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Fotografie Ihr Begleiter ist der Mond

21.08.2007 ·  Wenn das Licht sich anschmiegt: Die Wiener Galerie Faber präsentiert den Tschechen Frantisek Drtikol, einen Poeten der Fotografie vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Von Nicole Scheyerer
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Verführerinnen wie Salome, Judith oder Kleopatra gehörten zu den Motiven, die der Fotograf Frantisek Drtikol (1883 bis 1961) in seinem Prager Studio am liebsten inszenierte. Eine Ausstellung der Wiener Galerie Johannes Faber bringt signierte und gestempelte Vintage Prints sowie Silbergelatine- und Pigmentdrucke des Künstlers aus tschechischen Privatsammlungen auf den Markt. An den gezeigten Werken lässt sich Drtikols Übergang vom Piktoralismus zur symbolistischen Aktfotografie und zu Experimenten mit geometrischen Formen nachvollziehen. Wie eine Kreidezeichnung mutet die Fotolithographie einer Salome samt Totenkopf an (9000 Euro), die in der Frühzeit des Fotografen entstand. Aus jener Werkphase stammt auch die „Arabische Aktstudie“ (12.000 Euro) sowie das reizende Blumenmädchen (8500 Euro), für das Drtikols Frau, die Tänzerin Ervina Kupferova, kostümiert auftrat.

Festgehaltene Tänzerinnen

Mal holte der Fotograf aus seiner Requisitenkiste ein abgeschlagenes Haupt, mal ein überlanges Schwert, bemühte sich aber trotz dieser Historismen um Modernität in der Darstellung. Ein eigenwilliges Bild geben die beiden Trikotträgerinnen ab (12.000 Euro), die Kopf und Arme vornüber hängen lassen: Im Entstehungsjahr 1920 schlägt sich hier der neue Ausdruckstanz nieder, der die rigide Disziplin des Balletts verflüssigen wollte. In einer Aktstudie von 1924 begeistert, wie sich das indirekte Licht an den Körper schmiegt und den Haarflaum an der Taille erhellt. Diese Aufnahme einer Schönheit mit Bubikopf bietet Faber als Unikat für 80.000 Euro an.

Betonung des Körperlichen

Ende der zwanziger Jahre versetzte Drtikol seine Modelle in Kulissen aus bemaltem Karton. Die aufgesplitterten Formen des Art déco und die Lichtdramatik des Stummfilms sollten fortan die Körper unterstreichen: Als hätte es den Vollmond als Begleiter an der Hand, wandelt ein Modell mit einer dunklen Scheibe neben sich. In den Kompositionen „Wave II“ und „Desire“ (je 3500 Euro) werden die Frauenkörper auf Wellen und Scheiben von der Lust fortgetragen. Obwohl seine Aufnahmen internationale Publizität fanden, zog sich Drtikol in den Dreißigern von der Fotografie zurück und widmete sich der Malerei und den Schriften Rudolf Steiners. Seine Glasplatten und Negative schenkte der Anthroposoph 1942 dem Prager Kunst- und Gewerbemuseum, wo seine Tänzerinnen bis in die siebziger Jahre hinein unbeachtet in Kisten ruhten. - Unsere Abbildung zeigt Drtikols effektvoll auf einer Rampe ausgeleuchteten „Step III“ (3500 Euro).

Bis 15. September

Quelle: F.A.Z., 18.08.2007, Nr. 191 / Seite 44
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