Home
http://www.faz.net/-gyz-76fka
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Galerieszene in Singapur Eine Stadt öffnet sich den Neugierigen

In Singapur ist die Galerienszene mit junger Kunst viel reicher als erwartet. Man muss aber etwas Entdeckerlust mitbringen, um die verstreuten, inspirierenden und wichtigen Orte aufzuspüren.

© Galerie Future Perfect Vergrößern Hypnotische Kraft: Die gerade eröffnete Galerie Future Perfect stellt das Science-Fiction-Epos „Faith“ des thailändischen Filmemachers und Künstlers Apichatpong Weerasethakul in Singapur vor.

Singapurs City Hall District ist ein Gewimmel aus Büros und klimatisierten Einkaufszentren, den wichtigsten Museen wie dem Singapore Art Museum oder der National Gallery und Kirchen aller Konfessionen. Mittendrin, an der Waterloo Street, liegt das sorgfältig restaurierte, 1938 errichtete Gebäude der Catholic Secondary High School, die schon der ehemalige Premierminister Singapurs besuchte. Vom Immobilienentwickler und Kunstsammler Daniel Teo 2009 für neun Jahre angemietet, beherbergt das Gebäude Teos Privatmuseum, in dem er seine Sammlung präsentiert, aber ebenso eine Kunstschule, Agenturen und einige Galerien, unter ihnen Yavuz Fine Art.

Mehr zum Thema

Das Gespräch mit dem Galeristen findet auf Deutsch statt: Can Yavuz wurde in der Türkei geboren und wuchs in Köln auf. Zum Studium der Volkswirtschaft ging er nach London, wo er begann, Kunst zu sammeln. Nach Singapur kam er 1999 und blieb, nach Stationen in Australien und Hongkong. Der Banker, der seine Freizeit als Kunstsammler und Consultant verbrachte, entschloss sich 2009, seine eigene Galerie zu eröffnen. „Mir gefällt es, mittendrin zu sein“, erklärt Yavuz: „Hier kommen Künstler, Kollegen, Touristen, aber auch der Priester von der Kirche nebenan vorbei, um sich unsere Kunst anzusehen.“ Aktuell zeigt er die von der kanadischen, in Singapur lebenden Kuratorin Iola Lenzi kuratierte Schau „For Home and Country“, mit Installationen, Fotoarbeiten, Skulpturen und Gemälden des Vietnamesen Bui Cong Khanh. In der Installation „Saigon Slum“ baut der 1972 in Da Nang City geborene Künstler einen der von armen Landarbeitern bewohnten Slums in Saigon als Modell nach; er filmt und fotografiert darin. Die Existenz solcher Slums wird bis heute von offizieller Seite geleugnet. Khanh stellt in seinen Arbeiten Fragen nach den Möglichkeiten eines freien künstlerischen Ausdrucks in seinem kommunistischen Heimatland. (Die Preise liegen zwischen 1220 und 52.900 Dollar. Bis 10. März.)

23231366 © Galerie Yavuz Fine Art Vergrößern Bei Yavuz Fine Art: Werke von Bui Cong Khanh in der Schau „For Home and Country“ - hier die Installation „Saigon Slum“

Angewandte und konzeptuelle Fotografie

Tiefer im Süden, an der Keppel Road, unweit des heruntergekommenen historischen Bahnhofs verladen Lastkräne im Hafen von Singapur Container aus aller Welt. Nach Kunst sieht hier zunächst nichts aus, und als Fußgänger muss man sich in Acht nehmen vor den vorbeirasenden Gabelstaplern. In einem der vielen Betonsilos befindet sich jedoch der Artspace@Helutrans, ein agiles Kunstzentrum mit einer Handvoll lokaler Galerien und seit neuestem auch Singapurs erstem Auktionshaus. Die Galerie von Ikkan Sanada zeigt dort unter dem Titel „Tokyo Street Art“ eine rasante Zusammenstellung japanischer Straßenkunst. Außerhalb von Akademien entstanden und von Mode, Pop und Graffiti beeinflusst, kommen die Plastiken, Zeichnungen und Gemälde mal verspielt, mal laut und provokativ daher. Mikito Ozeki zeigt mit „Big Body“ ein so technoides wie fragiles Monster, das er in monatelanger Arbeit per Hand ausgeschnitten hat, während das Künstlerduo „Hitotzuki“ ornamentale Abstraktionen malt, die wie Mandalas wirken. (Preise von 400 bis 36.000 Dollar. Bis 23. Februar.)

