08.11.2008 · Zwei Ausstellungen, ein Laden für Künstlerfilme und Editionen: Die neuen Berliner Räume von Monika Sprüth und Philomene Magers haben einiges zu bieten. Die Premiere bestreiten George Condo und Thomas Scheibitz.
Von Lisa Zeitz, BerlinEin prächtiger neuer Schauplatz erweitert den Galerienbezirk in Berlin-Mitte. Monika Sprüth und Philomene Magers haben ihre gemeinsamen Galerien in München und Köln geschlossen, um sich ganz auf ihre Quartiere in London und Berlin zu konzentrieren. Auf der Oranienburger Straße haben sie einen geschichtsträchtigen Ort unweit der Museumsinsel gefunden, der romantisch gelegen ist zwischen Monbijou-Park und dem verwunschenen Krausnickpark. Vor rund 150 Jahren ließ der Verein "Ressource zur Unterhaltung" hier, angrenzend an den ehemaligen Gemüsegarten des Kriegsrats Therbusch, ein Gebäude errichten, das, mit Gartenlokal und Ballsaal ausgestattet, zu einer Art Berliner Moulin de la Galette wurde.
Der Ballsaal diente erst einem Handwerkerverein, der Berliner Börse und zuletzt dem Institut für Psychologie der Humboldt-Universität. Nun hat das Architektenteam Barkow Leibinger das klassizistische Gebäude im Inneren minimalistisch erneuert und viel Platz für Kunst geschaffen. Neben der Galerie gibt es im Vorderhaus die "Schellmann Sprüth Magers Art Production", die mit einer neuen Edition von Jenny Holzer eingeweiht wird; ihren neuen Laden für Künstlerfilme, "Image Movement", haben Rosemarie Trockel und Thea Djordjadze gestaltet.
George Condo zwischen Comics und Picasso
Im Kabinett im ersten Stock zeigen Sprüth Magers jetzt eine Ausstellung großer neuer Arbeiten auf Papier des Amerikaners George Condo, Jahrgang 1957. Zu sehen sind die für Condo typischen, obsessiven Clowngesichter, die sich stilistisch zwischen Comics und Picasso bewegen. Die Darstellung des schreienden "Jesus and the Cross" in Acryl, Kohle, Pastell und Sand auf Papier kostet 78.000 Dollar.
Das weitläufige Erdgeschoss ist einer sehenswerten Thomas-Scheibitz-Ausstellung mit dem Titel "The Goldilocks Zone" reserviert. Damit bezieht sich der 1968 in Radeberg geborene Künstler auf einen astronomischen Begriff: Planeten in dieser Zone bieten Bedingungen, die das Leben auf ihnen theoretisch möglich machen. Und so wirken auch die Plastiken und Skulpturen, jede einzelne wie ein Modell zur weiteren Verwendung; viele von ihnen sind Zwitter zwischen Malerei und Bildhauerei.
Scheibitz' Inventar der Formen, Materialien, Farben und Oberflächen verdichtet sich im Ballsaal zu einem bunten Wald, und damit erwacht auch die vielfältige Geschichte dieses Hauses zu neuem Leben. Mit etwas Phantasie kann der Besucher Tanzvergnügen, Handwerk und Psychologie in vollkommener Abstraktion erleben.