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„Duesseldorf Photo Weekend“ Und es hat klick gemacht!

 ·  Anlässlich des „Duesseldorf Photo Weekend“ stehen die Galerien und Museen der Stadt ganz im Zeichen der Fotografie. Gezeigt werden Werke altbekannter Stars wie Anton Corbijn und auch Neuentdeckungen, so zum Beispiel Modefotografien von Mark Menders.

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© Petra Rinck Sei nicht traurig, Frontmann: Anton Corbijn zeigt Ian Curtis in Manchester 1980

Gerade ist Düsseldorf wieder Schauplatz des „Duesseldorf Photo Weekend“. Die zweite Ausgabe des Festivals beschert den Düsseldorfern in diesem Jahr eine kaum zu bewältigende Fülle von Fotoschauen und Sonderveranstaltungen, die sich längst nicht nur in den fünfzehn teilnehmenden Galerien erleben lassen, sondern zunehmend auch in Instituten, alternativen Ausstellungsorten und Sammlerräumen. In diesem Jahr wieder dabei ist das NRW-Forum am Ehrenhof mit fotografischen Arbeiten vom Musiker Bryan Adams. Der Tunnelraum KIT am Rheinufer hat Anna Vogel ausgewählt, und die Galerie des Polnischen Institutes zeigt in der Karlstadt Fotos von Magda Wunsche und Kuba Dabrowski. Fotografie entdecken lässt sich auch im historischen Jacobi-Haus, in dem der altehrwürdige Künstlerverein Malkasten residiert. Der Sammler Wilhelm Schürmann hat dort im Rückgriff auf ein Zitat Martin Kippenbergers, „schade, dass nicht alle Fotografen große Klasse sind“, eine Auswahl aus der eigenen Kollektion zusammengestellt. Lohnen könnte sich aber auch ein Besuch an ungewöhnlicher Stelle: Beim Stromkonzern Eon, der an diesem Wochenende nach Voranmeldung einen Blick auf die hauseigene Sammlung erlaubt.

Unweit davon präsentiert das IKS, das „Institut für Kunstdokumentation und Fotografie“, im NRW-Forum gleich eine ganze Filmreihe mit Porträts von Fotografen, die ehemals im Haus ausgestellt haben - von Michel Comte bis Albert Watson. Angesichts des nahenden Endes des umtriebigen Fotomuseums in seiner bisherigen Form mag diese fulminante Rückschau durchaus wehmütig stimmen: Die Leiter des Hauses, Petra Wenzel und Werner Lippert, sehen nach der überraschenden Kürzung der finanziellen Unterstützung durch das Land zum Jahresende keine Basis mehr für ihre Arbeit.

Mit Verkehrsschild und Straßenlaterne

Und was zeigen die Galerien in der Stadt? In Flingern setzt die Konrad Fischer Galerie auf Fotoarbeiten dreier altgedienter Galeriekünstler unterschiedlicher Generationen. Wolfgang Laib, Richard Long und Gregor Schneider, die alle eins in Düsseldorf vereint: Sie waren in „Indien“. Ihre Arbeiten stehen in Zusammenhang mit Projekten vor Ort. Wolfgang Laib, der momentan mit der größten Blütenstaubbfläche, die er je schuf, im New Yorker MoMa zu sehen ist, hält sich in Düsseldorf zurück: Seine Schwarzweißfotografien von Hinduschreinen und abstrahierten, archaisch anmutenden Gefäßformen, die er auf Reis gebettet hat, strahlen Ruhe und Besonnenheit aus. Gregor Schneiders Fotos beziehen sich auf sein spektakuläres, im indischen Kolkata realisierte Projekt „It’s All Rheydt, Kolkata“.

Für die von der Documenta-Leiterin Christov-Bakargiev im vergangenen Jahr unter großem öffentlichen Aufsehen boykottierte Arbeit hat Schneider die Unterheydener Straße in seinem Heimatort Mönchengladbach, die Straße, in der sich auch das von ihm umgestaltete, ehemalige Elternhaus „Haus UR“ befindet, in Originalgröße nachgebaut. Nichts hat er ausgelassen: Mit Verkehrsschild und Straßenlaterne wurde der dreißig Meter lange Straßenzug anschließend in die Vertikale gekippt. Alle Bestandteile der aus lokalen Materialien wie Bambus, Lehm und Kokkusseilen gefertigten Skulptur wurden nach Abbau des Projektes als Opfergabe zum größten Hindufest in den nahen Fluss geworfen und am Ende des Festes zehn Tage später wieder herausgefischt. Nun lassen sie sich in ihrer bizarren Formgebung auch in der Galerie bewundern.

