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Vintage Galéria : Wer ist Gyula Halász aus Brassó?

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Die berühmte ungarische Fotografie hat noch viel mehr zu bieten, als man ohnehin schon von ihr weiß: ein Porträt der Vintage Galéria in Budapest.

          Die ungarische Fotografie, so scheint es, bedarf hierzulande keiner Fürsprecher. Wenigstens lassen dies die zahlreichen Ausstellungen vermuten, die sich in den vergangenen Jahren weltberühmten, aus Ungarn stammenden Fotografen widmeten: Im Jahr 2005 zeigte der Martin-Gropius-Bau Robert Capas Reportagebilder, flankiert von der Ausstellung „Seelenverwandt. Ungarische Fotografen 1914-2003“, die der Schriftsteller und Fotograf Péter Nádas kuratierte. Die Hamburger Deichtorhallen präsentierten nur ein Jahr später Martin Munkácsi, im Jahr 2007 schloss sich die maßgebende Brassaï-Retrospektive im Berliner Gropiusbau an. Und zuletzt ließ sich das Werk von László Moholy-Nagy in der Frankfurter Schirn bestaunen. Zwar geben die Künstlernamen ihre ungarischen Wurzeln nicht immer preis, doch öfter als vermutet steckt hinter dem Pseudonym ein Ungar: Capa beispielsweise wurde als Endre Erno Friedmann in Budapest und Brassaï als Gyula Halász in Brassó (Kronstadt) geboren.

          Gemessen an dem, was die ungarische Fotografie zu bieten hat, zeigen diese Ausstellungen jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Neben den großen fünf - André Kertész ist den bereits Genannten hinzuzufügen -, die ihre Heimat allesamt in frühen Jahren verließen und international Karriere machten, sind es die daheim gebliebenen Fotografen, die Ungarn ein außergewöhnlich reiches fotografisches Erbe hinterließen. Es waren Persönlichkeiten wie Károly Escher, Imre Kinszki, József Pécsi oder Dénes Rónai, deren Aufnahmen, ob journalistisch oder künstlerisch motiviert, die Fotografie der Moderne um viele Facetten bereichert haben.

          Ebenjener Vielfalt und Qualität ist die Vintage Galéria in Budapest auf der Spur. 1996 von Attila Pocze gegründet, lassen sich in dem gerade mal 25 Quadratmeter großen Ausstellungsraum in der Magyar utca im Herzen von Pest stets neue Entdeckungen aus Geschichte und Gegenwart der ungarischen Fotografie machen. Bereits in seiner ersten historischen Ausstellung rückte Pocze mit Imre Kinszki (1901 bis 1945) eine vergessene Größe der ungarischen Moderne in den Blick. Als Vertreter einer Fotografie der Neuen Sachlichkeit und Mitbegründer der Vereinigung „Moderne ungarische Fotografen“ gehört Kinszki zu den Protagonisten der Zwischenkriegs-Moderne. Eindringlich dokumentiert er die ungarische Lebenswelt der dreißiger Jahre. Sein Gespür für die spezifischen Qualitäten der Fotografie ließ Kinszki zu einem Virtuosen der Schatten werden, die in seinen Aufnahmen eine ganz eigene Dichte und Präsenz erhalten.

          Die Ausstellungen der Vintage Galéria beschränken sich jedoch nicht auf die Moderne. Vielmehr schließt das Programm auch fotografische Werke ein, die in den sechziger bis achtziger Jahren im Rahmen der ungarischen Konzeptkunst entstanden. György L´órinczy (1935 bis 1981) etwa arbeitete in den sechziger Jahren an mehreren Fotografie-Serien,in deren Zentrum Motive aus der Natur standen: Mit „Substances/Szubsztanciák 1965-1968“ widmete ihnen die Vintage Galéria 2006 eine kleine Ausstellung. Zu sehen waren Bilder, auf denen glatte Steine vom Wasser umspült werden, so dass sich Luftbläschen und Reflexe bilden, die die Gegenstände auf den ersten Blick nur schwer identifizierbar machen. Über den Weg der Fotografie machte L´órinczy das Verhältnis von äußerer Realität und bildlicher Wahrnehmung zum zentralen Thema seiner Kunst.

          Eigenständige Publikationen

          Mit Künstlerinnen wie Lenke Szilágyi (Jahrgang 1959), die in den achtziger Jahren unzählige Postkarten mit ihren düsteren Schwarzweißfotos beklebte und eindrucksvolle Dokumente der Budapester Subkultur schuf, schlägt das Programm der Vintage Galéria eine Brücke zur Fotografie der Gegenwart. Zur jüngeren Fotografengeneration gehört Dezso Szabó (Jahrgang 1967), dessen konzeptuelles Vorgehen bei der massenmedialen Verbreitung von Katastrophenbildern, etwa von Terroranschlägen oder Flugzeugabstürzen, ansetzt. In seinem Atelier baut Szabó dreidimensionale Modelle, die auf eine Weise fotografiert werden, die die Künstlichkeit der Szenerien verwischt und dadurch indirekt auf die Inszeniertheit vermeintlich echter Dokumentarfotos verweist.

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