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Fotografie-Auktion : Ernste Seitenblicke

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Mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien wurde Man Ray zur Legende. Das Auktionshaus Soler y Llach in Barcelona versteigert jetzt Originalabzüge, unter anderem aus dem Nachlass der Witwe.

          Ein Konvolut mit 144 Fotografien von Man Ray, die meisten davon Originalabzüge, kommt am 30.Oktober in Barcelona beim Auktionshaus Soler y Llach unter den Hammer. Die Fotografien und einige Objekte aus den Jahren 1920 bis 1970 hatte der italienische Galerist Camillo d’Afflitto zusammengetragen, viele stammen aus dem Nachlass von Juliet, der Witwe Man Rays.

          Die Aufbruchsstimmung und der schöpferische Geist am Beginn des 20. Jahrhunderts lebt in Man Rays Experimentierfreude bis zu seinem Tod 1976 fort. Aus der umfangreichen Serie seiner Rayographien - bei denen er ohne Kamera arbeitet und Objekte, direkt auf Fotopapier gelegt, von der Sonne belichten lässt - sind frühe Beispiele von 1922 zu finden (Abzüge von 1963; Taxe 5000/7000Euro). Spitzenlos ist das berühmte „Noire et Blanche“-Foto, das dem weißen Gesicht des Modells Kiki de Montparnasse eine pechschwarze Baule-Maske gegenüberstellt (Silbergelatineabzug der fünfziger Jahre; 150.000/ 200.000): Das Titelbild einer Ausgabe der Zeitschrift „Vogue“ von 1926 galt lange Zeit als teuerste Fotografie der Welt.

          Der große Einfluss von Stammeskunst auf die künstlerische Avantgarde der Dadaisten und Surrealisten und der Moderne schlechthin wird anhand mehrerer hoch taxierter Aufnahmen deutlich, die Man Ray für die Sammlung Carl Kjersmeier anfertigte (um 1934; 40.000/ 50.000). Eine wichtige Rolle spielte für ihn auch das Schachspiel: Für geschätzte 5000 bis 7000 Euro ist ein von Man Ray entworfenes Schachbrett zu haben.

          Zu den angebotenen Arbeiten gehören, neben Modefotos und bekannten Selbstporträts - wie „Man Ray mit Stock“ (Silbergelatineabzug 1930/40) für geschätzte 10.000 bis 15.000 Euro - viele Künstlerporträts: der schelmisch blickende Erik Satie (1921; 8000/12.000) oder ein ernster Curd Jürgens (6000/9000), eine provokante Lee Miller (um 1930; 5000/7000) oder eine nachdenkliche Meret Oppenheim (1934; 5000/7000), außerdem Gruppenaufnahmen mit Picasso, Marcel Duchamp oder Max Ernst. Als „Objets de mon affection“ bezeichnete Man Ray spielerische Kompositionen von Gegenständen und Fundstücken, wie „It’s an Other Springtime“ (1961; 2000/3000). Camillo d’Afflitto (1951 bis 2009) hatte sich in Florenz und von 1996 an in New York als Sammler der frühen Dadaisten, aber auch deren Nachfolger wie die Fluxus-Künstler und die Nouveaux Réalistes einen Namen gemacht.

          Quelle: F.A.Z.

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