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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frieze in New York Gutes Essen hilft beim Kunstkauf

 ·  Ihre Londoner Ausgabe hat schon Tradition. Jetzt ist Frieze Art Fair zum ersten Mal in New York gestartet - und schon auf Anhieb bestens angekommen.

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Ein Event, das New York dringend noch brauchte, ist eine Kunstmesse, auf der es leckeres Essen gibt. Gestern nun öffnete die erste „Frieze Art Fair New York City“ fürs Publikum, und die Veranstalter prahlen auf ihrer Website damit, welche Restaurants fürs Catering sorgen: Das Standard Hotel baute seinen mobilen Biergarten auf; Frankies Spuntino bietet gehobene italienische Küche, The Fat Raddish gesunde Kost, und Intelligentsia schenkt Kaffee aus. „Die Frieze wird die anderen Messen auf Anhieb aus dem Wasser blasen“, sagt die Direktorin einer angesehenen New Yorker Galerie: „Niemand wird sich den Fraß auf der Armory wieder antun wollen.“

Es war noch nicht mal Mittagszeit, da hatten ihr mehrere Sammler bereits von Frankies’ Fleischklößen vorgeschwärmt. Der Weg in die Herzen des oberen einen Prozents führt durch die Mägen. Es gibt noch mehr Erfreuliches zu berichten von der Frieze, die Räumlichkeiten zum Beispiel. Per Wassertaxi gelangen Kunstprofis und Publikum zu Randall’s Island, einer Insel im East River, wo die ungeheuer angesagten New Yorker Architekten SO-IL das Zelt errichtet haben, das die Frieze als längstes Zelt der Welt anpreist. Wie eine Schlange aalt sich die weiße Konstruktion durch die Parklandschaft und ermöglicht den Besuchern eine vollkommen neue Kunstmessenerfahrung: Der Innenraum ist hell und hoch und weit, breite Fenster bieten Ausblicke nach Harlem und auf Skulpturen von Christoph Blücher, Matthew Ritchie, Katja Strunz und anderen, die die Organisatoren auf der Wiese plaziert haben.

Die beiden Direktoren der Messe, Amanda Sharp und Matthew Slotover, mussten in jedem Interview die Frage beantworten: Warum, zum Teufel, eröffnet die Londoner Frieze Art Fair eine Dependance in der saturiertesten Kunststadt der Welt? Manhattan mit seinen mehr als tausend Galerien ist doch bereits eine ganzjährige Messe. Sharp und Slotover, das kann man schon nach dem ersten Tag feststellen, haben mit ihrem britischen Import einen Volltreffer gelandet. Denn außer der schönen Bootsfahrt und dem leckeren Essen gibt es noch einen Grund, Randall’s Island zu besuchen: die Kunst.

Die meisten der 170 Aussteller haben sich sichtlich bemüht, Werke von hoher Qualität zu zeigen; denn es gilt: Es gibt mehr Geld als gute Kunst. Seit Chinesen, Russen und Neureiche aller Länder den Kunstzirkus zu ihrem Hobby machen, ist noch mehr Geld in Umlauf. Aber gute Kunst bleibt ein rares Gut. Was tun Sharp und Slotover, um das Niveau zu heben? Sie schrecken nicht davor zurück, eine junge Galerie mit unbekannten Künstlern dem etablierten Händler mit langweiligem Programm vorzuziehen. Natürlich verrät Sharp nicht, wen sie auslud, aber beim Gang über die Messe fällt auf, dass Teilnehmer aus Schwellenländern fast so zahlreich vertreten sind wie solche aus Industrieländern.

Mit Andeutungen von Kapitalismuskritik

Das sorgt für Kurzweile und Überraschungen, besonders bei den Nachwuchsprogrammen „Frame“ und „Focus“. Rampa aus Istanbul etwa zeigt Videos des 2007 gestorbenen Hüseyin Bahri Alptekin (30.000 Dollar), und Kurimanzutto aus Mexico City hat großformatige Papierarbeiten von Abraham Cruzvillages mitgebracht (45.000). Die Foksal Gallery aus Warschau bietet minimalistische Installationen von Monika Sosnowska an: Das sind drei Künstler, die man im Messebetrieb selten zu Gesicht bekommt, ausgestellt von Galerien, die sich an ein Publikum richten, das Kunst nicht in erster Linie als Geldanlage wahrnimmt, sondern als Abenteuer.

Die Londoner Frieze ist bekannt dafür, den Hyperkapitalismus des Markts mit einem Hauch von Ironie und Provokation zu begleiten. Das mag heuchlerisch wirken, sorgt aber für lustige Momente. Von Kapitalismuskritik findet man im New Yorker Zelt nur milde Andeutungen: Barbara Krugers „Too Big To Fail“, eine eher zahme Attacke auf die Großbanken, steht bei SprüthMagers aus Berlin für 200.000 Dollar zum Verkauf. Von einem Boot aus brüllen Occupy-Aktivisten mit Megaphonen Unverständliches in Richtung Messe. Südamerikanisch anmutende Männer mit Hermès-Gürteln winken freundlich vom Biergarten aus zurück.

Ein Stand allein für Minimal

Der Termin der Frieze fällt zusammen mit den Frühjahrsauktionen von Sotheby’s, Christie’s und Phillips de Pury. Die Hotels sind randvoll gefüllt mit SWAGs - so nennt man neuerdings die Leute, die mit ihren Jets durch die Welt rasen, auf der Suche nach Silber, Wein, Kunst und Gold. Auch für diese Klientel, die bleibende Werte sucht, abgekoppelt von Finanzmärkten, jederzeit in einem Bunker zu verstecken, lohnt sich die Bootsfahrt nach Randall’s Island.

Bei Gagosian gibt es die üblichen Verdächtigen: Jeff Koons, Warhol, Richard Prince. Hauser& Wirth haben Skulpturen von Louise Bourgeois dastehen (um 3,75 Millionen Dollar). Und David Zwirner widmet seinen Stand ganz dem Minimalismus, einen Dan Flavin bekommt man dort für eine Million Dollar. Nun ist es aber nicht so, dass die Menschen auf der Messe über nichts anderes als Geld und Kunst reden. Bei Gagosian gibt ein Mitarbeiter einem Kunden Tipps zum Autokauf, es geht um ein Cabrio von BMW. „Du musst das teure Leder nehmen, das schwarze“, sagt er, „denn im hellen Leder färbt die Jeans ab.“ Wieder was gelernt.

Frieze Art Fair New York. Randall’s Island, bis 7.Mai. Geöffnet am 5. Mai von 12 bis 19 Uhr, am 6. und 7. Mai von 12 bis 18 Uhr. Eintrittskarten nur online (40 Dollar für einen Tag).

Quelle: F.A.Z.
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