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Fotografie Lebensglück als Schnappschuß: Ein Rundgang über die Messe „Paris Photo“

19.11.2005 ·  Eine Fotomesse ist ein Forum, welches das gesamte Spektrum eines Mediums sowohl zeitlich als auch thematisch bieten kann. So finden sich im Carrousel du Louvre jüngste Positionen neben Aufnahmen von Pionieren des Fachs, Aktdarstellungen und Porträts neben Schnappschüssen.

Von Angelika Heinick
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Ein großer Teil der gewohnten 40 000 Besucher der Pariser Messe für Fotografie drängte sich schon am Vernissageabend durch die Gänge und Kojen im Carrousel du Louvre. Die 9. Ausgabe von Paris Photo erfreut sich ungebrochenen Zuspruchs, den die Aussteller - inzwischen neunzig Galerien und sechzehn Kunstverlage aus vierzehn Ländern - gerne teilen.

Das untrügliche Zeichen einer erfolgreichen Messe ist die Präsenz amerikanischer Galerien, von denen diesmal 22 an die Seine reisten. Aus Deutschland sind vierzehn Händler gekommen, ebenso viele aus Spanien, dem als diesjähriges Gastland mit der Sektion „Statement“ besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Erstmals wurden gut fünfhundert VIP-Gäste mit einem Sonderprogramm verwöhnt.

Es ist wenig Muße vonnöten, um das vielfältige Angebot halbwegs zu übersehen. In der Fülle oft monumentaler Abzüge junger und jüngster Produktion führen die frühe Fotografie und die Klassische Moderne ein eher diskretes Dasein. Größe und knallige Farben ziehen das Auge an, aber nicht immer hält die Qualität, was das Format verspricht, und die erfolgreichen Formeln der Stars wie Struth oder Gursky werden mancherorts bis zur Übersättigung dekliniert.

Doch eine Fotomesse ist ein Forum, welches das gesamte Spektrum eines Mediums von seiner Entstehung bis heute bieten kann. So richtet der New Yorker Hans P. Kraus, als großer Vertreter der Zunft der Messe seit Jahren treu, eine Hommage an einen der britischen Foto-Pioniere, Roger Fenton, einer der ersten weltreisenden Fotografen, der 1854 auch „Four of Queen Victoria's Children in costume“ ablichtete (12 000 Dollar für den Albuminabzug vom Kollodion-Glasnegativ). Mit einer Doppelbelichtung erzielte der Amerikaner George Platt Lynes 1940 für das Porträt des Surrealisten Yves Tanguy, der in einem seiner Gemälde zu verschwinden scheint, eine passende Wirkung (bei 1900-2000 zu 22 000 Euro).

Nach wie vor beliebt: Porträt und Akt

Das Porträt bleibt eines der beliebtesten Motive, wie die Porträtserie junger Frauen in Amerika wie „Suzannah # 23, Hillboro, OR, 2003“ der französischen Reporterin Lise Sarfati belegt (Auflage 10, zwischen 5100 und 7600 Euro bei Yossi Milo aus New York). Der spanische Chronist der „Movida“ der achtziger Jahre, Alberto Garcia Alix bei Juana de Aizpuru (Madrid) gehört zu den Großen des Genres - sein jüngstes Selbstporträt, wie alle seine Bilder in Schwarzweiß, als Adoptivvater einer Elster („El Padastro de la Urraca“, Auflage 3, 6000 Euro) resümiert bewegend ein Leben voller Exzesse, Liebe und Trennungen.

Dem ebenso beliebten Motiv des weiblichen Akts widmet die Pariser Galerie Art 75 - Yves di Maria die Ausstellung „25 nus - Femmes“ des amerikanischen Fotografen russischer Herkunft Sasha Stone; die signierten Originalabzüge von 1933, elegante und kühne Aufnahmen, sind mit bis zu 8000 Euro günstig veranschlagt. Als Vertreter der höchsten Preiskategorie ist Man Ray anzutreffen, von dem Johannes Faber aus Wien ein seltenes Fotogramm von 1922 offeriert, ein Original aus dem mit Tristan Tzara gefertigten Album „Champs Délicieux“, mit der Silhouette von Man Rays Händen (200 000 Euro).

Atombombenzündungen und ein Luftsprung

Die trügerische „Beauty of destruction“ zelebriert der Münchner Daniel Blau mit Reportageaufnahmen von Atombombenzündungen wie der „Operation Ranger“ Jay Eyermans 1951 für „Time Life“. Die Vintage Prints mit einer Folge von Ansichten vom atomaren Sonnenaufgang bis zum Atompilz kosten je 5000 Euro.

Zu den kleinsten Formaten gehören die Kontaktabzüge früher Aufnahmen von André Kertész aus seiner ungarischen Heimat. Die Vignetten mit Bildern aus dem Familienleben wie dem Foto des Bruders beim Luftsprung („My brother in a scherzo“, Juni 1919), die Bruce Silverstein aus New York zu Preisen zwischen 9000 und 28000 Dollar anbietet, illustrieren aufs schönste die kostbarste Eigenschaft der Fotografie, als Schnappschuß ein Stück Lebensglück zu verewigen.

Bis 20. November. Samstag von 11 bis 20 Uhr geöffnet, Sonntag bis 19 Uhr. Eintritt und Katalog kosten einzeln je 15 Euro, zusammen 25 Euro.

Quelle: F.A.Z., 19. November 2005
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