09.08.2008 · Sie halten die Stellung in Düsseldorf: Ein Rundgang durch die Galerien von der Altstadt bis nach Bilk.
Von Thomas W. KuhnGelassen und selbstbewusst zeigen sich die Düsseldorfer Galerien zur Jahresmitte, nachdem im Februar die Absage der Kunstmesse dc duesseldorf contemporary die Stimmung eingetrübt hatte. Bei einem Treffen mit Vertretern der Galerienszene im Juni gelang dem neuen Leiter der Art Cologne, Daniel Hug, im Zuge einer avisierten Kooperation mit den Kölner Kollegen ein Stimmungsumschwung, deren sichtbarstes Zeichen die Berufung des Düsseldorfers Hans Mayer für den Beirat der Art Cologne ist. Das notorische Fremdeln beider Kunststädte scheint der Hoffnung gewichen, gemeinsam dem Sog Berlins Paroli bieten zu können.
Bis zum abgestimmten Saisonstart der Kölner Galerien am 30. August und der Düsseldorfer Galerien am 5. September halten auch in der Landeshauptstadt einige Galerien mit über den Sommer laufenden Ausstellungen das Publikum bei Laune. Guter Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Altstadt bis nach Bilk ist die Kunstakademie. In unmittelbarer Nähe präsentiert Wolfgang Gmyrek Malerei und Skulpturen von Peter Bömmels. Der Mitbegründer der Künstlervereinigung "Mülheimer Freiheit" und der Musikzeitschrift "Spex" entwirft eine Welt versponnener, emblematischer Motive, freundlicher Farben und schwieriger erotischer Beziehungsgeflechte. So droht ein Liebespaar auf dem Gemälde "Männlicher Irrtum" (13.000 Euro) aus dem Jahr 2007 von einem um sie herum gespannten Gummiband hochkatapultiert zu werden.
Verhaltene Ausnahmezustände
Auf dem Bild "Von der notwendigen Erwärmung des Winkels" (15.000 Euro), ebenfalls von 2007, schwebt ein am Galgen aufgehängter Winkel über einem betrübt blickenden Mann, aufgefunden von einer Wünschelrutengängerin. Begleitet werden die Bilder von Bronzebüsten (Auflage 7, je 12.000 Euro), Tuschezeichnungen (je 2600 Euro) und Pastellen (je 3800 Euro). (Bis 30. August.) Gleich ums Eck lädt die Galerie Bernd A. Lausberg zu einer Begegnung mit neuen Arbeiten von Jürgen Paas ein, der Ende der achtziger Jahre durch Buchobjekte bekannt wurde.
Im Zentrum stehen zwei ausladende Installationen, "Jeu de Couleur" und "Cercles Couleur/Helix" in der Formensprache der konkreten Kunst. In beiden Fällen bilden auf die Wand gemalte, bunte Kreise - hier verteilt, dort zentriert - den Fond seiner Objekte, entweder aufgereihte quadratische Tafeln oder aufgerollte PVC-Bänder auf Metallstäben. Begleitet werden die Installationen von der Bildserie "POP" von 2008 mit gemalten oder aus Folien geklebten Kreisen und Kreissegmenten (Preise von 650 Euro an, Installationen 39 500 Euro; in kleinerer Fassung 2950 Euro.)
Ein Ziegenbock lässt grüßen
Weiter in südlicher Richtung lohnt ein Abstecher zu Remmert & Barth auf der Mühlenstraße, die ihr Programm mit Schwerpunkt auf Malerei und Graphik der zwanziger Jahre vorstellen. Dort, wo einst Udo Kittelmann als Mitarbeiter der Galerie Einblicke in die Kunstwelt erhielt, lässt sich in dichter Hängung ein feuriger Berg von Christian Rohlfs aus dem Jahr 1911 (12.000 Euro) neben einem Porträt von Lorenz Nierendorf, 1923 von Otto Dix gemalt (56.000 Euro), entdecken. Über dem Empfang grinst ein Ziegenbock von Wilhelm Rudolph (1200 Euro), um 1920, frech. Georg Baumgartens Gemälde "Der Hohn" von 1923 fand bereits als Stiftung seinen Weg ins Germanische Nationalmuseum nach Nürnberg. Der kleine Katalog zur Ausstellung kostet drei Euro.
