http://www.faz.net/-gqz-relj

Französische Malerei : Wildenstein oder Nichtsein: Das Pariser „Wildenstein Institute“

  • -Aktualisiert am

Das private Institut der mehr als hundert Jahre alten Händlerdynastie Wildenstein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Rolle der französischen Malerei in der Welt zu fördern. Unschätzbar ist der Einfluß der Werkkataloge des Pariser „Wildenstein Institute“ auf den internationalen Kunstmarkt.

          Keine Auktion moderner französischer Malerei kann sich erlauben, die Werke von Renoir, Pissarro oder Vlaminck im Katalog nicht mit dem Satz zu begleiten: „Dieses Werk wird in den derzeit vom Wildenstein Institute vorbereiteten Werkkatalog aufgenommen.“ Ohne den Hinweis würde das Gemälde kaum einen Käufer finden. Die Werkkataloge des Pariser Wildenstein Institute sind eine unumgängliche Referenz. Wie der Name andeutet, ist das Institut von der international tätigen Kunsthandlung und mehr als hundert Jahre alten Händlerdynastie Wildenstein nicht zu trennen. In den sechziger Jahren wurde die Galerie nach New York verlegt, in London und Tokio eröffnete man Repräsentanzen. Paris ist seit mehr als dreißig Jahren Sitz des privaten Instituts, dessen Aufgabe es ist, die Rolle der französischen Malerei in der Welt zu fördern.

          Das „Hôtel de Wailly“ an der Rue La Boëtie liegt nur einen Steinwurf vom Herzen des Pariser Kunsthandels entfernt. Hier hat sich Nathan Wildenstein (1851 bis 1934), der Begründer der Dynastie, 1905 privat und geschäftlich niedergelassen. Heute ist hier neben den Privaträumen der Familie Wildenstein das Institut untergebracht, das mit einer Bibliothek von rund 400 000 Bänden und unschätzbarem Archivmaterial eine reichere Dokumentation über Kunst besitzt als die Bibliothèque Nationale. Die Erweiterung der Bibliothek , die Veröffentlichung der Zeitschrift „La Gazette des Beaux-Arts“ und die Erstellung von Werkkatalogen sind die Hauptaktivitäten des Instituts.

          Generationsübergreifende Aufgaben

          Das einzigartige Zusammenspiel von Handel und Forschung geht auf die Familiengeschichte zurück. Nathan Wildenstein, der 1870 vor den Deutschen aus dem Elsaß nach Paris floh, gründete seinen Handel mit Kunst auf empirisches Wissen. Er hat unzählige Bilder gesehen, in Museen, Galerien und auf Auktionen und so sein Auge geschult. Sein Sohn Georges (1892 bis 1963) widmete sich kunsthistorischen Studien und schrieb als junger Mann für die „Gazette des Beaux-Arts“, die er später kaufte. Nach dem Ersten Weltkrieg legte Georges den Grundstock zur Bibliothek des Hauses; 1922 begann das kolossale Unterfangen der Werkkataloge.

          Georges Wildenstein, der die Kataloge von Chardin, Fragonard, Lancret, Ingres oder Gauguin selbst erstellte, ließ zu jedem Gemälde die größtmögliche Dokumentation zusammentragen, kaufte Bibliotheken, Archive, Fototheken sowie die Notizen verstorbener Kunsthistoriker. So verfügt das Institut etwa über die Fotothek der Galerie Durand-Ruel und über die Archive der Kunsthistoriker August L. Mayer oder José López-Rey. Von 1955 an wurde auch das Zentralarchiv der Notare vor 1850 im Hinblick auf Künstlernachlässe ausgewertet. Eine „Aufgabe für drei Generationen“, die Georges Wildenstein nicht schreckte. „Wir haben Zeit“, war seine Devise, die im Grundsatz des Vaters Nathan - „Kühnheit beim Kauf, Geduld beim Verkauf“ - wurzelte.

          Vierzig Jahre für Monet

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Topmeldungen

          Aus Protest gegen May : Zwei Minister verlassen Mays Kabinett

          Nach der Einigung auf einen Austrittsentwurf bricht Theresa May ihre Regierung weg. Aus Protest gegen ihre Brexit-Pläne treten die Minister Raab und McVey zurück. Der EU-Sondergipfel zum Brexit soll am 25. November in Brüssel stattfinden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.