich seine primär vom Medium selbst handelnde Malerei hier Fläche und reine Form vor - weißes Viereck auf dunklem Rechteck -, während weitere Sujets Formauflösung betreiben: Verschüttete Flüssigkeiten, farblich zwischen Apérol oder Himbeersirup, mit nicht näher definierten organischen Klumpen darin bilden Lachen (Die Ölbilder kosten von 6500 Euro bis 26.000 Euro, Aquarelle 2900 Euro).

Ein Duett namens „Licht“ erfüllt die großen Räume der Walter Storms Galerie. Es ehrt Rupprecht Geigers Strahlkraft und stellt ihr das innere, durch viele Schichten Farbe scheinende Leuchten von Shannon Finleys Bildern zu Seite. Auf einen Trip zu noch mehr Malerei nimmt Häusler Contemporary den Besucher mit. Er führt ins Amerika der sechziger und siebziger Jahre und beginnt mit einer kleinen Frechheit von Peter Young: Sein Gemälde eines gelben, aus den Fugen geratenen und aufgebrochenen Rechtecks verulkt 1965 gekonnt die von Donald Judd beherrschte Minimal Art (64.000 Euro).

Young verließ New York und die Leo Castelli Gallery, zog nach Arizona und malt seither von indianischen Impulsen inspirierte, leuchtend bunte Ornamentkompositionen. Richard Allen Morris steht für die abstrakt-expressive Richtung und eine spezielle Auseinandersetzung mit Alten Meistern und Klassischer Moderne. Michael Venezia, der dritte im Bunde, experimentiert über die Ränder des Minimalismus hinaus, indem er der Farbmaterie eine gewisse Autonomie gewährt. Mehrfach setzt er die Spraypistole am äußersten Rand der Leinwand an, die Farbe schießt nach vorn, erst dicht, zur Bildmitte hin als feiner Schleier (ab 66000 Euro, auf Papier 8000 Euro).

Die Idee zum „Kunstwochenende“ entstand vor drei Jahren, als „Highlights“, die Spitzenmesse für Kunst und Antiquitäten im Haus der Kunst ihren Einstand gab und zwei weitere Messen im Postpalast und am Nockherberg terminlich mit auf den Wagen sprangen. Inwieweit die allseitig erhofften Synergieeffekte der Parallelaktionen tatsächlich eintreten, lässt sich freilich auch in ihrem dritten Jahr schwer einschätzen. Eins aber ist garantiert: An diesem Wochenende hat München in Sachen Kunst mehr als genug zu bieten.

Bis 27. Oktober. Geöffnet Samstag, den 27. Oktober, und Sonntag, den 28. Oktober von 11 bis 18 Uhr. www.kunst-wochenende.eu

Quelle: F.A.Z.
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Von Rose-Maria Gropp

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