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Kunsthändler Wildenstein Wenn Indizienketten zur Schlinge werden

Guy Wildenstein, renommierter Pariser Kunsthändler, steht aufs Neue unter Verdacht. Es geht um Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Dieses Mal wird er wohl nicht ungeschoren davonkommen.

© ddp images/SIPA Guy Wildenstein. Schon 2011 entdeckte die Polizei in Kellern seines Stammhauses an der Pariser Rue La Boétie zahlreiche Gemälde, die als gestohlen oder vermisst galten.

Guy Wildenstein, der Chef der einst größten und mächtigsten Kunsthandelsdynastie der Welt, die im 19.Jahrhundert von Nathan Wildenstein in Paris begründet und dann in direkter Linie von Sohn Georges und Enkel Daniel Wildenstein bis nach New York ausgebaut wurde, muss nun immer öfter vor Gericht Rede und Antwort stehen. Die Indizienkette mehrerer Fälle und simultaner Klagen wird ihm zur Schlinge.

Wie erst in dieser Woche bekannt wurde, ist er bereits am 24.Januar endgültig zur Figur eines sprichwörtlichen feuilleton, eines Fortsetzungsromans nämlich, geworden: Er wurde wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche angeklagt. Eine Kaution von 500.000 Euro garantiert dem 1945 in New York geborenen Kunsthändler zunächst noch Mobilität. Doch ist abzusehen, dass es ihm auf Dauer immer schwerer fallen wird, sich zu rechtfertigen, zumal Polizeibeamte der französischen Antigeldwäschebehörde (OCRGDF) schon 2011 in Kellern seines Stammhauses an der Pariser Rue La Boétie zahlreiche Gemälde entdeckt haben, die als gestohlen oder vermisst galten. Darunter befand sich ein Werk der Impressionistin Berthe Morisot, das infolge eines Todesfalls und entsprechender Erbangelegenheiten von den legalen, nicht verwandten Erben schon seit 1993 gesucht worden war.

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Der generationenalte Handel mit Gemälden alter und neuer Meister, darunter Monet, Gauguin, Cézanne oder Bonnard, hat die Familie Wildenstein außerordentlich vermögend gemacht. Den allmählichen Abstieg, wenn nicht Zusammenbruch des Imperiums leitete der Tod von Guys Vater Daniel Wildenstein (1917 bis 2001) ein. Dessen mittlerweile ebenfalls gestorbene Witwe Sylvia Roth-Wildenstein hatte mit Daniels aus erster Ehe stammenden Söhnen Alec und Guy ein recht gutes Verhältnis, bis sie bemerkte, dass ihr große Teile des Erbes von diesen vorenthalten wurden - und dem französischen Staat auch: Während Daniel wahrscheinlich vier Milliarden Euro Vermögen hinterlassen habe, seien beim Fiskus nicht einmal fünfzig Millionen Euro deklariert worden.

In Frankreich ticken die fiskalischen Uhren anders

Guy Wildenstein wurde zwar schon in der Ära Nicolas Sarkozy mit Steuerparadiesen in Verbindung gebracht, doch als wichtiger Akteur der französischen Partei UMP und Gefolgsmann des Staatspräsidenten lange geschont. Dass sich dies geändert hat, hat nichts mit der Regierung Hollande zu tun. Denn schon Sarkozys letzter Finanzminister, François Baroin, konnte zahlreiche, auch von kunsthistorischen Gutachten untermauerte Hinweise auf Unregelmäßigkeiten und schwere Beschuldigungen nicht mehr ignorieren. Es geht unter anderem um 250 Millionen Euro Steuernachzahlung, ohne den kräftigen Versäumniszuschlag mitzurechnen. In Deutschland mag man nicht ganz verstehen, wieso man an dieser Stelle betonen muss, dass es Herrn Baroin trotz allem sehr ehrt, als eine Art Spielverderber fungiert zu haben: In Frankreich ticken die fiskalischen Uhren - derzeit noch - anders, und es gilt gleichsam eher als Kavaliersdelikt, womit andernorts kurzer Prozess gemacht wird.

Anzeichen, dass Guy Wildenstein ungeschoren davon kommt, gibt es derzeit keine, zumal das komplexe Finanz- und Vermögenskonstrukt der Wildensteins immer mehr durchschaut wird. Die Schweiz und die Vereinigten Staaten spielen bei entsprechenden Geldbewegungen ebenso eine Rolle wie die Bahamas. Einer der Anwälte Wildensteins wurde im Februar 2012 der Geldwäsche überführt und könnte bald in Haft genommen werden. Dieses Schicksal wird dem Patron möglicherweise erspart bleiben, weil er, im Gegensatz zu seinem Advokaten, noch liquide genug sein dürfte.

Quelle: F.A.Z.

 
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