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Buchkritik Wat du bis, Conny, dat is ne jute Galerist

15.08.2008 ·  Gleich zweimal großartige Erinnerungen an den Klar-denker Konrad Fischer zum Nachlesen: Eine Biographie versammelt Stimmen seiner Anhänger. Ein Band dokumentiert seine Ausstellungen.

Von Brita Sachs
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„Blumen für Konrad“ schrieb Thomas Schütte auf die morbid schöne Blütenserie, die er nach dem Tod von Konrad Fischer (1939 bis 1996) aquarellierte. Auch modellierte er später den Kopf des Freundes nach Zeichnungen, die er am Totenbett angelegt hatte - im „Versuch zu verstehen“. Anschließend, so erinnert sich Schütte, sei er die zwei Stunden zu Fuß nach Hause gelaufen, um sich wieder zu fassen. Viele der Künstler, die Fischer vertrat, beklagten weit mehr als den Verlust ihres Galeristen, für Schütte spielte er eine Rolle „zwischen Lehrer und Vater“, so erzählt er in einem Interview mit Brigitte Kölle; Carl Andre gesteht ihr, sein Leben als Künstler wäre ohne Fischer wohl früh vorbei gewesen, und Alan Charlton bekennt sich zu bangem Schuljungengefühl während jedes Ausstellungsaufbaus und des vollkommenen Glücks, wenn Fischer, knapp wie immer, sagte: „Sieht gut aus, Alan.“

Zu lesen sind diese und viele Erinnerungen mehr in einem Buch, das Brigitte Kölle aus Gesprächen zusammenstellte, die sie im Rahmen ihrer Dissertation über Konrad Fischer mit Künstlern, Kuratoren, Händlern und anderen Bewunderern führte; auch die wenigen Interviews, die Fischer gab, fügte sie hinzu. Viele „Blumen“ für Konrad Fischer bündelt dieses Buch, das zum vierzigjährigen Jubiläum der Galerie erschien. Diese heute von Dorothee Fischer geleitete Institution nahm dasselbe Datum zum Anlass für einen Nachfolgeband des Katalogs, der seinerzeit zum 25. Geburtstag die Ausstellungstätigkeit resümierte. Seine Fortsetzung nun illustriert in Bild und Text, wie konsequent man das mit einigen Neuzugängen bereicherte Programm weiterführt.

Er holte die Kunst von der Wand

Die beiden Bücher ergänzen sich zu einer großartigen Hommage an einen legendären Kunstagenten - er selbst mied die etablierte Berufsbezeichnung „Galerist“, und die „Ausstellungen bei Konrad Fischer“ heißen erst seit seinem Tod „Konrad Fischer Galerie“. Wie aus dem Pop-Art-Maler Konrad Lueg, der wie seine Kumpane Gerhard Richter und Sigmar Polke zunächst von Hilfsjobs lebte und mit ihnen nach Ausstellungsmöglichkeiten suchte, ein Kunstvermittler wurde, weil der Kunsthändler Alfred Schmela ihm sagte: „Wat du bis, Conny, dat is ne jute Galerist“, das erzählen einstige Weggefährten. Auch wie der Exkünstler unter geändertem Namen 1967 seinen ersten, als „Tunnel“ berühmt gewordenen Raum an der Düsseldorfer Neubrückstraße eröffnete und zwar mit Kunst, die zunächst keiner wahrnahm, weil sie nicht an der Wand hing.

Neue Bücher zu Konrad Fischer: Wat du bis, Conny, dat is ne jute Galerist

Kasper König, der ihn später auch mit Bruce Nauman zusammenbrachte, hatte Fischer auf Carl Andre aufmerksam gemacht. Aber der Transport von Werken aus Amerika war viel zu teuer, also bekam Andre ein Flugticket geschickt und schuf seine Bodenarbeit aus Platten vor Ort. Ein Prinzip, bei dem Fischer blieb, weil es sich ungemein bewährte. Konrad Fischer war der Mann, der Entscheidendes dazu beitrug, die Minimal-Art und ihre Ableger wie Konzept-Kunst, Land- und Process-Art durchzusetzen. Er holte noch gänzlich unbekannte Amerikaner nach Europa, Sol LeWitt zum Beispiel, Dan Flavin, Donald Judd, Artschwager oder Laurence Weiner; sie alle wohnten bei ihm und seiner Familie, weil ihm der persönliche Kontakt essentiell war. Und alle wurden sie in die Düsseldorfer Szene mitgenommen, weil Fischer seine Hauptaufgabe darin sah, gute Künstler aus der Fremde zu holen und mit seiner einheimischen Garde zu konfrontieren - Hanne Darboven, Blinky Palermo, Bernd und Hilla Becher, Isa Genzken, um nur einige seiner Entdeckungen anzuführen.

Ein Gastspiel in der Düsseldorfer Kunsthalle

Mit solcherart angeschobenen Dialogen und Befruchtungsprozessen wirkte der extrem gut vernetzte Fischer auf das progressive Kunstklima der siebziger Jahre wie nur wenige. Alle Befragten hatten größten Respekt vor dem, was Gerhard Richter Fischers „einmalige Urteilsfähigkeit“ nennt, er habe wie kein anderer „sehen“ können, unabhängig und unbestechlich. Weil er mit Experimenten arbeitete, die jedem Museum weit voraus waren, gab man ihm bereitwillig die Düsseldorfer Kunsthalle für seine Avantgarde-Ausstellungsreihe „Prospecte“ und ließ ihn sogar an der documenta 5 mitarbeiten.

Fischer dachte nicht kommerziell: Ein Verkaufsgespräch, das ist vielfach überliefert, bestand mit Mühe und Not darin, dass er einen Preis nannte. Dass er trotzdem viel verkaufte, verdankte er Graf Panza und anderen Großsammlern, die Vertrauen zu ihm entwickelten. Wer nur einen Bleistift, Papier und seinen „okey dokey“-Stempel - ein Geschenk Sol LeWitts - auf dem Schreibtisch braucht, ist ein Klardenker. Als die Malerei der „Neuen Wilden“ Furore machte, zog Fischer nicht mit, er blieb, auch bei figurativen Ansätzen, seiner konzeptuellen Linie treu; im Moment zeigt die Konrad Fischer Galerie Werke von Carl Andre.

„Okey dokey Konrad Fischer“. Hrsg. von Brigitte Kölle. Verlag Walter König, Köln 2007, 308 Seiten. 48 Euro.

„Ausstellungen bei Konrad Fischer. Konrad Fischer Galerie 1992-2007“. navado press, Triest 2007, mit einem Vorwort von Rudi Fuchs. 215 Seiten. 24,80 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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