Ein ungewöhnliches Treffen

Richard Long ist mit Teilen seiner in Indien aus leichtem Sperrholz geschaffenen Bodenskulptur „Paths“ vertreten. Zuletzt wurde die komplette Arbeit vor zehn Jahren im Düsseldorfer Museum Kunstpalast gezeigt; eine wie der Künstler es formuliert, „unaufdringliche Arbeit“. Dazu gibt es fotografische Dokumente der vergänglichen Eingriffe: die Spur eines Besens; Gewürze, die in den Fluss gestreut wurden, oder einen Halbkreis aus Asche (Preise auf Anfrage). (Bis 9. März.)

Ebenfalls in Flingern hat Petra Rinck ein ungewöhnliches Treffen arrangiert: Der niederländische Fotostar Anton Corbijn trifft den Düsseldorfer Künstler Ralf Brög. Anton Corbijn hat mit Musiker-Porträts etwa von Joy Division-Frontmann Ian Curtis, Blixa Bargeld oder Tom Waits Ikonen geschaffen, die nun auch bei seinem Düsseldorfer Galeriegastspiel zu sehen sind. Sie werden den konzeptuellen Fotografien von Ralf Brög gegenübergestellt, die sich, etwa in der stark vergrößerten und digital bearbeiteten Darstellung einer Schallplatte, ebenfalls auf Musik beziehen. Während Corbijns Ästhetik ganz durch klassisch fotografische Verfahrensweisen geprägt wird, kombiniert Brög für seine Serie „Zero RPM Records“ digitale und analoge Techniken (Preise 2900 Euro bis 22 500 Euro). (Bis 23. Februar.)

Legostein-Arrangements

Die Galerie Van Horn wartet ein paar Schritte weiter mit einer echten Entdeckung auf: Jahrzehntelang arbeitete der 1933 in München geborene Autodidakt Mark Mender als erfolgreicher Modefotograf; den Sprung in die Kunst schaffte er jedoch nie. Dies mag sich nun ändern, nachdem Galeristin Daniela Steinfeld auf seine Arbeit aufmerksam wurde. Sie zeigt eine Auswahl seiner Fotos mit dem typischen Charme der sechziger und siebziger Jahre: Weitwinkel, gekippte Linien, psychedelische Farbgebung und Models im Twiggy-Look (Auflage je 10, Vintage Prints kosten 3000 Euro, Neuabzüge 2500 Euro). (Bis Mitte Februar.)

Von hier aus lohnt sich ein Taxi ins Stadtzentrum: Auf der Citadellstraße in der Karlstadt zeigt Horst Schuler konzeptuelle Fotografien des 1966 in Essen geborenen, heute in Hamburg lebenden Künstlers Egbert Haneke. Seine neuen Fotoarbeiten zeigen streng geometrische Arrangements von Legosteinen, perfekt ausgeleuchtet und im Studio fotografiert. Sie folgen ihren eigenen, kryptischen Rhythmen, die der Betrachter geneigt ist, lesen zu wollen. Wer hat diese Arrangements geschaffen? Es könnten Außerirdische sein, deren Logik sich dem menschlichem Verstand entzieht oder ein Komponist, der hier ein seltsames Notat ungehörter Klänge festhält. Die scheinbare Objektivität der in farbsattem Dye-Transfer-Verfahren produzierten Aufnahmen zeigt der Künstler zusammen mit Ansichten scheinbar organischen Materials. Ein amorpher Körper schwebt im Raum; flüssige Masse schwappt auf einen Löffel, auf dem Foto eingefroren im Augenblick (Preise auf Anfrage). (Bis 16. März.)

Beck & Eggeling zeigen erstmals eine Ausstellung des 1975 in Arnsberg geborenen, in Köln lebenden Fotografen Tobias Grewe mit neuen abstrakten Arbeiten aus seiner Serie „Colourfields“. Was zunächst wirkt wie Op-Art, hat seinen Ursprung in architektonischen Details, die der Fotograf an Orten wie Köln, Peking, New York oder Seoul findet und allein anhand klassisch fotografischer Techniken wie der Wahl extremer Blickwinkel, Anschnitte oder unterschiedlicher Belichtungszeiten als abstrakte Strukturen inszeniert. „Ich möchte, dass der Betrachter nicht mehr erkennt, ob es sich bei dem, was er sieht, um ein Gemälde, eine Bleistiftzeichnung oder eine Fotografie handelt“, sagt Grewe (Preise von 580 Euro bis 7000 Euro) (Bis 23. Februar).

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