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Galerierundgang Salzburg Zeitlos, klassisch, gegenwärtig

Kunstsommer: Ohne die Galerien sind die Musik- und Theaterfestspiele in Salzburg gar nicht mehr vorstellbar. Ein Rundgang zwischen Marmorgehirnen, geometrischen Formen und Bildern des Hofmalers von Österreich, Italien und Siam.

© Salis & Vertes Salis & Vertes bieten für 48.000 Euro „Le violon rouge“ von Raoul Dufy an. Der Fauvist malte das 18,5 mal 23 Zentimeter große Aquarell 1949 auf Papier.

Im Mittelpunkt des Salzburger Kunstsommers stehen die Veranstaltungen zur Feier des dreißigjährigen Galerie-Jubiläums von Thaddaeus Ropac. Mit Spannung wird schon jetzt die Ausstellung mit Fotografien Robert Mapplethorpes erwartet, die erst Ende August eröffnet; denn es kuratiert der brillante französische Schauspielstar Isabelle Huppert. Doch zunächst einmal gab es die Uraufführung von Bildhauer Erwin Wurms erster „Wortskulptur“: Der von Burg-Direktor Matthias Hartmann inszenierte Dreipersonenauftritt sticht voll derber Bos- aber auch mancher Wahrheit ins Betriebssystem Kunst mit seinen Produzenten, Experten, Händlern und Sammlern - ein Insiderstück also, passgerecht für den Anlass.

Als Ropac vor dreißig Jahren kleine Räume in der Salzburger Altstadt eröffnete, sah das nicht unbedingt nach einem Erfolgsmodell aus. Man muss dem jungen, ortsfremden Mann im Nachhinein großen Mut für das Wagnis bescheinigen, in der konservativen und auf Musik ausgerichteten Stadt als Pionier internationaler zeitgenössischer Kunst anzutreten. Nach harten Anfangsjahren ging die Rechnung auf, Gästen der elitären Opernfestspiele Kunstwerke anzubieten, die sie hier nicht erwarteten.

Eigentlich wollte Ropac Künstler werden

Dass Ropac eigentlich Künstler werden wollte - Joseph Beuys war es, der ihn davon überzeugte, es lieber mit der Kunstvermittlung zu versuchen -, mag seine außerordentliche Passion für die Kunst begründen. Unvermindert strahlt er die auch heute aus, wo ihn als einen der Einflussreichsten der internationalen Szene ständig kalter Konkurrenzwind anweht. Fünfunddreißig Mitarbeiter halten vier Filialen in Salzburg und Paris am Laufen, wo er im Vorort Pantin 2012 Megahallen in einer alten Fabrik eröffnete.

25451209 © Ropac Vergrößern Basquiats Selbstporträt von 1983 gehört in Thaddaeus Ropacs Privatsammlung.

Die Jubiläums-Ausstellung in Salzburg führt beispielhaft zusammen, was die Galerie Ropac zu dem machte, was sie ist. Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Alex Katz, Gilbert & George, Antony Gormley stehen auf der lange Exponatenliste, in der Daniel Richter, Andreas Slominski oder Marc Brandenburg den Ausblick nach vorn öffnen; vieles stammt aus der Sammlung des Galeristen. Großartig ist das diabolische Selbstporträt von Jean-Michel Basquiat; als 1986 niemand das Bild wollte, erwarb Ropac es selbst für ein paar tausend Dollar. Der Basquiat-Boom setzte erst nach dem frühen Tod des Künstlers ein. Doch das Bild bleibt ebenso in Ropacs Privatsammlung wie Warhols imposante „Statue of Liberty“ oder subtile Zeichnungen von Beuys, seinem Leitstern. (Bis 28. August.)

Verkopftes bei Mario Mauroner

Der wohl einzige Galerist, der sich schon vor Ropac in Salzburg auf Gegenwartskunst spezialisierte, ist Mario Mauroner. Seine uralten Gewölbe in den Eingeweiden der fürstbischöflichen Residenz bespielt er in diesem Sommer mit dem Thema des menschlichens Kopfs. Arbeiten von sechzehn Malern, Bildhauern und Collagisten befassen sich mit dem Schädel als Kasten des Hirns und Sitz des Denkens - ein Faszinosum seit je. Jan Fabres schneeweiße Marmorgehirne, aus denen Pflanzen und Tiere sprießen, setzen das Phantastische mit dem Kreatürlichen ineins (je 99.000 Euro).

25451194 © Mario Mauroner Vergrößern Bernardi Roigs „FXM Head 1“ aus Polyesterharz und Marmorstaub, 2012: bei Mario Mauroner für 24.500 Euro

Jean Charles Blais hingegen kapitulierte vor dem Rätsel fremder Gedanken: Mit einer zwei Meter großen, tiefschwarz übermalten Kopfform schafft er das Bild einer undurchdringlichen Fassade (36.700 Euro). Von Antoni Tàpies stammt ein mächtiger Tonschädel, die Hülle eines großen Hirns vielleicht; doch umgedreht daliegend und des Unterkiefers beraubt wirkt er wie ein hilfloses archaisches Relikt (220.000 Euro). (Bis 10. September.)

Minimalistisches bei Ruzicska

Scharfkantig, geometrisch, klarfarbig, leuchtend - so empfangen die „Secondary Structures“ den Besucher bei Nikolaus Ruzicska. Den Titel schlug Liam Gillick in Anlehnung an „Primary Structures“ vor, die 1966 vom New Yorker Jewish Museum ausgerichtete Start-Schau des Minimalismus, dessen gegenwärtigen Stand bei Ruzicska vier Künstler aus drei Generationen vertreten. Der Senior, François Morellet, verstellt eine Raumecke mit deckenhohen X-en aus roten Leuchtstoffröhren; so verschränkt kreuzen sie einander, dass fast unmerklich das Raumgefühl des Betrachtenden ins Wanken gerät (Auflage 2/5; 175.000 Euro).

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