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Ausstellung bei Ropac in Paris : Die Schrecken des Endes

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In seinen riesigen Räumen im Pariser Vorort Pantin hat Thaddaeus Ropac fast dreißig Künstler ihre Visionen des Untergangs realisieren lassen. „Disaster - The End of Days“ vermisst die Dimensionen der Katastrophe.

          Es gibt Werke, die für die üblichen Dimensionen einer Galerie einfach zu groß sind. Und es gibt Projekte, die ohne geeigneten Raum erst gar nicht gedacht werden können. Schon die Eröffnungsausstellung im vergangenen Herbst mit immensen Werken - Anselm Kiefers „Die Ungeborenen“ und ein lebendiges Pferd für Joseph Beuys’ „Iphigenie“ von 1969 - hätte in Thaddaeus Ropacs Stamm-Galerie mitten im Pariser Marais-Viertel nie realisiert werden können: Sie wurde eigens auf die neuen weitläufigen Räume der ehemaligen Kesselfabrik im Pariser Vorort Pantin zugeschnitten.

          Jetzt, für die zweite Ausstellung dort, sind es fast dreißig Künstler, die auf 2000 Quadratmetern mit ihren Werken ein enormes Thema reflektieren: „Disaster - The End of Days“ räumt noch die letzten Zweifel aus, welche Galerie derzeit die spannendste in Paris ist. Zu Ropac pilgert man am Samstag auch mit dem Kinderwagen bis in diese recht unwirtliche und verkehrstechnisch schlecht angebundene Industriezone. Zum Glück gibt es Parkplätze im Hof und demnächst sogar ein Café.

          Schon immer half die Kunst, menschliche Endzeitängste und Weltkatastrophen visuell und plastisch zu bezwingen. Mythische oder religiöse Stoffe, von Götterstrafe über Sintflut bis zur Verdammnis, wurden im 20. Jahrhundert von einer politischen, dann auch ökologischen Sicht auf die Katastrophe ergänzt. Die Ausstellung bei Ropac wird von Künstlern aus verschiedenen Weltgegenden bestritten. Die meisten von ihnen vertritt die Galerie schon seit Jahren, andere beteiligen sich als Gäste.

          Fast unerträglich anzuschauen ist das intime Desaster der beiden Onyxmarmor-Büsten „Envy/Purity“ des amerikanischen Bildhauers Barry X Ball, der zu den eingeladenen Künstlern gehört. Psychische Zerstörung frisst sich mit den für das Material natürlichen Kerbungen und Hohlräumen in diese hieratischen, von züngelnden Schlangen bedrohten oder ganz verhüllten Köpfe hinein.

          Die Katastrophe in ihrer historischen Dimension nimmt ein breites Spektrum ein. Georg Baselitz, der wie Anselm Kiefer in Frankreich von Ropac vertreten wird, zeigt mit seinem „Remixtyp“ einen wahnwitzigen, im Pinselstrich zerrütteten Hitler in kalten Farben, während von Kiefer eine übermalte Fotografie mit Hitlergruß von 1970 zu sehen ist aus dem Zyklus „Heroische Sinnbilder“. Noch nie zuvor öffentlich gezeigt wurden die Fotografien „In time for war“ von 1969 des israelischen Filmemachers Amos Gitai: erschütternd der Ausdruck eines jungen Soldaten mit Zigarette im Mundwinkel, ein Auge an der Linse seines Maschinengewehrs; das andere Auge, als würde es wegschauen, scheint in eine erhoffte oder auch schon verlorene Welt zu blicken.

          Der Maler Yan Pei Ming, für den die Galerie in ihren Räumen im Marais im Herbst eine Einzelausstellung plant, bearbeitet mit dem Gemälde „Gadafi’s Corpse - Oktober 20th, 2011“ die jüngste Geschichte. Der halbnackte, zerkratzte, im verkohlten Grauweiß erloschene Körper des Diktators erscheint wie ein aschfarbener Bindestrich zwischen zwei Katastrophen: der gerade vergangenen und der, die noch bevorsteht. Das „Floß der Medusa“, nach Géricaults berühmtem Gemälde im Louvre, vom 2005 gestorbenen Philippe Bradshaw konnte wegen seiner außergewöhnlichen Dimensionen bisher noch nie ausgestellt werden. Nun bietet sich endlich die Gelegenheit, das schillernde, aus kleinen gefärbten Kettengliedern gefertigte Werk des britischen Künstlers zu zeigen.

          Die biblische Dimension der Katastrophe symbolisieren „Die Verdammten“ von Liza Lou, die in Los Angeles und Südafrika lebt, zwei große, goldgleißende Figuren, mit Tausenden Perlen bestickt - Adam und Eva, die ihre menschliche, dem Tod geweihte Kondition erkennen und ins Verderben gehen. Das mythologische Desaster ist mit Jack Piersons Installation „Icarus“ vertreten, Leuchtbuchstaben, die vom Himmel stürzen und zerschellen. Ist da noch Hoffnung in der Welt?

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