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Fotos für den Städel : Museum im Glück

Das Frankfurter Städel Museum erwirbt mehr als tausend Fotografien. Rudolf und Annette Kicken haben die Bilder zusammengetragen: Werke von August Sander bis Man Ray.

          Diese Erwerbung ist ein wirklicher Glücksfall, dem freilich ein klares museales Konzept zugrunde liegt. Denn seit 2008 baut das Städel unter seinem Direktor Max Hollein gezielt einen Bestand an Fotografie auf, der gleichberechtigt neben Gemälden, Plastiken und Arbeiten auf Papier stehen soll. Begonnen hat das mit der Eingliederung von 210 zeitgenössischen Werken von 76 Fotokünstlern seit 1945, die aus der Sammlung der DZ Bank kamen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Es folgte 2011 die erlesene Sammlung von Wilfried und Uta Wiegand, die mit zweihundert Einzelfotografien und hundert weiteren Abzügen in Alben die Klassische Moderne, vor allem aber das neunzehnte Jahrhundert mit feinsten Zeugnissen des Piktorialismus abdeckt, der seinerzeit das junge technische Medium mit der Malerei in Konkurrenz treten ließ (F.A.Z. vom 24. März 2011). Beide Werkgruppen sind in die Präsentationen des Museums integriert, wo sie unverwechselbare Akzente setzen - Meilensteine in der Neukonzeption des Hauses, in der deutschen Museumslandschaft überhaupt.

          Jetzt ist es dem Städel gelungen, die dazwischen offene, zeitgeschichtliche Lücke zu füllen, dank der Fotografie-Sammlung von Rudolf und Annette Kicken. Es handelt sich um ganz genau 1173 Fotos, die als Konvolut die europäische Avantgarde umfassend auf höchstem Niveau abbilden. Dabei geht es vor allem um wichtige Zeugnisse der „Neuen Sachlichkeit“, der Bauhaus-Fotografie und der „Subjektiven Fotografie“ der fünfziger Jahre in der Bundesrepublik.

          Der Städelsche Museums-Verein hat, eine weitere Großtat seines Bürgersinns, das ermöglicht, mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung. Der Ankauf umfasst 524 Arbeiten, weitere 649 Bilder sind die Schenkung der Kickens an das Museum, vor deren Großzügigkeit man sich verneigen darf. Der bezahlte Preis ist unbekannt. Der Marktwert des gesamten Konvoluts liegt, angesichts einzelner fotografischen „Ikonen“, jedenfalls im Bereich mehrerer Millionen.

          Rudolf Kicken, Jahrgang 1947, weltweit renommierter Galerist, Händler und Hüter fotografischer Nachlässe, begann sein Geschäft in den siebziger Jahren. Vorgezeichnet war ihm eine Karriere als Nachfolger im väterlichen Unternehmen, aus dieser Laufbahn ist er früh ausgebrochen und gründete Mitte der Siebziger eine Galerie für Fotografie.

          Von Köln zog er im Jahr 2000 nach Berlin um, wo er die Galerie jetzt gemeinsam mit seiner Frau Annette führt. Als Fotografiesammler trat Kicken bisher nie auf, nur wenige wussten davon. Aber das geht gar nicht anders, sagt er dazu, es ist ja eine Leidenschaft. Zwar hat er als Händler jedes Bild erst einmal verkauft. Gab es der Kunde aber nach einiger Zeit zurück, behielt er, was ihm wichtig war: „Dann war es meines.“

          Stets ging es Kicken um Werkgruppen eines Künstlers oder einer Epoche, was diese Erwerbung für das Museum besonders wertvoll macht. Denn so kann man dort aus dem Vollen schöpfen. Felix Krämer, der Sammlungsleiter für die Kunst von 1800 bis 1945, spricht von neuen phänomenalen Möglichkeiten bei der Gestaltung künftiger Hängungen.

          Mit den Fotos von Kicken ist, bei nur geringen, sogar ergänzenden Überschneidungen, der genaue historische Anschluss an die Werke der Wiegand-Sammlung geschaffen. Außerdem wird die Präsentation der Fotografien, gemeinsamen mit der anderen Kunst, endlich Namen ins allgemeine Bewusstsein bringen, die bisher noch nicht so geläufig sind.

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