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Frieze & Frieze Masters : Blick zurück nach vorn

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Frieze und Frieze Masters, die beiden bedeutenden Messen in Londons Regent’s Park, werden ihren elitären Ansprüchen gerecht. Sind sie sich dabei inzwischen zu ähnlich geworden?

          Seit die Zeitgenossen-Messe Frieze im Jahr 2003 zum ersten Mal ihr weißes Zelt im Regent’s Park in London aufschlug, hat sie den Anspruch, einen Querschnitt durch das Beste, was die jüngste Kunst zu bieten hat, einem großen Publikum bekannt zu machen. So entwickelte sie sich vom lauten, ein wenig chaotischen Experiment zum straff geführten must-see-Termin. Seitdem 2012 die Frieze Masters mit ihrem gemischten Programm von der Antike über die Alten Meister bis ins 20. Jahrhundert hinzugekommen ist, hat sie an Gewicht gewonnen. Dabei erlaubt es die bewusste Teilung in zwei Orte – im selben Park – der Frieze, ihr Profil zu bewahren. Beide Messen geben sich abgerundeter denn je, mit konsistent starker Qualität, bis in jeden Winkel. Die Frage heißt: Wie gut erfüllt die Frieze als Messe für Gegenwartskunst noch ihre wichtigste, einst selbstgestellte Aufgabe, zugleich ein Spiegel dessen zu sein, was zeitgenössische Künstler beschäftigt?

          Diesmal sind wieder mehr als 160 Galerien auf der Frieze vertreten, die ein thematisches Rahmenprogramm umspannt. Schon 2016 hatte die Schau einen nostalgischen Einschlag, mit einer Sektion, die wichtige Ausstellungen der Neunziger als romantische Simulationen einer weniger komplexen Kunstwelt auferstehen ließ. Nun ist es mit der Lektion in Kunstgeschichte ebenso ernst, allerdings aus der Sicht heutiger Kuratoren. So hat Alison M. Gingeras die von neun Galerien getragene Zusammenstellung „Sex Work: Feminist Art and Radical Politics“ kuratiert, die feministische Künstlerinnen der Siebziger und Achtziger vereint – wie Penny Slinger, Renate Bertlmann oder Birgit Jürgenssen. Diesen Fokus auf gender politics greift der Stand von SprüthMagers auf, der komplett von Künstlerinnen bespielt wird – von Nachwuchstalenten wie Pamela Rosenkranz und Kaari Upson, neben Stars wie Jenny Holzer.

          gender politics und alternative Fakten

          Ein zweites aktuelles Thema ist (fast etwas zu subtil) in viele Stände eingewebt: Es geht um die Frage, wie Künstler auf die Ära der „alternativen Fakten“ reagieren können. Am elegantesten hat sich die Galerie Hauser und Wirth diesem Thema genähert: In Zusammenarbeit mit der Professorin für Klassische Philologie Mary Beard wurde ein fiktiver Museumsraum zur Bronzezeit konzipiert. Tatsächlich aus der Bronzezeit stammende Artefakte aus Museen sind mit im Internet erstandenen Imitationen und zeitgenössischen Werken aus Bronze von Henry Moore, Paul McCarthy und Louise Bourgeois in alten Schaukästen und Vitrinen ausgestellt. Die Installation, komplett mit Notausgang und Museumsshop, konfrontiert den Besucher mit der Frage, ob die Art, wie uns Dinge gezeigt werden, unseren Glauben an ihre Authentizität leitet. Ist der Kontext alles? Bereits verkauft an eine Privatsammlung in Los Angeles sind eine große Bronze von Hans Arp (1,1 Millionen Dollar) und kleinere Plastiken von Martin Creed (75 000 Dollar) und Rashid Johnson (125 000 Dollar).

          Auch die von Leopold Thun und Angelika Volk geführte junge Londoner Galerie Emalin mischt da mit: Den Stand betritt man durch einen monsterhaften Schlund aus Pappe und braunem Paketklebeband. In dieser Höhle hat der russische Künstler Evgeny Antufiev aus Ton und Textilien gefertigte Figuren und Objekte installiert (von 5000 bis 10 000 Euro). Sie sehen zwar irgendwie nach fakes aus, beziehen sich aber gleichzeitig auf in Sibirien tatsächlich noch einflussreiche schamanische Mythen. Der britische Künstler Charlie Billingham, Jahrgang 1984, eignet sich bei Travesìa Cuatro aus Madrid das ästhetische Vokabular und den Stil meist satirischer Malerei und Zeichnung des 18. Und 19.Jahrhunderts an. Dass die Bilder unfertig aussehen oder wie vergrößerte Ausschnitte – verrutschte Perücken, dicke Bäuche, grapschende Hände –, macht sie als verarbeitete Kunstgeschichte offensichtlich.

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