Entlang der Rheinuferpromenade erreicht man, am Südrand der Altstadt gelegen, die Galerie von Horst Schuler. Er zeigt erstmals den Karlsruher Akademieabsolventen Ben Öztat. Die vom Künstler Andreas Karl Schulze kuratierte Ausstellung "Viel/Leicht" versteht sich als Installation von 27 skulpturalen und bildhaften Einzelobjekten mit betont improvisiertem Charakter: Holzleisten werden mit Kabelbindern zur Kugel verknüpft, auf denen noch der Barcode vom Baumarkt klebt.
Ein Debüt mit hölzernen Konstruktionen
Einige runde Scheiben wirken wie Reststücke vom Holzzuschnitt. An anderer Stelle hängt eine Skulptur aus aufgespanntem Stoff von einer durch das Gewicht gebogenen Leiste, die an einem Ende auf einem Nagel und am anderen Ende auf dem Türrahmen lagert. Eine Reihe kleiner monochromer Gemälde sind am Boden abgestellt, als ob sie darauf warteten, aufgehängt zu werden, ein einzelnes Bild im Nebenraum zeigt nur seine Rückseite. (Die Preise liegen zwischen 700 Euro für die Gemälde und 4000 Euro für die Objekte.)
Vorbei am Stadtmuseum und K 21 gelangt man zum Galeriezentrum auf der Kronprinzenstraße. Ursula Walbröl zeigt dort Gemälde von Julia Schmid in der Ausstellung "Floratop". Die Hannoveranerin dokumentiert akribisch Pflanzen in ihrer persönlichen Umgebung. Auf einer Landkarte markiert sie präzise den Ort, wo ihr Motiv herstammt: ein kleiner Schrebergarten in Hannover, ein Spaziergang um einen Block in New York oder tote Tiere aus dem Atelier der Künstlerin. Ihr Augenmerk liegt auf Unkräutern, die vergrößert und in intensiver Farbigkeit ohne räumliche Beziehung gemalt sind. (Preise von 1500 Euro bis 10.000 Euro.) Ungewöhnlich für die Malerin sind sechzehn Inkjetprints fotografierter Hinweisschilder für Sehenswürdigkeiten (Auflage 3, je 600 Euro) und Fotogramme gesammelter Blätter und Blüten (je 300 Euro).
Mit Chemie zu malerischen Effekten
Das "Glück im Sommer" beschwören die Galeristen Reimann Le Bègue mit acht Künstlern aus ihrem Programm in Bilk. Andreas Korte, Sven Vieweg und Hans-Jörg Mayer hat die seit 2005 bestehende Galerie dieses Jahr bei ihrem Debüt auf der Art Cologne gezeigt. Für Andreas Korte, Jahrgang 1969, sind abstrakt-geometrische Kompositionen in Aquarell charakteristisch (900 Euro). Hans-Jörg Mayer, geboren 1955, arbeitet in einer aufwendigen Technik: Rückwärtig aufgetragene Tuschemalerei schlägt durch einen chemischen Prozess zur Vorderseite durch und zeigt in ausgewaschener Tonalität einen Strahlenkranz, Blumen und die Hand einer Frau. Blickfang ist auch seine Variation auf Dürers Melancholia von in Tusche auf Papier für 4000 Euro. Bereits für 200 Euro ist ein kleines Täfelchen mit der Aufschrift "Wahrheit" von Vieweg zu erwerben, der neben seinen Hinterglasmalereien ein Sammelsurium an originellen Objekten zur Verfügung stellt, wahrlich eine "Bonheur en été".