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Galerienrundgang Frankfurt : Die Flucht in den Augenblick

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Imi Knoebel bei Barbara Grässlin

Nur einige hundert Meter weiter nördlich führt Barbara Grässlin ihre internationale Galerie. In einer musealen Lagerhalle in der Schäfergasse zeigt sie ihren Hauskünstler Imi Knoebel und seine neue Serie „Lueb“. Die abstrakten Arbeiten bestehen aus ovalen Aluminiumplatten, die an Blätter oder Käfer erinnern. Mal sind die „Luebs“ zitronengelb, mal rot, dann weiß. Der Titel bezieht sich auf Knoebels im März gestorbenen Freund, den Soziologen und Juristen Klaus Lueb. Die neuen Arbeiten - Grässlin präsentiert auch drei Werke aus der aktuellen „Triller“-Reihe - offenbaren die verspielte Seite des sonst eher minimalistischen Künstlers. Einen roten Punkt trägt bereits das farbenfrohe „Gartenbild 2“, entstanden 2013, verkauft für 160000 Euro. Kleinere Werke sind ab 25000 Euro zu haben. (Bis zum 27. Juli.)

„Merry Company“ bei Wilma Tolksdorf

Im Osten der Stadt befindet sich die Galerie von Wilma Tolksdorf. Im zweiten Obergeschoss eines ehemaligen Fabrikgebäudes stellt sie Arbeiten der Städelschüler Buck Ellison und Henrik Olai Kaarstein aus. Beide studieren bei Willem de Rooij. Bei ihm entwickelte sich das Interesse für die niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters: „Merry Company“, so heißen ausgelassene Genreszenen, wie sie etwa Jan Steen schuf - und so lautet auch der Titel der Ausstellung. Was Ellison und Kaarstein mit ihren künstlerischen Wahlvorfahren des 17. Jahrhunderts verbindet, ist das Interesse fürs Alltägliche.

In seinen Fotos untersucht der 1987 in San Francisco geborene Ellison Medienbilder und Konsumverhalten. „Ethical Culture“ heißt ein Stillleben, das Tintenfische und Garnelen eisgekühlt an der Fischtheke des Berliner KaDeWe zeigt. Buck nahm das Bild kurz vor Ladenschluss auf - wenig später landeten die Meeresfrüchte im Müll. Der Norweger Kaarstein zeigt das Alltägliche nicht sichtbar auf der Oberfläche der Kunstwerke, sondern darunter. Für „Freedom to Drink, Whole Again“ hat er hinter einer bunt bemalten Schicht Krepppapier eine Kunstblume, Glasscherben und eine Gardinenstange verborgen. (Bis zum 27. Juli. Preise zwischen 1500 und 5500 Euro.)

Michel Klöfkorn bei Kai Middendorff

Zum Abschluss lohnt unbedingt ein Abstecher ans andere Ende der Stadt. In der Niddastraße, nahe beim Hauptbahnhof, lädt der Videokünstler Michel Klöfkorn in der Galerie von Kai Middendorff zum „Mississippi Barbecue“. Auch wenn der Titel der Schau rätselhaft bleibt, sind die Kurzfilme und Objekte des Frankfurters sehenswert. Im elf Minuten dauernden Film „N.N.“ aus dem Jahr 2009 erweckt Klöfkorn einen Taubenvergrämer mittels Stop-Motion-Technik zum Leben. Die spitzen Metallstäbe, die man von Mauervorsprüngen in Großstädten kennt, verwandeln sich in ameisenähnliche Wesen, die unaufhaltsam Glasscheiben zerlegen, Werbeplakate zerfressen und sogar bis nach Island vordringen. Die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen zeichneten Klöfkorn 2009 für dieses technisch beeindruckende Werk aus.

Im Zentrum der Ausstellung steht „Flüssiges Papier“. Für den vierminütigen Animationsfilm hat Michel Klöfkorn in sechs Ausstellungskataloge Formen hineingeschnitten: eine Hand, deren Finger sich öffnen und wieder schließen, eine schnatternde Gans, die umherwatschelt. Von Seite zu Seite variiert er das jeweilige Motiv, das nur als Negativform, als Leerstelle existiert. Jede Seite hat er abfotografiert, 24Bilder pro Sekunde zeigt der Film. Der Arbeitsaufwand, der für „Flüssiges Papier“ nötig war, wird beim Blättern durch die ebenfalls ausgestellten Bücher spürbar. Sie sind eigenständige Kunstwerke des Scherenschnitts, die man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. (Bis zum 31. August. Preise zwischen 300 und 9000 Euro.)

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