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Gegenwartskunst : Der Streik ist vorbei

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Gustav Metzger überlebte den Holocaust durch einen rettenden Kindertransport nach England. Das hat ihn geprägt. Er zählt zu den wenigen Künstlern, die ihre Themen konsequent verfolgen.

          Über sechzig Jahre lang zählte die Verweigerung gegenüber dem Markt zu den Grundfesten seines Engagements. Sogar zu einem Streik rief Gustav Metzger 1974 auf, um das Kunstsystem „in seiner kapitalistischen Form“ zu zerschlagen. Der Politkünstler und Documenta-13-Teilnehmer, der 1939 als Kind nach England flüchtete, nähert sich nun aber doch an und stellt in der Wiener Galerie Christine König aus. Ist es Altersmilde oder Kapitulation? Keines von beidem. Vielmehr dürfte den Siebenundachtzigjährigen das Doppelspiel mit Gerhard Rühm gereizt haben, den er bereits 1966 auf dem von ihm selbst initiierten Symposion „Destruction in Art“ in London traf. Mit dem Mitglied der Wiener Gruppe verbinden ihn viele kritische Anliegen, wie der Protest gegen Umweltzerstörung oder die Analyse der medialen Zurichtung von Sprache sowie der Verdrängung des Nationalsozialismus.

          Der erste Teil der Schau „Mass Media / Media Mess“ führt in medias res. Unter einer gelben Decke liegt dort Metzgers raumfüllende Vergrößerung einer historischen Fotografie. Um das Bild - es zeigt Juden beim Putzen des Straßenpflasters - sehen zu können, muss der Besucher unter die Decke kriechen. Seit Mitte der neunziger Jahre hat der Künstler Aufnahmen von Katastrophen in dieser Form künstlerisch überdeckt. Gegenüber hängen Gerhard Rühms Collage-Serien „deutsche Volkslieder“ und „geistliche Gesänge“, die mit Kontrastsetzung arbeiten (je 3000 Euro). „Freut euch des Lebens“ titelt eine Collage von 1995, die Werbebilder von glücklichen Gärtnerinnen mit dem Foto eines Müllbergs paart. Sehr direkt auch ein „deutsches Lied“ über die Freude, dessen Notenblatt Abbildungen von Neonazis flankieren. Zur Do-it-yourself-Collage lädt Metzger im nächsten Raum ein. Seine Installation „Mass Media: Today and Yesterday“ besteht aus hohen Zeitungsstapeln, aus denen Artikel und Schnipsel zu den Themen „Wirtschaftskrise“, „Auslöschung“ und „unser heutiger Lebensstandard“ ausgewählt und an die Wand gepinnt werden sollen.

          Wie medienkritisch auch Rühm bis heute agiert, beweisen seine jüngsten „Zeitungsrissbilder“ und „Leseinseln“, die Zeitungsseiten fragmentieren und reorganisieren. Diese visuelle Poesie lenkt den Blick durch kreisförmige Aussparungen auf disparate News, die weniger Informationswert als Dekonstruktion transportieren. (Bis zum 9. März.)

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