Home
http://www.faz.net/-gz1-7694i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

„Duesseldorf Photo Weekend“ Und es hat klick gemacht!

Anlässlich des „Duesseldorf Photo Weekend“ stehen die Galerien und Museen der Stadt ganz im Zeichen der Fotografie. Gezeigt werden Werke altbekannter Stars wie Anton Corbijn und auch Neuentdeckungen, so zum Beispiel Modefotografien von Mark Menders.

© Petra Rinck Vergrößern Sei nicht traurig, Frontmann: Anton Corbijn zeigt Ian Curtis in Manchester 1980

Gerade ist Düsseldorf wieder Schauplatz des „Duesseldorf Photo Weekend“. Die zweite Ausgabe des Festivals beschert den Düsseldorfern in diesem Jahr eine kaum zu bewältigende Fülle von Fotoschauen und Sonderveranstaltungen, die sich längst nicht nur in den fünfzehn teilnehmenden Galerien erleben lassen, sondern zunehmend auch in Instituten, alternativen Ausstellungsorten und Sammlerräumen. In diesem Jahr wieder dabei ist das NRW-Forum am Ehrenhof mit fotografischen Arbeiten vom Musiker Bryan Adams. Der Tunnelraum KIT am Rheinufer hat Anna Vogel ausgewählt, und die Galerie des Polnischen Institutes zeigt in der Karlstadt Fotos von Magda Wunsche und Kuba Dabrowski. Fotografie entdecken lässt sich auch im historischen Jacobi-Haus, in dem der altehrwürdige Künstlerverein Malkasten residiert. Der Sammler Wilhelm Schürmann hat dort im Rückgriff auf ein Zitat Martin Kippenbergers, „schade, dass nicht alle Fotografen große Klasse sind“, eine Auswahl aus der eigenen Kollektion zusammengestellt. Lohnen könnte sich aber auch ein Besuch an ungewöhnlicher Stelle: Beim Stromkonzern Eon, der an diesem Wochenende nach Voranmeldung einen Blick auf die hauseigene Sammlung erlaubt.

Unweit davon präsentiert das IKS, das „Institut für Kunstdokumentation und Fotografie“, im NRW-Forum gleich eine ganze Filmreihe mit Porträts von Fotografen, die ehemals im Haus ausgestellt haben - von Michel Comte bis Albert Watson. Angesichts des nahenden Endes des umtriebigen Fotomuseums in seiner bisherigen Form mag diese fulminante Rückschau durchaus wehmütig stimmen: Die Leiter des Hauses, Petra Wenzel und Werner Lippert, sehen nach der überraschenden Kürzung der finanziellen Unterstützung durch das Land zum Jahresende keine Basis mehr für ihre Arbeit.

Mit Verkehrsschild und Straßenlaterne

Und was zeigen die Galerien in der Stadt? In Flingern setzt die Konrad Fischer Galerie auf Fotoarbeiten dreier altgedienter Galeriekünstler unterschiedlicher Generationen. Wolfgang Laib, Richard Long und Gregor Schneider, die alle eins in Düsseldorf vereint: Sie waren in „Indien“. Ihre Arbeiten stehen in Zusammenhang mit Projekten vor Ort. Wolfgang Laib, der momentan mit der größten Blütenstaubbfläche, die er je schuf, im New Yorker MoMa zu sehen ist, hält sich in Düsseldorf zurück: Seine Schwarzweißfotografien von Hinduschreinen und abstrahierten, archaisch anmutenden Gefäßformen, die er auf Reis gebettet hat, strahlen Ruhe und Besonnenheit aus. Gregor Schneiders Fotos beziehen sich auf sein spektakuläres, im indischen Kolkata realisierte Projekt „It’s All Rheydt, Kolkata“.

23081863 © TZR Galerie Kai Brückner Vergrößern Eigenwillig modisch zeigt Jasper de Beijer seinen Glatzköpfigen aus der Serie ‚Marabunta‘ von 2012 in der TZR Galerie

Für die von der Documenta-Leiterin Christov-Bakargiev im vergangenen Jahr unter großem öffentlichen Aufsehen boykottierte Arbeit hat Schneider die Unterheydener Straße in seinem Heimatort Mönchengladbach, die Straße, in der sich auch das von ihm umgestaltete, ehemalige Elternhaus „Haus UR“ befindet, in Originalgröße nachgebaut. Nichts hat er ausgelassen: Mit Verkehrsschild und Straßenlaterne wurde der dreißig Meter lange Straßenzug anschließend in die Vertikale gekippt. Alle Bestandteile der aus lokalen Materialien wie Bambus, Lehm und Kokkusseilen gefertigten Skulptur wurden nach Abbau des Projektes als Opfergabe zum größten Hindufest in den nahen Fluss geworfen und am Ende des Festes zehn Tage später wieder herausgefischt. Nun lassen sie sich in ihrer bizarren Formgebung auch in der Galerie bewundern.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Andreas Gursky wird sechzig Die Manipulation der Welt

Er macht die Historienbilder unserer Zeit. Mit seiner Arbeit Montparnasse legte er eines der wichtigsten Werke der neuen Fotografiegeschichte vor. Dem Fotografen Andreas Gursky zum Sechzigsten. Mehr Von Niklas Maak

15.01.2015, 06:18 Uhr | Feuilleton
Düsseldorf Mehrjährige Haftstrafen für Düsseldorfer Zelle

Das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat am Donnerstag sein Urteil im Al-Quaida-Prozess gesprochen. Die vier Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb und neun Jahren verurteilt. Mehr

13.11.2014, 18:00 Uhr | Politik
Foto-Ausstellung in Frankfurt Warum bist du nicht vergast worden?

Der Frankfurter Fotograf Rafael Herlich hat in Polen jüdische Familien besucht, entstanden sind Bilder der Trauer und der Hoffnung. Sie werfen aber auch die Frage auf, wie sicher Juden in Deutschland sind. Mehr Von Hans Riebsamen, Frankfurt

23.01.2015, 16:00 Uhr | Rhein-Main
Rothaarig und sexy

Karottenkopf, Feuermelder, Rost auf dem Dach - Sprüche wie diese hören Menschen mit kupferfarbener Mähne oft. Ein britischer Fotograf will mit seiner Ausstellung Red Hot in New York zeigen, wie heiß rothaarige Männer sein können. Mehr

04.09.2014, 17:00 Uhr | Feuilleton
Männermode in Mailand Understatement im Schlamperlook

Bottega Veneta mag es locker, Versace geschäftsmäßig, Prada schwarz und Gucci feminin – Eindrücke von der Mailänder Männermode-Woche. Mehr Von Markus Ebner, Mailand

19.01.2015, 15:59 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.02.2013, 19:22 Uhr

Jetzt muss sich Tsipras beweisen

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Für Tsipras und seine Koalitionstruppe schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. Alles zuvor waren Versprechungen. Mit anderen Worten: Jetzt beginnt die Phase der Wählerenttäuschungen. Mehr 5 8