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Veröffentlicht: 21.06.2013, 15:26 Uhr

Kunstfälschung Wieder ein angeblicher Campendonk

In Köln klagt der Ersteigerer eines Gemäldes gegen das Auktionshaus Lempertz und den Einlieferer des Werks: Der „Mann mit Blume“ ist kein Bild von Heinrich Campendonk, sondern eine Fälschung.

von Stefan Koldehoff

Ob auch der sitzende „Mann mit Blume“ von der Hand des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi stammt, der so viele Werke von Heinrich Campendonk nachgemalt hat, ist nicht sicher. Manches spricht dafür, manches dagegen, und Beltracchi selbst äußert sich aus guten Gründen nicht.

Sicher ist aber, dass das Bild kein echter Campendonk ist. Das belegen, wie der niederländische Kunsthistoriker Peter van Beveren nachwies, vor allem die durchaus identifizierbaren Zeitungsausschnitte, mit denen das Bild collagiert wurde: Sie stammen aus dem Jahr 1926 - und nicht schon aus jenem Jahr 1918, das links unten neben dem Künstlermonogramm auf der Leinwand steht. Gegen die Echtheit spricht weiter ein materialtechnisches Gutachten des Münchner Doerner-Instituts, dem zufolge auch die verwendeten Materialien nicht zum angegebenen Entstehungsjahr passen. An der Falschheit dieses Gemäldes gibt es also keine ernsthaften Zweifel mehr.

Die Fälschung fand Eingang ins Werkverzeichnis von Campendonk

Auch nicht von Seiten des Kölner Auktionshauses Lempertz, das das Bild im Dezember 1996 versteigert hatte - unter anderem, weil es zuvor Aufnahme in das offizielle Werkverzeichnis des deutschen Expressionisten Campendonk gefunden hatte. Auch bei Lempertz spricht inzwischen niemand mehr von einem Original. Damals allerdings wurde es als solches angeboten. Der Kölner Verleger Jürgen Naumann erwarb das Gemälde für 390.000 Mark. Er bekam Zweifel, als der in Köln stattfindende Beltracchi-Prozess Schlagzeilen machte, und verklagt nun, da sich sein Verdacht bestätigt hat, Lempertz und den seinerzeitigen Einlieferer, einen Arzt aus Süddeutschland, auf Rückzahlung des Kaufpreises plus Zinsen.

Dass Naumanns Klage Aussicht auf Erfolg haben könnte, hat die 2. Zivilkammer des Landgerichts Köln unter dem umsichtig und kenntnisreich agierenden Vorsitzenden Richter Hans-Joachim Becks bereits in der Verhandlung am vergangenen Donnerstag angedeutet. Er empfahl - weil einiges auf eine Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht durch Lempertz hindeute und auch ein Teilurteil ohne Beweisaufnahme denkbar sei, so der Richter - eine außergerichtliche Einigung: Drei Viertel der Schadenssumme könnten von Lempertz, ein Viertel vom Einlieferer bezahlt werden. Und Naumann, so der Richter weiter, könne ja vielleicht darüber nachdenken, auf die Verzinsung des Schadens zu verzichten.

Wer bekommt das gefälschte Bild?

Damit hätte die letzte Sitzung vor dem Verkündigungstermin am 8. August eigentlich beendet sein können, wäre nicht ganz zum Schluss noch die Frage aufgekommen, was denn eigentlich mit dem gefälschten Campendonk selbst geschehen solle. Man solle das Bild dem Landeskriminalamt Berlin als Ergänzung für seine Beltracchi-Fälschungssammlung zur Verfügung stellen, schlug Naumanns Anwalt vor. Das komme gar nicht in Frage, hielt der Lempertz-Anwalt entgegen: „Das Bild muss an Lempertz gehen.“ Ob das Kunsthaus tatsächlich die Schlagzeile „Lempertz fordert Fälschung zurück“ lesen wolle, legte die Gegenseite nach. „Es weiß doch bis heute niemand, ob das Bild falsch ist“, warf daraufhin Lempertz’ Anwalt das Verfahren um Monate zurück.

Und machte damit unfreiwillig auf das Dilemma auch dieses Verfahrens aufmerksam: Auch zwei Jahre nach der Verurteilung der Beltracchi-Bande, wenige Tage nach Bekanntwerden des aktuellen Fälschungsskandals um russische Avantgardekunst und kurz vor einem neuen Urteil über die Unzulänglichkeit der bestehenden Geschäftsbedingungen gibt es in den deutschen Kunsthandelsverbänden nicht einmal Ansätze zu einer Debatte über die eigene Rolle und über neue Selbstverpflichtungen. Und Vorschriften darüber, was in Deutschland mit nachgewiesenen Fälschungen zu geschehen hat, existieren ebenfalls nicht.

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Quelle: F.A.Z.

 

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