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Max Cole in Bonn : Balanceakt

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In einer anderen Dimension, auf einem anderen Planeten? Selbst wenn die Malerin Max Cole sich so spirituell zu ihrem Arbeitsprozess äußert, in der kunstgaleriebonn zeigt sich ihr Werk von seiner rationalen Seite.

          Gemeinsam mit Agnes Martin und Bridget Riley gehört Max Cole heute zu einer Trias von Künstlerstars, die sich nach anfänglicher Ignoranz des Kunstbetriebs durchgesetzt haben. Cole, 1937 in Kansas geboren, hat ein Werk geschaffen, das allein durch die prägende Horizontale einen hohen Wiedererkennungswert hat. Fälschlich wird sie oft der konkreten oder konstruktiven Kunst zugerechnet; sie selbst betont, dass sie sich für Perfektion nicht interessiere.

          Man kann die vorwiegend auf einem subtilen Schwarz-Weiß-Kontrast und abgestuften Grauwerten beruhenden Gemälde und Zeichnungen meditativ nennen und findet dafür bei Cole selbst Hinweise, so wenn sie davon spricht, der Arbeitsprozess habe etwas von Meditation, oder sie erlange plötzlich eine „andere Dimension“ in der Arbeit. Nun gehört es aber zu den offensichtlichen optischen Erfahrungen, dass die Bilder alles andere als spirituell wirken, sondern so etwas wie Rationalität vermitteln.

          Rationalität als Balance zwischen Horizontal und Vertikal - die Essenz der Gemälde. Kräftige horizontale Bänder werden ausbalanciert durch meist kleine, kurze vertikale Striche, die wie in sich strukturierte Bänder das Bild beherrschen. Sie sind das Ergebnis höchster Konzentration, einem intuitiven Fortschreiten der Bewegung der Hand, die sich bemüht, die horizontale Dominanz auszugleichen, ihr die natürliche Ordnung, die Cole aus der Landschaft ihrer Heimat Kansas mitbringt, zu verleihen.

          Das hat auch auf den größten Leinwänden, mit Dimensionen von 2,5 mal 1,5 Metern (Preise der großen Formate zwischen 23.000 und 35.000 Euro) immer eine Anmutung von Zeichnung. In einigen Bildern in Bonn setzt Cole ungewohnt Farbe ein, meist ein dunkles Rot. Sie habe lange gezögert, überhaupt Farbe zu benutzen, erläutert sie, weil sie die psychologische Aufladung gefürchtet habe.

          In der Museumsszene bis dato unentdeckt

          Ihre Zeichnungen (Preise zwischen 2500 bis 6000 Euro) sind ein besonderes Erlebnis. Die selten ausgestellten Blätter aus den siebziger Jahren wirken auf den ersten Blick wie Radierungen. Max Cole hat in Deutschland und der Schweiz im letzten Jahrzehnt eine Reihe von Ausstellungen gehabt, scheint aber in der Museumsszene noch wenig bekannt, geschweige denn etabliert zu sein.

          Die kunstgaleriebonn hat mit dieser wunderbar leisen, aber hochkomplexen Künstlerin ihre Tätigkeit aufgenommen. Michael Schneider führte vorher seine eigene Galerie und hat sich nun mit Gisela Clement zusammengeschlossen. Ihr neues Reich ist die Bonner Villa Faupel. Der im Weidle-Verlag erschienene Katalog hat Museumsformat.

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