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Christoph Brech in München : Tonlage

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Direkter lässt sich Musik kaum in bildende Kunst umsetzen: Der Künstler Christoph Brech folgt bei Walter Storms in München den Spuren von Musikerhänden.

          Auf dem Screen herrscht Nachtschwärze. Musik erklingt, und mit ihr ziehen feine Lichtlinien durchs Dunkel; sie fließen hin und her, steigen hoch und fallen ab, schwingen in wechselnden Rhythmen und Tempi. Immer neue Kurvaturen legen über langsam verglühenden Vorgängern eine sich fortlaufend verändernde Zeichnung von insgesamt fünfzehn Minuten und achtundzwanzig Sekunden Dauer.

          Sofort ist klar, dass wer da zeichnet nicht beabsichtigt, wie Picasso mit der Taschenlampe in Blitzesschnelle einen Zentaur oder ein anderes abbildendes Luminogramm zu schaffen. Aber es dauert einen Moment bis zur Erkenntnis, dass es die Handbewegungen des Orchesterleiters sind, der das Rondo Finale aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr. V dirigiert. Genau gesagt ist es Mariss Jansons bei der Arbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

          Der Video- und Fotokünstler Christoph Brech befestigte Leuchtdioden an Jansons' Händen und stellte mit einem speziellen Computerprogramm die Lichtlinien in dunklem Grund frei. So gelingt Brech das Kunststück, Musik unmittelbar ins Bild zu übertragen. In diesem Pas des deux der Hände zeigt die Lichtspur der taktangebenden Rechten straffere Schlagfiguren, während die Linke ihren Spielraum mit freierer Choreographie füllt.

          Walter Storms in München präsentiert neben „Nr.V/cis-Moll“ auch Stills daraus. Die ähneln dichten gestischen Zeichnungen des abstrakten Expressionismus; dass sie aber tatsächlich Momente größter Präzisionsarbeit mit vielen Komponenten bannen, hält die gestoppte Zeitangabe in den Titeln fest. Musik hat im Werk von Brech einen hohen Stellenwert. Davon kann man sich derzeit auch im Museum Villa Stuck in München überzeugen, das Christoph Brech (Jahrgang 1964) eine umfassende Einzelausstellung widmet.

          In den historischen Räumen des Malerfürsten installierte Brech seine Filme, die durch Verharren und Schauen aus realen Situationen ein Maximum an sinnlichem Ereignis holen. In Stucks Atelier etwa, dem Entstehungsort von Kunst, läuft das wandfüllende Porträt eines Streicherquartetts. Vier Kameras filmten je einen Musiker bei der Probe. Durch Überblendungen vollzieht das Bild, was auch akustisch im Zusammenklang der Musik geschieht.

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