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Aktuelle Kunst : Wände aus Dampf

  • -Aktualisiert am

Starre Formen sind Luka Fineisens Sache nicht. In München zeigt die Galerie K4 jetzt neue Werke der Künstlerin.

          Es sieht fast ein bisschen eklig aus, was da von der Decke kommt: Wie zäher, glasiger Schleim quillt es hinter der Lichtleiste hervor, zieht sich abwärts und bildet eine Lache am Boden. Dass einer der „Schleimfinger“ irgendetwas Dunkles einschließt, macht das Ganze noch undefinierbarer. In der Arbeit „Suprafluid“, die Luka Fineisen in der Galerie K4 in München zeigt, gelingt ihr der Eindruck einer trägen, sich selbst und dem Raum überlassenen Schlabbermasse ganz einfach durch geknautschte Klarsichtfolien, die farbloses Klebeband in der gewünschten Form hält.

          Im Lederportemonnaie hingegen ist der Inhalt explodiert, dickes „Quellgold“ ist ausgelaufen und hat auch noch die Glasvitrine besudelt. Die 1974 geborene Künstlerin nennt sich „Bildhauerin“ und treibt dieses Fach ins Extrem, indem sie Flüchtiges und Flüssiges als Werkstoff - oder Wirkung - mindestens ebenso interessiert wie feste Materialien. So lud sie in der Düsseldorfer Kunstakademie zum Diner im „Pumpensumpf“, einem Brei, der zentimeterhoch im Saal stand und gelegentlich blubberte, und zu ihrem ersten Auftritt bei K4 vor drei Jahren überraschte Luka Fineisen mit einer Schauminstallation vor dem Schaufenster, einem Seifenblasengebilde, das sich, mit Hilfe einer Apparatur, stetig sanft wabernd erneuerte.

          Der Zufall spielt mit

          Honig, Buttermilch, diverse Flüssigkunststoffe, Wasser, Dunst, Eis und viele mehr führt Luka Fineisens Materialliste, und obgleich sie viel von Balance spricht, ist ihre starke Lust spürbar, sich ab einem gewissen Moment vom Eigenleben eines Werks überraschen zu lassen. Warum sonst mit Aggregatzuständen arbeiten, die den Zufall ins Spiel bringen? Warum Wände aus Dampf errichten, die der Wind bewegt?

          Es wundert weiter nicht, dass Luka Fineisen den Augenblick spannend findet, in dem eine Anordnung ins Unkontrollierte kippt. Als das Kunstmuseum Stuttgart sie einlud, in der Ausstellungsreihe „Frischzelle“ einen schwierigen Treppenraum zu bespielen, träumte sie vom Aufweichen und langsamen Einsacken einer fordernden Wand, von flächendeckendem, schallschluckendem Schimmelbewuchs oder vom Einschmelzen der Treppe. Weil aber das Prozesshafte so, wie sie es gern weitertriebe, in Ausstellungssituationen technisch nicht machbar und gefährlich ist, ließ sie eine gewaltige „Flutung“ aus Zellophan den Raum wie eine Schneewehe einnehmen.

          Und sie baut kleine Modelle, in denen ungehindert Honig in die Eingangshalle strömen oder Hefeteig aus allen Fenstern nach außen quellen darf. Ganze Häuser schmilzt sie auf diese Weise an: Weich sacken kleine goldfarbene Immobilien in sich zusammen - und das lässt sich ruhig als Metapher auf das aktuelle Zeitgeschehen verstehen. Die ausgestellten Arbeiten kosten zwischen 250 und 3300 Euro. Der Preis für „Suprafluid“ richtet sich nach Größe und ortsspezifischen Gegebenheiten.

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