23231361 © Galerie Ikkan Sanada Vergrößern Außerhalb der Akademie entstanden: „Tokyo Street Art“, japanischer Künstler in der Galerie von Ikkan Sanada

Die von Stephanie Tham 2010 gegründete Galerie Steph ermöglicht mit der Ausstellung „Alternative Perspectives in Asian Contemporary Photography“ einen Einblick in die aktuelle asiatische Fotoszene. Künstler wie Chen Man, Chihiro Kabata oder Xing Danwen zeigen angewandte und konzeptuelle Fotografie. Auch der Hongkonger Fotostar anothermountainman ist mit dabei. Er zeigt Arbeiten aus seiner Serie „Lanwei“: In illegal errichteten Wohnsiedlungen und Abbruchhäusern in Städten wie Bangkok oder Schanghai inszenierte Szenen erinnern an Standfotos aus Spielfilmen. In seiner Fotoserie inszeniert der auch als Stanley Wong Ping-pui bekannte Künstler universell verständliche Dramen. Liebe, Einsamkeit und Glück kulminieren in einem unwiederbringlichen Moment. (Auflage 8; je 3333 Euro. Bis 2. März.)

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Art Basel Hong Kong Für die Kunst war dieser Marktplatz noch nie so günstig

Die dritte Ausgabe der Art Basel Hong Kong erhöht ihr Potential weiter, mit Neuzugängen und manchen Stars der Szene. Die Anstrengung lohnt sich - die ganze Stadt glänzt im Licht der Kunst. Mehr Von Magdalena Kröner, Hongkong

14.03.2015, 17:00 Uhr | Feuilleton
Markt boomt Kunst aus Kuba groß im Kommen

Die Annäherung der Vereinigten Staaten und Kuba hat auch Konsequenzen für den Kunstmarkt. In Scharen pilgern amerikanische Galeristen derzeit nach Kuba, um sich Bilder anzuschauen und zu kaufen. Mehr

30.01.2015, 17:08 Uhr | Feuilleton
Rodney Graham in München Bilder vom Philosophenherd

Küchenzauber mit Pfeifenputzern: Bei der Galerie Rüdiger Schöttle in München sind Buchillustrationen von Rodney Graham zu sehen. Sie zeugen vom ironischen Umgang des Künstlers mit der Moderne. Mehr Von Brita Sachs

13.03.2015, 10:16 Uhr | Feuilleton
Tefaf 2015 Den Kunstfälschern auf der Spur

Der Kunstmarkt boomt. Auf der weltweit bedeutendsten Messe für Kunst in Maastricht kaufen Museen, Galeristen und Sammler ein. Noch immer ist der Kunstmarkt aufgeschreckt von Fälscher-Skandalen. Deswegen müssen die Aussteller die strengen Kontrollen einer Fachjury überstehen. Mehr

20.03.2015, 16:27 Uhr | Feuilleton
Zivilklage wegen Pfändung Achenbach prozessiert gegen Aldi-Familie

Am Montag ist der Kunstberater Helge Achenbach zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt steht er wieder vor Gericht – als Zeuge gegen die Aldi-Familie Albrecht, die er betrogen hatte. Mehr

17.03.2015, 17:22 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.02.2013, 15:54 Uhr

Saudi-Arabien könnte zu spät kommen

Von Rainer Hermann

Saudi-Arabien hat 2009 schon einmal in den jemenitischen Bürgerkrieg eingegriffen. Damals konnte die saudische Armee die Houthis noch zurückwerfen. Das wird jetzt deutlich schwieriger werden. Mehr 12 9