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Galerie-Ausstellung : Die Weisheit der Zigarre

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Die Düsseldorfer Galerie Hans Strelow zeigt neue Arbeiten von Frank Stella, darunter Skulpturen und komplexe Gebilde aus Relief und Assemblage.

          Frank Stella war einmal ein Purist der Abstraktion. Mit seinen „Black Paintings“ hatte er in den frühen sechziger Jahren eine neue Avantgarde der Objektkunst in Amerika angestoßen, sein trockenes Diktum „What you see is what you see“ wurde zur Losung der Minimal Art. Mit seinen schwarzen Bildern hatte der Youngster des Jahrgangs 1936 – wohlgemerkt als Maler, in der klassischen Gattung schlechthin – die New Yorker Kollegen um sich herum auf die entscheidenden Ideen gebracht, von der Malerei und ihren Traditionen endlich loszukommen.

          Schon bald nach den bahnbrechenden Streifenbildern hatte sich Stella aber vom Modernisten zum Manieristen gewandelt und deklinierte die Epochen von der Renaissance über den Barock bis zum Rokoko auf seine Weise durch. Wobei er die Gegenwart nie aus den Augen verlor. Das Interesse an den neuen Techniken der Bilderzeugung und Raumdarstellung führte Stella in den Neunzigern zu 3D-Programmen wie „Photoshop“ und „Illustrator“. Damals hatte er das plastische Potential von Rauchschwaden entdeckt, wofür sich eine bestimmte Schweizer Zigarrenmarke als besonders ergiebig erwies. Stella blies die Qualmringe in eigens gebaute Kästen mit mehreren Lichtquellen und ließ sie von synchronisierten Kameras aufzeichnen. Diese Aufnahmen bearbeitete er am Bildschirm und fror die Bewegung in Radierungen und Lithographien ein, etwa in Auflagenblättern unter dem Titel „Schwarze Weisheit“ aus dem Jahr 2000 – sie sind in der Galerie Hans Strelow in Düsseldorf zu sehen, die den Künstler seit 1971 vertritt und jetzt in seiner siebten Einzelausstellung zeigt.

          Edelstahlstäbe, die amorphe Gefüge durchbohren

          Als Malerei bezeichnet Stella seine jüngsten Arbeiten auch dann noch, wenn er komplexe Gebilde als Relief und Assemblage, als hängende Skulpturen von der Wand in den Raum ausgreifen lässt. Auch diese Werke aus den vergangenen Jahren sind bei Strelow zu sehen und aus dem 3D-Drucker hervorgegangen: Er schichtet gewundene, spiralförmige und perforierte, scheinbar flüssige Formelemente, die Stella mit perlmutternen, irisierenden Farbhäuten überzieht. Graphische Akzente setzen gebogene oder vektorengleiche Edelstahlstäbe, die die amorphen Gefüge durchbohren oder umkreisen.

          All diese Arabesken lassen sich nicht auf einen Blick erfassen; sie wollen von unterschiedlichen Standorten gemustert werden, womit sich ihre virtuelle Bewegung auf einen selbst überträgt. Auch in diesen – in der Produktion aufwendigen und kostspieligen – Arbeiten beschäftigt Stella das Momentum des Objekts, ein innerer Elan, der den Blick bewegt, zugleich aber auch den Künstler selbst immer wieder zu neuen Ideen und Werkgruppen anstößt. Stella benennt die Reihe nach dem Barock-Cellisten Domenico Scarlatti und spielt in seinen Kompositionen zudem auf Werke Wassily Kandinskys aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an. Auf gutem Grund: Auch Kandinsky verstand Malerei als Äquivalent von Klang, er fahndete nach synästhetischer Wirkung.

          Unter den Werken der Ausstellung sticht – auch aufgrund des ausladenden Formats – ein Riesenbild aus dem Jahr 1995 namens „Moksha (Singapore II)“ hervor. Die kunterbunte Collage aus bedrucktem Papier ist mit Kleber und Tacker zusammengefügt, ihre Muster sind mit Computerprogrammen entworfen; hier und da finden sich echte Pinselspuren. Das Gewirr mutet erst überladen an, geblendet wendet man den Blick ab, der sich dann aber, nach einiger Zeit, doch willig in den Tiefen und Schluchten dieses Canyons aus Formen verliert. Da ist auf der Fläche eigentlich schon alles drin, was später in den realen Raum wächst. (Bis zum 13. Mai; Preise von 22 000 bis 980 000 Dollar.)

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