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Gagosian ohne Damien Hirst : Scheiden tut weh

Larry Gagosian und Damien Hirst haben sich getrennt. Spielen die beiden großen Männer der Kunstwelt deswegen von nun an eine kleinere Rolle?

          Das ist die Nachricht: Damien Hirst hat seinen Galeristen Larry Gagosian verlassen. Wie das bei einschlägigen Paaren in Traumfabriken - der internationale Kunstmarkt ist unbedingt eine Traumfabrik - so üblich ist: in gegenseitigem Einvernehmen. Oder so ähnlich. Auch wenn einer der beiden Partner - in diesem Fall Hirst - die Meldung zuerst in die einschlägigen Kanäle eingespeist hat. Der andere - in diesem Fall Gagosian - kann dann nur noch dünnlippig „Auch weiterhin alles Gute“ wünschen. Nun sind Hirst und Gagosian nicht irgendein Künstler und irgendein Galerist.

          Sondern der eine ist der weltweit, sagen wir einmal neutral: beachtete, inzwischen nicht mehr blutjunge „Young British Artist“; der andere ist der, sagen wir einmal vorsichtshalber: noch global dominierende Kunstunternehmer. Wir sind also auf dem Niveau von, in Kategorien Hollywoods gesprochen, Angelina Jolie und Brad Pitt (die derzeit freilich keinerlei Trennungsabsichten zeigen). Aber dieser Vergleich passt schon, aus einem ganz bestimmten Grund - und der macht die Scheidung von Hirst und Gagosian, nach immerhin siebzehn Jahren, überhaupt erst interessant: Es geht um das traditionelle Verhältnis zwischen dem Künstler und seinem Galeristen.

          Eine Neudefinition der Performance

          Zwar kündigen immer wieder Künstler, wenn sie endlich bekannt geworden sind, ihrem Galeristen, der ihnen dabei geholfen hat, die Treue, oder sie werden wenigstens polygam. Aber Damien Hirst spielt, was das angeht, schon länger regelrecht in seiner eigenen Liga - genauer: gegen die gültigen Regeln. So hat er, um hier nur seinen Coup par excellence noch einmal zu erwähnen, Mitte September 2008 (das war exakt am Tag des markerschütternden Lehman-Bankrotts; aber das konnte Hirst vorher nicht wissen) mehr als zweihundert seiner Werke bei Sotheby’s in London versteigern lassen - auf eigene Rechnung, mit immensem finanziellen Erfolg. Im Saal konnte man die Vertreter seiner mächtigen Hausgalerien - Gagosian eben, aber auch White Cube in London (wo er weiter bleibt, so heißt es) - für wichtige Stücke mitbieten sehen.

          Hirst hat damit ein hartes Exempel statuiert. Und es ist keine kesse Prognose zu sagen: Da hat einer obendrein die Kunstform der Performance für das 21. Jahrhunderts neu definiert, nach Maßgabe des flottierenden Kapitals. Und der hat selbst viel eigenes Vermögen (geschätzte 346 Millionen Dollar, so heißt es). So kehrt aus lang verflossener Zeit zurück: der Künstlerunternehmer - enorm elastisch. Eine neue Hochrenaissance? Vielleicht schon im Sturz. Womöglich bricht gleichzeitig der Herbst eines Patriarchen an.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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