http://www.faz.net/-gqz-73wii
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.10.2012, 12:32 Uhr

Fotografie-Auktion Ernste Seitenblicke

Mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien wurde Man Ray zur Legende. Das Auktionshaus Soler y Llach in Barcelona versteigert jetzt Originalabzüge, unter anderem aus dem Nachlass der Witwe.

von Clementine Kügler, Madrid

Ein Konvolut mit 144 Fotografien von Man Ray, die meisten davon Originalabzüge, kommt am 30.Oktober in Barcelona beim Auktionshaus Soler y Llach unter den Hammer. Die Fotografien und einige Objekte aus den Jahren 1920 bis 1970 hatte der italienische Galerist Camillo d’Afflitto zusammengetragen, viele stammen aus dem Nachlass von Juliet, der Witwe Man Rays.

Die Aufbruchsstimmung und der schöpferische Geist am Beginn des 20. Jahrhunderts lebt in Man Rays Experimentierfreude bis zu seinem Tod 1976 fort. Aus der umfangreichen Serie seiner Rayographien - bei denen er ohne Kamera arbeitet und Objekte, direkt auf Fotopapier gelegt, von der Sonne belichten lässt - sind frühe Beispiele von 1922 zu finden (Abzüge von 1963; Taxe 5000/7000Euro). Spitzenlos ist das berühmte „Noire et Blanche“-Foto, das dem weißen Gesicht des Modells Kiki de Montparnasse eine pechschwarze Baule-Maske gegenüberstellt (Silbergelatineabzug der fünfziger Jahre; 150.000/ 200.000): Das Titelbild einer Ausgabe der Zeitschrift „Vogue“ von 1926 galt lange Zeit als teuerste Fotografie der Welt.

Der große Einfluss von Stammeskunst auf die künstlerische Avantgarde der Dadaisten und Surrealisten und der Moderne schlechthin wird anhand mehrerer hoch taxierter Aufnahmen deutlich, die Man Ray für die Sammlung Carl Kjersmeier anfertigte (um 1934; 40.000/ 50.000). Eine wichtige Rolle spielte für ihn auch das Schachspiel: Für geschätzte 5000 bis 7000 Euro ist ein von Man Ray entworfenes Schachbrett zu haben.

Mehr zum Thema

Zu den angebotenen Arbeiten gehören, neben Modefotos und bekannten Selbstporträts - wie „Man Ray mit Stock“ (Silbergelatineabzug 1930/40) für geschätzte 10.000 bis 15.000 Euro - viele Künstlerporträts: der schelmisch blickende Erik Satie (1921; 8000/12.000) oder ein ernster Curd Jürgens (6000/9000), eine provokante Lee Miller (um 1930; 5000/7000) oder eine nachdenkliche Meret Oppenheim (1934; 5000/7000), außerdem Gruppenaufnahmen mit Picasso, Marcel Duchamp oder Max Ernst. Als „Objets de mon affection“ bezeichnete Man Ray spielerische Kompositionen von Gegenständen und Fundstücken, wie „It’s an Other Springtime“ (1961; 2000/3000). Camillo d’Afflitto (1951 bis 2009) hatte sich in Florenz und von 1996 an in New York als Sammler der frühen Dadaisten, aber auch deren Nachfolger wie die Fluxus-Künstler und die Nouveaux Réalistes einen Namen gemacht.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Der Nachlass von Heinz Schenk Bembel, Bambi und Urlaubsbilder

Der Besitz des hessischen Fernseh-Stars Heinz Schenk kommt unter den Hammer – sogar aus Japan treffen Gebote ein. Was mit dem Erlös passiert, steht auch schon fest. Mehr Von Bettina Wolff, Wiesbaden

20.08.2016, 18:54 Uhr | Gesellschaft
Modemetropole Barcelona Zwischen Hippie-Look und Mode-Mainstream

Barcelona zieht die Kreativen der Modebranche an. In der Metropole am Mittelmeer arbeiten zahlreiche junge Designer und sind mit ihren kleinen Studios erfolgreich. So wie Krizia Robustella, die mittlerweile drei Boutiquen betreibt. Mehr

08.08.2016, 09:29 Uhr | Aktuell
Der Fall Goudstikker Doppelte Raubkunst

Das Diptychon von Lucas Cranach d. Ä. mit Adam und Eva, entstanden 1530, bleibt im Norton Simon Museum in Pasadena - trotz seiner bewegten Provenienz. Mehr Von Patrick Bahners

26.08.2016, 10:00 Uhr | Feuilleton
Primera Division Barcelona-Gala mit Messi und Suarez

Die Primera División ist gerade erst in die neue Saison gestartet, da macht der FC Barcelona schon wieder Angst. Das Traum-Duo Suárez und Messi fegt Real Bétis Sevilla mit einem Tor-Feuerwerk vom Platz. Mehr

21.08.2016, 20:24 Uhr | Sport
Nachlass Heinz Schenk Bembel unter dem Hammer

Mit einem Transporter sollte sich ausstatten, wer am Samstag um den Nachlass des Showmasters Heinz Schenk mitsteigern will. Ein kleiner Fernsehpreis passt aber auch ins Handschuhfach. Mehr Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden

17.08.2016, 12:18 Uhr | Rhein-Main

Ein verlorener Ruf

Von Berthold Kohler

Nichts belastet das Verhältnis Deutschlands zu den ostmitteleuropäischen Ländern stärker als die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Mehr 669