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Sammlung Stoschek : Für diese Passion sind Wände nicht genug

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Medienkunst vom Feinsten: Die Düsseldorfer Sammlerin Julia Stoschek ermöglicht Künstlern auch mal die Produktion. Und dann baut sie gerne mal ihr Haus um.

          Julia Stoscheks Liebe zur Medienkunst begann mit einem Elefanten, der seinen eigenen Tod spielt: als die Sammlerin im Jahr 2003 die Arbeit „Play Dead; Real Time“ von Douglas Gordon in Larry Gagosians Galerie in Chelsea sah, wusste sie: „Das ist es“. Bis dahin hatte die 1975 geborene Tochter fränkischer Unternehmer Betriebswirtschaft studiert und selbst in Düsseldorf ein paar Monate eine Galerie geführt - „mit wenig Erfolg“ wie sie freimütig einräumt. Fortan beschloss Stoschek, vorerst nicht mehr mit Kunst zu handeln, sondern zu sammeln; fuhr zu Messen und Festivals, besuchte Ateliers und Galerien und baute innerhalb von vier Jahren die wohl aktuellste Medienkunstsammlung Europas auf. Heute zählt Julia Stoschek zu den einflussreichsten und jüngsten Sammlern Deutschlands; ihre 2007 in Düsseldorf eröffnete museale Darbietung umfasst mittlerweile 455 Arbeiten.

          Nun hat Julia Stoschek mit „Cities of Gold and Mirrors“ die dritte Sammlungspräsentation eingerichtet, für die sie 44 bislang nie gezeigte Werke von 35 Künstlern versammelt, darunter zahlreiche Neuerwerbungen.
          „Beim Gassigehen mit dem Hund“ entdeckte Julia Stoschek 2004 ein leerstehendes Gebäude im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel. Das Jugendstilhaus aus dem Jahr 1907, in dem die Sammlerin auch wohnt, hat eine bewegte Geschichte: es diente als Werkstatt für den Bau von Theaterkulissen; Flugzeugmotoren wurden hier für den zweiten Weltkrieg hergestellt, danach Betten, Korsetts; zuletzt Bilderrahmen. Drei Jahre lang baute das Berliner Architektenteam Kuehn Malvezzi das denkmalgeschützte Haus um.

          Anders als die Eröffnungspräsentation „Destroy She Said“, die den Aufbruch und die Umgestaltung des historischen Hauses reflektierte, oder die auf Sinnlichkeit und Körperlichkeit setzende Schau „Fragile“, zeigt sich die aktuelle Ausstellung eher als suggestive Collage. Sie zeigt jüngere Künstler wie Keren Cytter, Simon Denny, Cyprien Gaillard oder Kerstin Brätsch im Dialog mit etablierten Positionen wie Nancy Holt und Robert Smithson, Charles Atlas oder Gordon Matta-Clark. Mit ihrem Engagement steht die „Julia Stoschek Collection“ längst für einiges mehr als die Lust am Sammeln, nämlich für nachhaltige Inszenierung, konservatorische Betreuung und Vermittlung.

          Dies belegte etwa Stoscheks Beitrag zur Restaurierung und Digitalisierung der Super 8-Filme des britischen Künstlers Derek Jarman, die Stoschek innerhalb einer ersten Soloschau im Haus 2010 präsentierte. Längst macht Julia Stoschek auch in Kuratorien und Jurys ihren Einfluss geltend: Nachdem sie lange in der Ankaufskommission des MoMa aktiv war, gehört sie nun dem Kuratorium der Kunstwerke Berlin an. Ebenso engagiert sie sich im Vorstand des Düsseldorfer Kunstvereins.

          Ein Kinosaal für ein Kammerspiel

          Von Beginn an zog die Julia Stoschek Collection internationale Künstler an: Olafur Eliasson hat zur Eröffnung die permanente Arbeit „When Love is Not Enough Wall“ für eine Außenwand des Hauses entwickelt. Im letzten Jahr holte Stoschek Dara Friedman und Joan Jonas im Rahmen des gemeinsam mit MoMa/PS1 entwickelten Projektes „100 Years of Performance“ nach Düsseldorf. Doch auch Regionales weiß Stoschek geschickt ins Programm des Hauses einzubinden: So ließ der Künstler Christian Jankowski im vergangenen Jahr getreu des Düsseldorfer Mottos „Jeck we can“ einen Karnevalsverein in Hallenlautstärke, aber ohne jede Kostümierung aufspielen und inszenierte damit ein gleichzeitig authentisches und skurriles Spektakel.

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