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Veröffentlicht: 03.08.2011, 05:45 Uhr

Sammlung Ileana Sonnabend Dies ist ein italienisches Porträt

Während der Biennale in Venedig präsentiert die Guggenheim Collection Werke aus der Sammlung von Ileana Sonnabend: Sie alle haben irgendetwas mit Italien zu tun.

von Lisa Zeitz

Es gibt verschiedene Parallelen zwischen Ileana Sonnabend (1914 bis 2007) und Peggy Guggenheim (1898 bis 1979), die darüber hinausgehen, dass sie beide aus reichen jüdischen Familien stammen und das ganze Leben die Nähe zu Künstlern gesucht haben. Beide führten Galerien in New York; beide haben sich als Frauen im Kunstbetrieb behauptet; beide sammelten mit Leidenschaft zeitgenössische Kunst; und beide hatten ein ausgeprägtes Faible für Venedig und Paris. Ihr Auftreten war dabei höchst unterschiedlich.

Peggy Guggenheim war extravagant und kapriziös: Repliken ihrer berühmten Sonnenbrille, die sich wie ein Paar gespreizter Fledermausflügel auf ihr Gesicht schmiegte, werden jetzt im Museumsshop in ihrem Palazzo in Venedig verkauft. Dort soll sie sich auch barbusig auf dem Dach gesonnt und damit die Polizeistation gegenüber in Verwirrung gestürzt haben.

Ileana Sonnabends Stil dagegen war unauffällig und diskret. Aufgrund einer Krankheit trug sie schon in relativ jungen Jahren eine Perücke, und sie bevorzugte praktische Mantelkleider mit Halstuch. Der Kunstkritiker Achille Bonito Oliva beschreibt ihre Erscheinung wie die von Gertrude Stein – „aber so, wie Picasso Gertrude Stein gemalt hat, mit melancholischem Blick, beharrlich und autoritär“. Als sie noch mit rund neunzig Jahren in der Sonnabend Gallery im New Yorker Stadtteil Chelsea nach dem Rechten sah, hatte sie zwar eine fast großmütterliche Ausstrahlung, aber immer noch verspürte man den Hauch einer James Bondschen KGB-Agentin: die mächtige Kunsthändlerin, in deren Händen alle Fäden zusammenliefen.

Ileana Schapira wurde 1914 in Bukarest als Tochter eines arrivierten rumänischen Industriellen und seiner Wiener Gattin geboren. Zu ihrer Hochzeit mit dem aus Triest stammenden Leo Krauze – später Leo Castelli – im jahr 1933 ließ sich Ileana anstatt eines Rings ein Gemälde von Matisse schenken. Die beiden lebten zunächst in Paris, wo Leo Castelli 1939 zusammen mit René Drouin eine erste Galerie eröffnete; doch bei Ausbruch des Kriegs flohen sie mit ihrer Tochter nach New York.

Nach dem Krieg vermittelte Leo Castelli unter anderem den Verkauf des Nachlasses von Karl Nierendorf an das Guggenheim Museum. 1957 eröffnete er mit der Unterstützung seiner Frau die erste Galerie in New York. Zu dieser Zeit hatte das Paar schon eine Sammlung, die Werke von Paul Klee, Arshile Gorky, Piet Mondrian und Jackson Pollock umfasste. Robert Rauschenberg und Jasper Johns kamen bald hinzu – beide hatten noch in den fünfziger Jahren Ausstellungen bei Leo Castelli.

Junge europäische Künstler für Amerika

Auch nachdem sich Leo und Ileana 1959 scheiden ließen, blieben sie freundschaftlich und geschäftlich verbunden. Mit ihrem neuen Mann Michael Sonnabend zog Ileana 1961 zuerst nach Rom und schließlich nach Paris, wo sie 1962 eine Galerie mit einer Ausstellung von Jasper Johns’ enkaustischen Flaggenbildern eröffnete. Neben vielen amerikanischen Künstlern, die hier teilweise ihren ersten Auftritt in Europa hatten, zeigte die Galerie auch viele Italiener wie Mario Schifano, Michelangelo Pistoletto, Gilberto Zorio, Mario Merz und Giovanni Anselmo. Die Galerie existierte bis 1980.

Im Januar 1970 debütierte Ileana Sonnabend mit der Sonnabend Gallery in New York, wo die große Kunstvermittlerin nun umgekehrt dem amerikanischen Publikum viele junge europäische Künstler vorstellte, aber auch Art déco und frühe Fotografie. Anlässlich der Einweihung der neuen Räume 1971 – sie wagte sich als eine der ersten Galerien nach Soho – hatten Gilbert & George als „Singing Sculpture“ ihren berühmten Auftritt in Tweed-Anzügen und mit Bronze getünchter Haut.

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