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Zum Geburtstag Hans Strelows : Rheinisch selbstbewusst

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Hans Strelow holte die amerikanische Abstraktion nach Deutschland, und war Mitgründer des Berliner Art Forums. Ganz ohne distanzlosen Lokalpatriotismus dient der Galerist der Kunstszene. Jetzt wird er siebzig Jahre alt.

          Düsseldorf und das Rheinland bemühen sich dieser Tage mit einer ganzen Salve an Ausstellungen, um den Westen und seine ruhmreiche Historie noch einmal angemessen leuchten zu lassen. Ob dieser Initiative Nachhaltigkeit beschieden sein oder das Feuerwerk später einmal nur als Strohfeuer erinnert werden wird, steht noch dahin. Hans Strelow jedenfalls hat seinen Teil dazu beigetragen, die Landeshauptstadt schon vor Jahrzehnten mit überregional wahrgenommenen Ausstellungen in den Annalen zu verankern.

          Erst mit der Reihe kurzer, knapper „Prospekt“-Schauen in der Kunsthalle, die der damalige, auch für diese Zeitung tätige Kunstkritiker 1968 mit Konrad Fischer ins Leben rief; dann in den frühen Achtzigern, als er mit der „Gesellschaft für aktuelle Kunst“ einen Sponsorenclub gründete, mit dessen Unterstützung ein großer Düsseldorfer Überblick über die Gegenwartskunst in Deutschland gestemmt werden sollte. Der Schriftzug „von hier aus“, den Beuys über das von Kasper König verantwortete Projekt setzte, hat sich ins rheinische Selbstbewusstsein eingeschrieben.

          Hans Strelow, der bereits 1971 unter seinem Namen eine Galerie gründete und die amerikanische Abstraktion nach Deutschland vermittelte, trägt dieses Selbstbewusstsein nicht als Monstranz vor sich her. Schon gar nicht eignet dem 1940 in Stettin geborenen, die eigenen Interessen durchaus konsequent verfolgenden Galeristen ein distanzloser Lokalpatriotismus. So macht Strelow keinen Hehl daraus, dass auch er eigentlich ganz gern an der informierten Laufkundschaft und den Energien Berlins teilhätte.

          Er schreckte in den neunziger Jahren auch keineswegs davor zurück, die Berliner Gegenwartskunstmesse Art Forum mit zu begründen. Dieser Schritt wurde dort seinerzeit – wie die Zeiten doch vergehen – als rheinische Invasion auch kritisch wahrgenommen. Zwei-, dreimal machte Strelow mit, verkaufte von den Berliner Standkojen aus aber retour ins Rheinland.

          Auf Barnett Newmans Atelierstuhl

          Hier eben sind seine Sammler beheimatet, ihre Passionen gelten Emil Schumacher, Ulrich Erben oder der New York School und deren Nachfolgern, etwa Frank Stella, den Strelow in seiner nächsten Ausstellung wieder zeigt. Trotz mancher – bis vor kurzem jederzeit begründeter – Unzufriedenheit mit der Art Cologne nennt Strelow die Kölner Muttermesse als seine nach wie vor lukrativste in Deutschland.

          Manche Gäste, die Glück haben in seiner Galerie am Oberkasseler Luegplatz, dürfen auf einem kunsthistorisch geadelten Sitzmöbel Platz nehmen: Es ist der ehemalige, durch Fotografien bekannte Atelierstuhl von Barnett Newman. Annalee Newman, die Witwe des Malers, hat ihn Strelow geschenkt, nachdem dieser den Weg für kapitale Werke Newmans nach Stuttgart und Berlin geebnet hatte. Als unlängst die Düsseldorfer „Quadriennale“ das Programm ihrer zweiten Ausgabe vorstellte, wurde Hans Strelow als Überraschungsgast und primäre Quelle rheinischer Erinnerung aus dem Hut gezaubert. Am 1. Oktober feiert er seinen siebzigsten Geburtstag.

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