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Kunst aus Nordkorea Glücklich im nachgeschichtlichen Zustand

 ·  Nordkorea lässt im Akkord Kunst produzieren: Das staatliche Unternehmen Mansudae unterhält eine einzige Galerie im Ausland - in Peking.

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© Mansudae Art Studio Vergrößern Kim Chung Guk malte diesen 99 mal 66 Zentimeter großen Tiger 2005 in Tusche auf Papier.

Am „Originality Square“ im Pekinger Kunstviertel „798“ ist die New Yorker Pace Gallery - wie fast immer - gerade im Umbau begriffen, aber die nordkoreanische Mansudae-Galerie hat ihre Tore weit geöffnet. Es ist ein zeitgenössischer Bau aus rotbraunen Backziegeln, dessen dezent postmoderne Bögen jene Bögen der ostdeutschen Fabrikarchitektur aus den fünfziger Jahren wiederaufnehmen, die das Viertel prägen. Sanft perlende Klaviermusik empfängt den Besucher in den gekühlten, etwas dunklen Räumen. Die erste Halle dominiert das riesige Ölgemälde eines Tigers, entstanden in diesem Jahr, der mit seiner massigen, leicht beunruhigenden Präsenz den Betrachter herausfordernd anguckt. Der Tiger steht in einem Wald, und jedes einzelne seiner Haare ist akkurat ausgemalt.

Solche Sorgfalt hat ihren Markt. Laut der Jingsheng Investment Company in Peking ist die nordkoreanische Kunst heute unter reichen chinesischen Sammlern beliebt. Der am sozialistischen Realismus der Sowjetunion geschulte Naturalismus ist diesen Sammlern von der Klassischen Moderne Chinas her vertraut, sie schätzen die besondere handwerkliche Akkuratesse der nordkoreanischen Maler - und sie setzen auf den potentiellen Wertzuwachs der Erzeugnisse eines jetzt zwar noch geschlossenen, möglicherweise aber einmal sich öffnenden Kunstmarkts. So ist es kein Zufall, dass die einzige Galerie, die das in Pjöngjang ansässige staatliche Kunstproduktionsunternehmen „Mansudae“ im Ausland betreibt, sich in Peking befindet. Selbstbewusst informiert eine Tafel am Eingang darüber, dass die angebotenen Kunstwerke „reich an lokalem Flair und kongenial dem modernen Sinn für Schönheit“ seien.

Politische Kunst im engeren Sinn ist in der Minderzahl. In der Haupthalle hängt ein Schlachtengemälde von 1961, auf dem sich unbewaffnete, zum Teil schon schwer verletzte Aufständische berittenen Soldaten entgegenwerfen. Im ersten Stock nimmt ein chinesischer Soldat zwei von amerikanischen Angriffen verschreckte koreanische Kinder in den Arm. Es gibt auch Holzschnitte aus diesem Jahr, auf denen stämmige Bäuerinnen gigantische Thermoskannen mit sich führen. Ansonsten aber überwiegen Landschaften, Tiere und Sportlerinnen als Sujets. Ein Breitformat zeigt die siegreiche Frauenfußballmannschaft Nordkoreas im Moment ihres Triumphs bei der Weltmeisterschaft von 2005 - ein offenbar von einem Pressefoto abgemaltes Bild. Der gestorbene Staatsführer Kim Jong-il, der sich persönlich um die Kunstproduktion kümmerte, hatte verfügt: „Ein Bild muss so gemalt sein, dass der Betrachter seine Bedeutung verstehen kann.“

Kunst soll nicht verwirren, sondern den - definitionsgemäß irritationslosen - nachgeschichtlichen Zustand spiegeln, zu dem die sozialistische Gesellschaft gelangt ist; deshalb sind gerade vermeintlich apolitische Gegenstände in Wirklichkeit natürlich politisch gemeint. Auf einem impressionistisch hingetupften Gemälde posieren vier junge Badmintonspielerinnen im weißen Minirock; sie bilden inmitten des Sportstadions einen eigenartig unnatürlichen Block, so dass die selbstbewusst kesse Art, wie sie ihre Hände in die Seite stemmen, wieder ausgeglichen ist.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

19.08.2013, 10:56 Uhr

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